Bildung: Britische Grundschullehrer wie Marcus Ray hospitieren an zwei Schulen in der Stadt. Die Lehrer wollen voneinander lernen.

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Lehrer Marcus Ray kommt aus Großbritannien und unterrichtet eine Woche Lukas und die anderen Schüler der 2b.

Lehrer Marcus Ray kommt aus Großbritannien und unterrichtet eine Woche Lukas und die anderen Schüler der 2b.

Simone Bahrmann

Lehrer Marcus Ray kommt aus Großbritannien und unterrichtet eine Woche Lukas und die anderen Schüler der 2b.

Wülfrath. Niki steht sichtlich stolz ganz vorne vor der Klasse an der Tafel. Die Siebenjährige lächelt und sagt dann bestimmt: „Close your eyes.“ Auf ihr Kommando legen ihre Mitschüler der 2b der Grundschule Ellenbeek die Köpfe auf die Tische, verschränken die Arme vor Stirn und Augen. Niki nimmt einen Magneten von der Tafel, verdeckt ihn. „Open your eyes! What’s missing?“ Die Finger schnellen in die Höhe. Eine ganze Reihe hat herausgefunden, welches Symbol Niki versteckt hält. „A coat. Is it right?“. fragt Jasmin (7). „Yes, it is,“ bestätigt Niki. Und auch Anna Molitor, die Englisch-Lehrerin der Klasse, und der Hospitant, quittieren die korrekte Antwort lächelnd und mit einem Nicken.

Britischer Lehrer schaut sich eine Woche den Unterricht an

Der Besuch des Hospitanten macht den Morgen in der 2b besonders. Es ist Marcus Ray, ein Lehrer aus Großbritannien. Eine Woche lang schnuppert er in alle Jahrgangsstufen der Ellenbeeker Schule. Er schaut sich den Unterricht an. Er wirkt aber auch mit. Und dass ein „echter Engländer“ im Unterricht dabei ist, findet nicht nur Lukas „echt cool“.

Gleich zwei der drei städtischen Grundschulen beteiligen sich an dem Programm „pädagogischer Austauschdienst“ der Kultusministerkonferenz: die Grundschule Ellenbeek und die Lindenschule. „Wir sind angeschrieben worden, ob wir Interesse an einem derartigen Programm haben und fanden diese Idee sofort toll“, lässt Monika Gesekus, Konrektorin in der Ellenbeek, die spontane Begeisterung erkennen.

Finanziert wird dieser Austausch vor allem aus EU-Mitteln, die solche speziellen Programme für den Schulbereich aufgelegt hat. „CILT“, das National Centre for Languages London (dt. Nationale Zentrum für Sprachen London), hat bei diesem konkreten Austausch die Federführung.

„Vom Austausch sollen beide Seiten etwas haben“

Primary Teacher (Grundschullehrer) Marcus Ray unterrichtet an der Lark Rise Lower School in Dunstable, das 60 Kilometer nördlich von London liegt. Für insgesamt zwei Wochen ist der 35-Jährige in Deutschland tätig. Untergebracht ist er bei der Grundschullehrerin Ingrid Bechtel. Vergangene Woche hat er Sprach- und Methodik-Kurse am Düsseldorfer Goethe-Institut besucht. „Denn darum geht es schließlich auch: Vom Austausch sollen beide Seiten etwas haben“, sagt Gesekus. Es gehe um Austausch von Erfahrungen und Ideen. Gesekus: „Wie wird im Primarbereich in England, wie in Deutschland unterrichtet? Die Schuluniform ist da nicht der einzige Unterschied.“ Zum Ende diese Woche sei man in dieser Frage sicher schlauer.

Die Kinder freuen sich über den Besuch von Marcus Ray

Mr. Ray an der Grundschule Ellenbeek, Mrs. Andrews an der Lindenschule: „Für uns ist das eine tolle Ergänzung. Wir profitieren sehr davon“, schwärmt Marlies Leuth, Leiterin der Lindenschule. Die Kollegin von der Insel, die bei der Lehrerin Susanne Hilbring untergebracht ist, hospitiert nicht nur im Englisch-Unterricht, sondern auch in Mathematik. „Interessant ist, dass die Inhalte offenbar vergleichbar sind.“ Allerdings hätten die Grundschüler in England im Rahmen des Ganztagsunterrichts pro Woche 75 Minuten mehr Mathe-Unterricht. „Pro Jahr ist das dann sehr viel“, sagt Leuth.

Marlies Leuth kann sich vorstellen, dass Lindenschüler einen E-Mail-Kontakt zur Schule der Austausch-Lehrerin ausbauen. „Das wäre eine schöne Sache.“

Die Mädchen und Jungen empfinden den Besuch von „Mister Ray“ vor allem als Bereicherung. Die 2b ist mucksmäuschenstill, als Marcus Ray das Kinderbuch „Froggy gets dressed“ (dt. Froggy zieht sich an) aufschlägt. Dabei bleibt es nicht beim bloßen Vorlesen. Lehrerin Anna Molitor und Ray kontrollieren im Zusammenspiel, ob Mara, Niki und der Rest der Schulklasse den Text auch verstehen: Fragen – mal in Deutsch, mal in Englisch beantwortet – dienen als Lernkontrolle. Die Klasse zieht mit. So macht Fremdsprache Spaß.

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