Aprath ist ein möglicher Standort für die Klinik. Den meisten Wülfrather Politikern passt das gar nicht.

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Blick auf das Gelände der Bergischen Diakonie. Dort könnte die forensische Klinik entstehen.

Blick auf das Gelände der Bergischen Diakonie. Dort könnte die forensische Klinik entstehen.

Simone Bahrmann

Blick auf das Gelände der Bergischen Diakonie. Dort könnte die forensische Klinik entstehen.

Wülfrath. Markus Kiel ist sauer. Sauer auf die Vertreter der Wülfrather Ratsfraktionen. Schon im vergangenen November hatte er sie auf deren Haltung in der Forensik-Frage angeschrieben.

Die Reaktionen: gleich null. „Ihre Arbeitsbelastung kenne ich, hatte selber politische Doppelfunktionen inne, kann mir also vorstellen, dass es nicht immer möglich ist, zeitnah zu antworten. Was mich aber verwundert: Die Tatsache, dass nicht der Hauch einer Rückmeldung Ihrerseits geschehen ist“, hat er den Politikern nun geschrieben. In der Tat halten sich die Lokalpolitiker mit Äußerungen in Sachen Maßregelvollzug zurück. Die WZ hat sich einmal umgehört.

Als Kiel die Parteien ansprach, war nur Wuppertal als Standort ein Thema. Nun ist mit der Bergischen Diakonie Aprath (BDA) auch Wülfrath eine von drei Optionen, die das Land für eine forensische Klinik in Betracht ziehen könnte.

Unter den Parteien herrscht Einigkeit, „dass wir alle am liebsten die Forensik so weit wie möglich von Wülfrath weg sehen würden. Das entscheiden aber nicht wir“, so CDU-Fraktionsschef Axel Effert. „Leider haben wir da keinen Einfluss“, rekapituliert auch Hans-Peter Altmann (FDP).

Die BDA hat dem Land ein Areal auf ihrem Gelände angeboten. Das schränkt, wie Manfred Hoffmann (SPD) der WZ gesagt hat, die Handlungsmöglichkeiten der Kommune erheblich ein. „Im Klartext: Die Position des Rats ist nicht gefragt“, so Effert.

Politiker loben Moderation der Bürgermeisterin

Effert wundert sich, dass ein „ideales, bereits versiegeltes Grundstück in Solingen“ vom Land nicht mehr weiter geprüft wird. Das vom Wuppertaler Oberbürgermeister Jung vorgeschlagene Gebiet „Kleine Höhe“ an der Stadtgrenze zu Neviges und Wülfrath hält Effert für „völlig ungeeignet“.

Diese Einschätzung teilt auch WG-Fraktionsvorsitzender Ralph Mielke: „Die Kleine Höhe würde Wülfrather Arbeitsplätze gefährden.“ Er spricht sich für Lichtscheid als Standort aus. „Aber wenn die BDA den Zuschlag erhält? Was dann?“

Effert und Mielke loben ausdrücklich die Moderation der Diskussion durch Bürgermeisterin Claudia Panke. „Wir werden gut informiert“, so Effert. Das besonnene Vorgehen trage dazu bei, „dass in Wülfrath sachlich und unaufgeregt über das Thema gesprochen wird“, fügt er hinzu.

Auch Mielke hält es für das Gebot der Stunde, „dass wir ohne Emotionen, aber sehr nüchtern die Situation betrachten“. Dabei, betont Effert, „müssen wir die Sorgen und Ängste der Bürger ernst nehmen“.

Frank Homberg fordert eine sachliche Diskussion

Stephan Mrstik (Grüne/WWG) sieht neben dem Land die BDA in der Pflicht „Sie müssen die Bürger informieren. Es darf aber keine Panik geben.“ Er persönlich sei aber „grundsätzlich gegen eine Forensik in Aprath“.

Dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen gerecht werden, aber auch dem Recht des in einer Forensik untergebrachten Menschen entsprechen – dieser Spagat ist für Frank Homberg (DLW) wichtig. Auf einen Standort legt er sich nicht fest. „Wichtig ist, dass die Diskussion sachlich geführt wird. Forensik als Knast zu bezeichnen, wie die Gegner das tun, ist nicht zielführend.“

Eine „schwierige Situation für das kleine Wülfrath“ sieht Bürgermeisterin Claudia Panke. Verwaltung und Rat müssten ausloten, was für Stadt und Bürger das Beste sei. „Und wir wissen, dass die Stadt Wuppertal schon die Tür aufgemacht hat für die Jugendeinrichtungen der BDA.“ Auch diesen Aspekt gelte es zu beachten: Wohin ziehen diese Einrichtungen, sollte sich das Land für die BDA-Offerte entscheiden?

» Am Samstag findet ab 14 Uhr ein Sternmarsch statt. Treffpunkt ist am Schönefelder Weg.

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