Joachim Bender bietet auf der Maple Leaf Ranch Coachingseminare für Manager an. Dabei erfahren sie jede Menge über ihren Führungsstil.

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Das Seil schön locker lassen: WZ-Mitarbeiter Benjamin Dietrich führt den Wallach Snowflake durch die Reithalle der Maple Leaf Ranch. Dabei soll er darauf achten, dass am Ende der Übung sowohl Ross als auch Reiterin Marisa Heck sicher am Zielpunkt ankommen.

Das Seil schön locker lassen: WZ-Mitarbeiter Benjamin Dietrich führt den Wallach Snowflake durch die Reithalle der Maple Leaf Ranch. Dabei soll er darauf achten, dass am Ende der Übung sowohl Ross als auch Reiterin Marisa Heck sicher am Zielpunkt ankommen.

Stefan Fries

Das Seil schön locker lassen: WZ-Mitarbeiter Benjamin Dietrich führt den Wallach Snowflake durch die Reithalle der Maple Leaf Ranch. Dabei soll er darauf achten, dass am Ende der Übung sowohl Ross als auch Reiterin Marisa Heck sicher am Zielpunkt ankommen.

Langenberg. Es ist 10 Uhr morgens auf der Maple Leaf Ranch. Joachim Bender hat schon sein Reit-Outfit an: Jeans, Hemd und natürlich einen Cowboyhut, wie es sich für einen Westernreiter gehört. In den kommenden zwei Stunden wird er sich aber nicht aufs Pferd setzen, sondern mir einen Einblick in seine Arbeit als Coach geben. Denn Bender, der jahrelang selbst als Führungskraft gearbeitet hat, machte sich vor einem Jahr mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee selbstständig: Er bietet unter dem Namen "LeadingRein" Coachingseminare für Manager an. Co-Trainer sind dabei Pferde. Und für dieses Konzept hat er den dritten Platz beim Existenzgründerseminar der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert gewonnen.

Aus dem Hobby wurde eine Geschäftsidee

Vor rund zehn Jahren haben der Chemiker Bender und seine Frau mit dem Reiten angefangen. "Und da habe ich gemerkt, dass die Tiere sofort auf das Verhalten des Menschen reagieren. Und sie sind immer ehrlich", sagt er. Als schon die Idee reifte, als Coach arbeiten zu wollen, kam ihm der Gedanke, die Pferde quasi als seine Mitarbeiter einzusetzen. Sie sollen den Managern deutlich machen, welchen Führungsstil sie haben, welches Verhalten von ihnen problematisch und welches effektiv ist, um Ziele im Geschäftsleben zu erreichen.

Unterstützt wird er bei der Arbeit von seiner Frau Siglinde, die als Psychotherapeutin Impulse gibt, und der Leiterin der Reiterschule der Maple Leaf Ranch, Corinna Riedel. Sie übersetzt die Körpersprache der Pferde und kann einschätzen, was es bedeutet, wenn ein Pferd den Kopf senkt oder die Ohren anlegt.

Auch Snowflake macht das, als ich mich neben ihn stelle und das Seil in die Hand nehme, an dem ich den Wallach führen soll. "Er ist nervös, weil das andere Pferd jetzt weg ist", erklärt Corinna Seidel. "Es hat nichts mit Ihnen zu tun." Am Anfang unserer Sitzung konnte ich mir aus zwei Pferde eines aussuchen, mit welchem ich gerne zusammenarbeiten möchte: Snowflake wirkte ruhig, zuverlässig und zielstrebig, Digger Joe dagegen zu verspielt und wild. "Sie wollen also lieber einen ruhigen, zuverlässigen Mitarbeiter für die Aufgaben haben, die Sie zusammen bewältigen sollen", stellt Siglinde Bender fest.

Dann die erste Übung: Ich soll Snowflake durch die Halle führen und an drei Punkten zum Halten bringen. Ich gehe los, Snowflake bleibt stehen. Ich gehe zurück zum Pferd. Jetzt sind wir beide auf Augenhöhe. Snowflake trabt los - ein Erfolgserlebnis.

Zielgruppe sind Führungskräfte aus den unterschiedlichen Bereichen. Die Seminare finden in der Regel an zwei Tagen auf der Maple Leaf Ranch, Wallmichrather Straße 30, statt.

Ein eineinhalbtägiges Coaching kostet pro Person 1300 Euro. Darin enthalten ist auch die Verpflegung der Teilnehmer.

Hin und wieder streichle ich Snowflake, ohne es zu merken. Siglinde Bender macht mich darauf aufmerksam. "Sie treten in Kontakt mit ihrem Mitarbeiter und pflegen einen partnerschaftlichen Umgang." Wir gehen im Slalom weiter durch die Halle. Nach einer halben Stunde sind der Wallach und ich uns vertrauter - ich bin ruhig, das Pferd ist es auch. "Sehen Sie, wie das Pferd direkt auf ihre innere Haltung reagiert", sagt Joachim Bender.

Je souveräner der Mensch, desto sicherer das Pferd

Noch deutlicher wird das bei Hindernisübungen. Das Pferd geht mit mir über eine Plane, scharrt mit den Hufen und schaut zu Boden. Wir kommen nicht weiter. Ich ziehe fester am Seil, gehe vor - Snowflake folgt. Dann kommen Röhren, die eng hintereinanderliegen. Wir steigen beide über die Hindernisse. Und ich merke: Je souveräner ich bin, desto sicherer ist auch Snowflake.

Dann laufen zwei weitere Rohre am Boden spitz aufeinander zu. Wir sollen die enge Lücke passieren. Ich kann entscheiden, ob ich lieber vor oder hinter dem Pferd gehen will. An der Stelle, an der Snwoflake und ich nicht mehr zusammen gehen können, gehe ich vor, drehe mich dabei aber um und gehe rückwärts weiter. "So geht das auch, sehr schön. Aber jetzt versuchen Sie doch mal hinterherzugehen", fordert mich Siglinde Bender auf.

Beim ersten Mal scheitere ich. Snowflake schnuppert an den Rohren und knabbert an den Hindernissen. Erst beim zweiten Mal funktioniert es. "Klar, dass das jetzt besser läuft. Sie waren viel sicherer und aufrechter. Das hat auch das Pferd gespürt. Wenn Sie signalisieren: Das schaffen wir, dann folgen ihnen auch ihre Mitarbeiter."

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