Während in anderen Familien Festtagsruhe einkehrt, bestimmt bei Bürgeners die Arbeit mit dem Vieh auch an Weihnachten den Tagesrhythmus.

71 Milchkühe, 60 Rinder und ein Bulle stehen bei Familie Bürgener in Windrath im Stall. Die Tiere müssen versorgt werden, egal ob Ostern oder Weihnachten ist. Und sie bestimmen auch die Zeiten, zu denen Christa und Klaus Bürgener und Azubi Benjamin Brakelmann (stehend) sowie Anika (l. vorne) und Ursula Bürgener (r.) feiern können.
71 Milchkühe, 60 Rinder und ein Bulle stehen bei Familie Bürgener in Windrath im Stall. Die Tiere müssen versorgt werden, egal ob Ostern oder Weihnachten ist. Und sie bestimmen auch die Zeiten, zu denen Christa und Klaus Bürgener und Azubi Benjamin Brakelmann (stehend) sowie Anika (l. vorne) und Ursula Bürgener (r.) feiern können.

71 Milchkühe, 60 Rinder und ein Bulle stehen bei Familie Bürgener in Windrath im Stall. Die Tiere müssen versorgt werden, egal ob Ostern oder Weihnachten ist. Und sie bestimmen auch die Zeiten, zu denen Christa und Klaus Bürgener und Azubi Benjamin Brakelmann (stehend) sowie Anika (l. vorne) und Ursula Bürgener (r.) feiern können.

Simone Bahrmann

71 Milchkühe, 60 Rinder und ein Bulle stehen bei Familie Bürgener in Windrath im Stall. Die Tiere müssen versorgt werden, egal ob Ostern oder Weihnachten ist. Und sie bestimmen auch die Zeiten, zu denen Christa und Klaus Bürgener und Azubi Benjamin Brakelmann (stehend) sowie Anika (l. vorne) und Ursula Bürgener (r.) feiern können.

Neviges. "Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war", berichtet das Lukas-Evangelium (Lk 2,7) über die Geburt Jesu.

Wenn am Donnerstag Abend die Lichter des Weihnachtsbaumes in den Wohnzimmern erstrahlen, erinnert oft eine Krippe an die Geburt in einem einfachen Stall.

Einen echten Stall besitzt dagegen die Familie Bürgener auf ihrem Hof neben der Windrather Kapelle: Ochs und Esel finden sich zwar nicht darin, aber ein Bulle, 71 Milchkühe und 60 Rinder.

Früh um 6 Uhr beim Melken kommt wenig Krippen-Romantik auf

Weihnachten auf dem Bauernhof verläuft in etwas anderen Bahnen. Während bei den meisten Menschen Ruhe einkehrt, bestimmt das Vieh ohne Ausnahme den Tagesrhythmus: "Die Kühe kennen keinen Sonntag und kein Weihnachten", sagt Klaus Bürgener. Für den 53-jährigen Landwirt und seine Ehefrau Christa beginnen daher die Feiertage wie sonst auch um 6 Uhr im Melkstand.

Unterstützt werden sie üblicherweise vom Auszubildenden Benjamin Brakelmann. Weihnachten hat er jedoch frei, deshalb hilft die jüngste Tochter Anika mit. Die 19-Jährige tritt beruflich in die Fußstapfen der Eltern, studiert in Soest Agrarwirtschaft.

Nach dem Frühstück um 8 Uhr wird das Vieh gefüttert: Im Silo wird Futter geschnitten, Schrot aus dem eigenen Getreide gemahlen, und das bis auf wenige Ausnahmen wie Weihnachten täglich: "Mehr als einen Tag im Voraus kann man das Futter nicht bereiten, weil es sonst verdirbt", erklärt Bürgener.

Beim Kraftfutter hilft Kollege Computer: Er teilt jeder Kuh, die in eine spezielle Futterbox tritt, die erforderliche Menge zu, gesteuert und kontrolliert durch einen Chip im Halsband des Tieres. Bei den winterlichen Temperaturen müssen außerdem die Tränken mit einem Heißluftgerät aufgetaut werden, so dass auch Heiligabend gut mit Arbeit gefüllt ist.

Christa Bürgener ist auch Küsterin in der Windrather Kapelle

Wenn am Donnerstag Nachmittag der Familiengottesdienst beginnt, steht die Familie schon wieder zum Melken im Stall: "Und die Mette um 23 Uhr ist zu spät, wenn man um 6 Uhr am nächsten Morgen wieder auf sein muss", meint Bürgener. Auf den weihnachtlichen Gottesdienst wird Familie Bürgener trotzdem nicht ganz verzichten: Der findet am zweiten Weihnachtstag auch in der Windrather Kapelle gleich neben dem Wohnhaus statt.

Vor ein paar Tagen hat Klaus Bürgener eine 4,50 Meter hohe Tanne, gespendet von Nachbar Siegfried Kuhlendahl, in der 130 Plätze zählenden Kirche aufgerichtet. Ehefrau Christa ist zugleich Küsterin: "Wenn sie aufhört zu läuten, habe ich noch genau eine Minute, um pünktlich zu kommen", sagt der Landwirt schmunzelnd.

"Der Beruf hat mit dem eines Hirten nichts mehr gemein."

Ursula Bürgener (26), ausgebildete Agrarwirtschaftlerin, arbeitet als Herdenmanagerin im Erzgebirge

"In jener Nacht lagerten Hirten auf freiem Felde und hielten Nachtwache bei ihrer Herde", heißt es bei Lukas. Bei den Bürgeners kommen am Donnerstag nach der Arbeit die Großeltern und Geschwister zu Besuch, in der festlich geschmückten Stube wird die traditionelle Pute als Festtagsbraten auf dem Tisch stehen.

Tochter Ursula ist erstmals nicht dabei: Die 26-Jährige studierte Agrarwirtschaftlerin arbeitet im Erzgebirge in einer ehemaligen LPG mit 700 Stück Vieh als eine von zwei Herdenmanagerinnen und hat nach ein paar Tagen Heimaturlaub über die Feiertage Bereitschaftsdienst.

"Der Beruf hat mit dem eines Hirten nichts mehr gemein", sagt die älteste der drei Bürgener-Mädchen (nur Schwester Karin ist nicht der Landwirtschaft tätig). Sie organisiert Arbeitsabläufe in dem nach dortiger Lesart mittelgroßen Betrieb, ist Besamungstechnikern, leistet medizinische Hilfe unterhalb des Tierarztes.

Für sie ist das erste Christfest fern der Heimat eine neue Erfahrung: "Hoffentlich wird es nicht so kalt", sagt die Nevigeserin, denn wenn die Temperaturen deutlich unter null Grad sinken, wird sie erfahrungsgemäß die halbe Nacht im Stall verbringen. Vor der Abfahrt hatte sie am Sonntag schon mit Familie und Azubi gefeiert: "Sozusagen eine Betriebsweihnachtsfeier", meint sie schmunzelnd.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer