Kerim Yurdakul verbindet die Liebe zur Musik mit handwerklichem Geschick: In seiner kleinen Werkstatt an der Wilhelmstraße baut er Instrumente.

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Die Körper der Mandolinen sind aus Buchenholz. Kerim Yurdakul arbeitet es in seiner Werkstatt bis auf eine Dicke von drei Millimetern herunter – „je feiner, desto besser später der Klang“.

Die Körper der Mandolinen sind aus Buchenholz. Kerim Yurdakul arbeitet es in seiner Werkstatt bis auf eine Dicke von drei Millimetern herunter – „je feiner, desto besser später der Klang“.

Simone Bahrmann

Die Körper der Mandolinen sind aus Buchenholz. Kerim Yurdakul arbeitet es in seiner Werkstatt bis auf eine Dicke von drei Millimetern herunter – „je feiner, desto besser später der Klang“.

Wülfrath. „Ich spiele nicht professionell. Ich spiele aus Leidenschaft“, sagt Kerim Yurdakul. Und fast klingt sein Mandolinenspiel, als wäre das sogar besser so. Die türkischen Volksmelodien ergreifen den 59-Jährigen, erinnern ihn an seine Heimat Ankara.

Lächelnd klopft er auf das glatte Holz: „Noch schöner ist das Spielen, wenn man das Instrument selbst gebaut hat.“ In seiner kleinen Werkstatt in der Wilhelmstraße 121 riecht es nach Holz und Leim. Dort verbringt Kerim Yurdakul seit fünf Jahren seine Feierabende. Der gelernte und hauptberufliche Schleifer repariert hobbymäßig Mandolinen – und baut sie seit einiger Zeit auch selbst. Mit einer selbst entwickelten Technik, Fingerfertigkeit und Liebe zur Musik sollen die Instrumente aus Edelhölzern bald schon erklingen. „Ich hätte eigentlich schon viel früher damit anfangen sollen“, findet Yurdakul. „Aber besser spät als nie.“

Die Grundkenntnisse von einem befreundeten Geigenbauer gelernt

Seit seinem 16. Lebensjahr hat Kerim Yurdakul das Mandolinenspiel für sich entdeckt. Doch erst vor einigen Jahren verband er damit sein handwerkliches Geschick: „Ich hatte schon immer viel für Freunde und Verwandte gebastelt. Es machte mir Spaß. Doch irgendwann kam ich an den Punkt, da wollte ich etwas für mich fertigen.“ Der Besuch bei einem befreundeten Geigenbauer in der Türkei stimmte ihn in seinem Vorhaben zuversichtlich. Er schaute zu, lernte und entwickelte das Beobachtete weiter.

Auch das Inventar der Werkstatt ist fast komplett selbst gebaut

Mit seiner Werkstatt erfüllte sich der Wülfrather dann einen Traum. „Ich habe hier fast alles selbst gebaut“, sagt er mit Stolz in der Stimme und meint damit nicht nur die vier fast fertigen Mandolinen. Die Werkzeuge, der Blechschrank und anderes selbst angefertigtes Inventar machen den Charme der kleinen Werkstatt aus. Wenn Kerim Yurdakul bei der Arbeit ist, vergisst er alles um sich herum. Stück für Stück lässt er den Körper der Mandoline entstehen: „Die einzelnen Holzschablonen werden erst einmal gekocht, dann in dem Blechschrank über Kerzen getrocknet, damit man das Holz dehnen und weiter bearbeiten kann“, erklärt der Musiker und Bastler. Danach muss das Holz geschliffen werden. Bis auf eine Stärke von drei Millimetern darf das ursprünglich sieben Millimeter dicke Buchenholz heruntergearbeitet werden: je feiner, desto besser später der Klang.

Und Yurdakuls Auge ist scharf, sieht jede Unebenheit: „Einmal mit dem Instrument verbunden, kommt man so leicht nicht mehr von ihm los“, sagt der Handwerker, der für eine Mandoline rund einen Monat braucht. Sein erstes Werk wird bald fertig sein. Das wird er dann behalten. Von innen graviert mit dem Namen seiner Enkelin, soll es für musikalische und muntere Abende in der Familie sorgen.

Für die anderen Mandolinen hofft er ebenso leidenschaftliche Musiker zu finden. Rund 500 bis 600 Euro wird ein Instrument kosten. „Der Klang macht den Preis“, sagt Kerim Yurdakul. Aber er möchte nicht nur die Instrumente an den Mann bringen, sondern auch die spezielle Mandolinenmusik weiterleben lassen. „Früher wurde mir oft gesagt: ‚Ach Kerim, diese Musik ist einfach nicht von dieser Welt.‘ Heute ist sie aber schon etwas populärer.“ Gerne würde der Musiker sein Können auch an die jüngere Generation weitergeben. „Es ist zwar nicht Hip-Hop. Aber es ist etwas ganz Besonderes.“

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