Der Ratinger Kinder- und Jugendchor feiert seinen 25. Geburtstag. Sängerin Stefanie Harazim war elf Jahre lang mit Freude dabei.

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Fototermin mit Bundeskanzlerin: Nach ihrem Auftritt beim Festakt „60 Jahre NRW“ gab es für Stefanie Harazim (r.) und ihre Mitsängerinnen Glückwünsche auch von Angela Merkel.

Fototermin mit Bundeskanzlerin: Nach ihrem Auftritt beim Festakt „60 Jahre NRW“ gab es für Stefanie Harazim (r.) und ihre Mitsängerinnen Glückwünsche auch von Angela Merkel.

Fototermin mit Bundeskanzlerin: Nach ihrem Auftritt beim Festakt „60 Jahre NRW“ gab es für Stefanie Harazim (r.) und ihre Mitsängerinnen Glückwünsche auch von Angela Merkel.

Lintorf. Mit Joseph hat alles angefangen, und Joseph war einer ihrer schönsten Momente. „Es waren wunderschöne Jahre – ich habe viel erlebt, gesehen und gelernt. Diese Erinnerungen will ich nicht missen.“ Wenn Stefanie Harazim mit einem Leuchten in den Augen Bilanz zieht, blickt sie nicht auf eine verflossene Liebschaft oder ihr Lebenswerk zurück. Sie schwärmt vielmehr von den elf Jahren im Ratinger Kinder- und Jugendchor. Die 20-Jährige hat mehr als die Hälfte ihrer Lebensjahre in und mit dem Chor verbracht, der an diesem Wochenende sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Für „Joseph“ wurde fast jedes Wochenende geopfert

„Gesungen habe ich eigentlich schon immer – schon als Dreijährige mit meiner Mama“, erinnert sich Stefanie Harazim. Zum Chor kam sie 1998 aber durch Zufall: In der Zeitung las ihr Vater von einem Casting des Kinder- und Jugendchores, weil noch Sänger für das „Joseph“-Musical im Essener Colosseum gesucht wurden. Stefanie wurde aufgenommen und kam in den Aufbauchor – nach den „Spätzchen“ die zweitjüngste Abteilung. Jeden Montag war Probe, jeden Montag mussten Mama und Papa Chauffeur spielen. Doch die Aufführungen in Essen entschädigten für den ganzen Aufwand. „Ich habe mich wie ein kleiner Star gefühlt. Diese Zeit vergesse ich nie.“ Sieben Monate lang war Stefanie Harazim mit dem Kinderchor im Musical-Einsatz. „Die Wochenenden waren regelmäßig futsch – bei zwei Aufführungen.“ Es gab aber auch Auftritte unter der Woche. Dann war die damalige Viertklässlerin nicht vor Mitternacht zu Hause. „Pro Auftritt bekamen wir 20 Mark.“ Das Geld kam aufs Sparbuch, wo sich bis zum Ende der „Joseph“-Zeit ein nettes Sümmchen ansammelte.

Nach diesem Höhepunkt kehrte der Probenalltag ein, der aber nie langweilig war. „Im Chor habe ich vor elf Jahren meine heute noch beste Freundin kennengelernt und viele Freundschaften geschlossen.“ Das Wort von der „großen Familie“ sei zwar abgedroschen, treffe aber vollkommen zu. „Wir haben uns alle prima verstanden.“

„Wenn ich daran denke, kriege ich noch heute eine Gänsehaut.“

Nach „Joseph“ folgten im Jahresabstand weitere Höhepunkte. „2000 sangen wir beim ZDF-Fernsehgarten, der im Fantasialand aufgezeichnet wurde – mit Gitte und Karel Gott.“ 2001 stand ein Woche Berlin auf dem Programm. Nach einem Auftritt in der Gedächtniskirche besuchte der Chor in der Deutschen Oper den „Rosenkavalier“ – „Im dritten Akt bin ich eingeschlafen“, gibt Stefanie lachend zu. 2002 ging es für zehn Tage nach Rom: Auftritt im Petersdom, Besuch eine Papstmesse, Konzert in San Ignacio vor über 1000 Leuten. „Wenn ich daran denke, kriege ich heute noch eine Gänsehaut.“

2003 ging’s wieder nach Berlin: Singen vor Gerhard Schröder im Bundeskanzleramt. „Eine der schönsten Reisen war die nach Barcelona“, schwelgt Stefanie Harazim in Erinnerungen. Dort sangen 2006 die Ratinger im Wettstreit mit Chören aus ganz Europa – und gewannen die Goldmedaille. Das wurde am Abend mit einer After-Show-Party im Hafen gefeiert. „Fünf-Gänge-Menu, alles nur vom Feinsten“, schwärmt die Sängerin. Kurz später ein weiterer Höhepunkt: Zur 60-Jahr-Feier das Landes NRW sangen die Ratinger in einer Uraufführung die neu komponierte NRW-Hymne – live übertragen im Fernsehen. Anschließend Händeschütteln und Glückwünsche von Landesvater Jürgen Rüttgers und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Mit dem Musical „Joseph“ hatte alles angefangen, mit „Joseph“ schaffte Stefanie Harazim den Sprung nach oben: Bei dem Großprojekt des Ratinger Jugendkulturjahres stand sie 2007 als Solistin im Rampenlicht. Dafür hatte sie bei Chorleiter Werner Schürmann extra Gesangsunterricht genommen. Und vor wenigen Tagen war der Gewinn des Meisterchorsingens in Siegen der krönende Abschluss. „Es war eine wunderbare Zeit mit dem Chor.“ Jetzt hat sie ihr Abitur in der Tasche und möchte zu einer Schauspielschule. Der Gesang lässt sie aber nicht los. Immer wieder singt sie auf Hochzeiten oder als Solistin in der Jugendband der St.Anna-Gemeinde, wo sie seit Jahren auch Messdienerin ist.

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