Wirtschaft: Das einstige Familienunternehmenverliert unterm Dach des US-Konzerns seinen Namen.

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Am Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche war Hünnebeck maßgeblich beteiligt.

Am Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche war Hünnebeck maßgeblich beteiligt.

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Am Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche war Hünnebeck maßgeblich beteiligt.

Lintorf. Aus Raider wurde Twix, aus Readymix wurde Cemex - und aus Hünnebeck wurde jetzt Harsco Infrastructure. Das weltweit als Schalungs- und Gerüsthersteller bekannte Traditionsunternehmen existiert nicht mehr unter dem Namen, unter dem es berühmt wurde.

"Man mag das bedauern, aber wenn es nicht anders geht", stellte Axel Mauersberger, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Ratingen (UVR), fest. Er erlebe es dauernd, dass alteingesessene Firmen, des Überlebens willen, übernommen und umbenannt werden. "Besser ein neuer Name als geschlossene Werkstore." Mauersberger versucht, dem Verschwinden des Traditionsnamens Hünnebeck auch positive Aspekte zu finden: "Solche Veränderungen sorgen auch dafür, dass es Ratingen so gut geht - etwa im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit."

Hünnebeck sorgte mit spektakulären Aufträgen häufig für Aufsehen

Seit Ende der 30er-Jahre ist das ehemalige Familienunternehmen in Lintorf angesiedelt. Im Gewerbegebiet an der Rehhecke liegen die Verwaltung und ein großes Gerüstlager. Von hier aus entwickelte sich Hünnebeck zu einem der führenden Anbieter von Schalungs- und Gerüstsystemen. In Europa war man die Nummer drei - mit zwölf Tochterunternehmen. Tradition und Innovation waren kennzeichnend für den Familienbetrieb, der mit spektakulären Aufträgen immer wieder für Aufsehen sorgte: Ob Flughäfen, Einkaufszentren, Produktionsanlagen, Verwaltungsgebäude oder Kraftwerke - Hünnebecks Innovationen waren immer gefragt. Schlagzeilen machten die Gerüstbauer mit ihrer maßgeblichen Beteiligung am Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Auch beim Bau des gerade eingeweihten Burj Chalifa in Dubai mischte Hünnebeck mit.

In den 90er-Jahren wurde das einstige Familienunternehmen von Thyssen aufgekauft, 2003 trennte sich der Konzern dann von dem Gerüstbauer und verkaufte Hünnebeck an die amerikanische Kapitalgesellschaft Sun Capital Partners in Florida.

Für 140 Millionen Euro übernahm 2005 die US-amerikanische Harsco-Corporation die Hünnebeck-Gruppe. Die Lintorfer erzielten zu dieser Zeit rund 150Millionen Euro Jahresumsatz und beschäftigten 660 Mitarbeiter.

"Durch die neue Ausrichtung unter dem Namen Harsco Infrastrucure sollen das Fachwissen, die Erfahrung und die Leistungsstärke der Unternehmen künftig noch effektiver gebündelt werden. Weder die Ansprechpartner noch unsere Produkte und Ingenieursleistungen werden sich für unsere Kunden ändern", versichert Managing Director Markus Nagel. Veränderungen am Standort Lintorf werde es in absehbarer nicht geben - auch nicht bei der Mitarbeiterzahl, versicherte eine Firmensprecherin.

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