Die Umbauarbeiten am denkmalgeschützten Gebäude haben begonnen. Lintorfer Heimatfreunde sind froh darüber.

Ab Sommer sollen im „Haus Merks“ Gäste bewirtet werden.
Ab Sommer sollen im „Haus Merks“ Gäste bewirtet werden.

Ab Sommer sollen im „Haus Merks“ Gäste bewirtet werden.

Pierre-Claude Hohn

Ab Sommer sollen im „Haus Merks“ Gäste bewirtet werden.

Lintorf. Sanierung statt Abrissbagger: "Haus Merks" ist gerettet. Das Gerüst, das seit einigen Tagen rund um das uralte Häuschen an der Speestraße aufgestellt wurde, macht deutlich, dass der Denkmalschutz gewonnen hat.

Denn um das geduckte Gebäude mit dem dunkelroten Anstrich und der Hausnummer 10 gab es jahrelang Zank: Für die Denkmalschützer ist es ein kleiner Schatz, für die Erbengemeinschaft war das Ende des 18. Jahrhunderts errichtete Bauwerk dagegen ein Klotz am Bein.

Architekt Sven van Gelder hat das Gebäude inzwischen gekauft

Mehrere Investoren hatten sich in der Vergangenheit für das Grundstück in bester Lage mitten auf Lintorfs Einkaufsmeile interessiert. Doch der Landeskonservator stellte "Haus Merks" unter Denkmalschutz. Inzwischen hat der Architekt Sven van Gelder das Gebäude von der Erbengemeinschaft gekauft und möchte dort im Sommer nach Sanierung und Umbau ein Café und Bistro eröffnen.

Zudem soll es in der warmen Jahreszeit eine Außengastronomie geben. Allerdings nicht an der Straßenfront, sondern im hinteren Bereich der ehemaligen Scheune. Die wurde einst zum Wohnhaus umgebaut, steht aber nicht unter Denkmalschutz.

Derzeit bremst das Winterwetter den zügigen Fortgang der Restaurierungsarbeiten. Eigentlich sollte in diesen Tagen das Dach saniert werden. Bereits fertig ist die Tieferlegung des Fußbodens im Erdgeschoss. Damit wurde die vorgeschriebene Raumhöhe erzielt.

Als Denkmal gilt ein Bauwerk, das durch günstigen Standort oder eher zufällig die Zeiten überdauert hat und ein Zeugnis menschlicher Geschichte und Entwicklung ist.

Das Gebäude gilt als typisches und mittlerweile sehr seltenes Beispiel für die in Lintorf ehemals vorherrschende Bebauung. Es zählt zudem zu den ältesten dieser Art. Aus Sicht der Denkmalschützer sei das Haus "ein unverzichtbares Objekt im städtebaulichen Kontext".

In Deutschland werden alle Kulturgüter in Denkmallisten verzeichnet. Sie unterstehen den Landesgesetzen.

Der gestampfte Lehmboden wurde dazu ausgekoffert und durch einen Betonboden ersetzt. Der soll nicht nur die Stabilität verbessern, sondern auch die Feuchtigkeit aus den Wänden halten. Wenig Umbauspielraum gibt es im Obergeschoss. Wegen seiner geringen Zimmerhöhe darf es nicht öffentlich genutzt werden. Für die Instandsetzung gibt das Land auch einen fünfstelligen Zuschuss aus dem Denkmalförderprogramm.

Manfred Buer vom Verein Lintorfer Heimatfreunde ist sehr zufrieden über den Erhalt des Denkmals. "Wir freuen uns über jedes historische Häuschen, das stehen bleibt." "Haus Merks" sei so besonders, weil es das letzte bäuerliche Anwesen im Dorf ist. Das Stammhaus der in Lintorf alteingesessenen Familie Steingen wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet.

Es handelt sich um ein Wohnstallhaus, das ursprünglich in Fachwerkbauweise gebaut und im 19. Jahrhundert teilweise durch Ziegelaußenwände ergänzte wurde. Ob der Anstrich, der dem "roten Haus" im Volksmund seinen Namen gab, erhalten bleibt oder ob die Ziegelwände restauriert werden, ist offen.

Die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Innenausstattung des Hauses sieht Buer zwiespältig. "Die historische Treppe ist wirklich schön", die Flur-Vertäfelung mit Bemalungen lösen bei ihm verhaltene Freude aus. "Haus Merks" stand seit knapp vier Jahren leer. Die 21-köpfige Erbengemeinschaft sah sich nicht instande, die Sanierung zu stemmen und hatte einen Abrissantrag gestellt. Der wurde von der Denkmalbehörde abgelehnt.

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