Die Stadt will Mittel der Landesregierung für die Aktion „Kinder in Not“ beantragen – und damit den Aufwand der gewöhnlichen Förderung umgehen.

Gemeinsam am Mittagstisch: Milena und Marco beim Schul-Essen in der Ellenbeek.
Gemeinsam am Mittagstisch: Milena und Marco beim Schul-Essen in der Ellenbeek.

Gemeinsam am Mittagstisch: Milena und Marco beim Schul-Essen in der Ellenbeek.

Simone Bahrmann

Gemeinsam am Mittagstisch: Milena und Marco beim Schul-Essen in der Ellenbeek.

Wülfrath. Mittagszeit in der Grundschule Ellenbeek: Langsam betreten die Kinder den Speisesaal und freuen sich auf das gemeinsame Mittagessen. Das heutige "Menü": Würstchen, Kohlrabi, Reis und Bananen.
 
Nach einem gemeinsamen Tischgebet beginnt die Mahlzeit - "und es schmeckt gut", sagen Melina und Marco. Das Beste kommt aber zum Schluss: Auf das Eis zum Nachtisch freuen sie sich besonders.

Ausgewogene und gesunde Kost statt Schokoriegel und Gummibärchen: Beim Speiseplan wird auf gute Ernährung geachtet. "Es gibt schließlich Kinder, die mit Chipstüte und Eistee in die Schule geschickt werden", sagt Schulamtsleiter Dietmar Ruda. In Zeiten von Kinderarmut wird das Schul-Essen in den Offenen Ganztagsschulen (Ogata) daher zweifellos immer wichtiger.

Das findet auch die NRW-Landesregierung und hat deshalb ein Programm mit dem Titel "Kein Kind ohne Mahlzeit" zur Förderung des Schul-Essens ins Leben gerufen (die WZ berichtete). Wie in vielen anderen Kommunen stoßen diese Pläne aber auch in Wülfrath auf Kritik:
 
"Vom Grundsatz her ist das sicher eine gute Idee", sagt Ruda, aber das Verfahren sei viel zu formalistisch und bürokratisch. Von den Kosten für eine Schulmahlzeit (2,50 Euro) würde die Landesregierung einen Euro pro Tag und Kind beisteuern - allerdings erst nach einer "Bedürftigkeitsprüfung". Das sei unverhältnismäßig aufwändig - "und dafür haben wir keine Leute."
 
Deshalb will die Stadtverwaltung einen alternativen Weg wählen - und Zuschüsse für die Aktion "Wülfrather Kinder in Not" beantragen. Diese Initiative des Deutschen Roten Kreuzes unterstützt ohnehin schon einige Eltern bei den Kosten für das Schul-Essen - ohne bürokratische Prüfung der Bedürftigkeit.
 
"Diese Förderung läuft auch nicht über die Stadt", sagt Ruda: "Wir wissen nur, dass es das gibt, aber nicht für welche Kinder."
 
In dem NRW-Förderprogramm findet sich auch eine Passage, in der finanzielle Unterstützung von ehrenamtlichen Initiativen, die das Schul-Essen bereits fördern, in Aussicht gestellt wird.
 
"Wir haben dem Ministerpräsidenten vorgeschlagen, hier auch die Initiative Kinder in Not zu berücksichtigen", erklärt Ruda. Das würde bedeuten, dass das Schul-Essen in Wülfrath weiter unbürokratisch gefördert werden könnte - und dann nicht nur mit Spenden, sondern mit Mitteln des Landes.
 
165 Kinder gehen zurzeit in die Ogatas Lindenschule, Ellenbeek und Parkschule (etwa 20 Prozent der gesamten Schülerzahl) und essen damit auch dort zu Mittag.
 
Etwa 30 davon, schätzt Ruda, müssten unterstützt werden - also könnte schon ein jährlicher Zuschuss von 6000 Euro (ein Euro pro Kind an 200 Schultagen) aus der Landeskasse das Wülfrather Schul-Essen sichern. Jetzt wartet man in der Stadtverwaltung auf eine Nachricht aus Düsseldorf.
 
Ein Problem bleibt allerdings: "Die, die sich aus finanziellen Gründen gar nicht erst für die Ogata anmelden, erreichen wir immer noch nicht", sagt Ruda. Hier müsse die Schule Aufklärungsarbeit leisten und arme Familien über Fördermöglichkeiten informieren.
 
Ogata

Träger Die Wülfrather Ogatas werden vom SKFM (Lindenschule) und Fördervereinen (Parkschule und Ellenbeek) getragen. Die Stadt kann als Nothaushaltsgemeinde kaum Geld beisteuern: "Wir sorgen nur dafür, dass es in den Räumen warm und beleuchtet ist”, sagt Schulamtsleiter Dietmar Ruda.

Kosten Eltern müssen im Normalfall einen nach Einkommen gestaffelten Teilnehmerbetrag (30, 60 oder 100 Euro im Monat) und das Mittagessen (2,50 Euro pro Tag) bezahlen.

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