Noch fehlt jede Spur vom Täter. Ein Spezialist soll bei der Suche helfen. Berittene Beamte sammeln Hinweise.

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Nicole Hages auf Figo und Wolfgang Prüßmann auf Flabius sind in den nächsten Tagen auf Streife in Neviges.

Nicole Hages auf Figo und Wolfgang Prüßmann auf Flabius sind in den nächsten Tagen auf Streife in Neviges.

Simone Bahrmann

Nicole Hages auf Figo und Wolfgang Prüßmann auf Flabius sind in den nächsten Tagen auf Streife in Neviges.

Neviges. Es sind die Hinweise aus der Bevölkerung, auf die die Polizei hofft. Denn von dem Peiniger der kleinen Kassandra S. fehlte am Donnerstag jede Spur. Und das Opfer liegt immer noch auf der Intensivstation. "Sie ist unsere große Chance, den Täter zu finden", sagte Ulrich Löhe, Sprecher der Kreispolizei.

Doch wann wird sie befragt werden können? Die auf 20 Kriminalisten erweiterte Mordkommission "Tönisheider" tappt weiter im Dunkeln und rätselt über Motiv und Tathergang.

Es bleiben viele Fragen, etwa wie der Täter den schweren Gullideckel anheben konnte. Das sei allerdings, so Polizei, auch für einen einzelnen, kräftigen Mann zu schaffen. Aus ermittlungstaktischen Gründen äußert sie sich aber nicht dazu, wie die Neunjährige ihr Schädel-Hirn-Trauma und die schweren Verletzungen im Bauchbereich erlitten haben könnte.

Am Dienstagmorgen war Kassandra in Essen operiert worden. Meldungen, wonach der Täter das Opfer noch mit Steinen bedeckt und den Gullideckel mit Gestrüpp getarnt haben soll, bestätigen die Ermittler nicht.

Helfen soll jetzt ein Profiler des Landeskriminalamtes (LKA), der ein Täterprofil erstellen wird. Der Spezialist soll die Frage klären, die sich momentan alle stellen: Was für ein Mensch kann für eine so entsetzliche Tat verantwortlich sein? Der Unbekannte, so wird gemutmaßt, hat sich gut ausgekannt, sonst hätte er den Trampelpfad hinter der Turnhalle nicht gefunden.

Auf Kassandra traf er wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe des Jugendtreffs, womöglich auf dem Parkplatz. Beamte des LKA untersuchten das gesamte Areals rund um die Turnhalle mit einem 3D-Laserscanner, der ein dreidimensionales Abbild der Örtlichkeiten erstellt. Außerdem suchen Mitarbeiter nach DNA-Spuren. Die Auswertung wird allerdings einige Zeit dauern.

Am Freitag werden vermehrt Hausbefragungen durchgeführt

Die Polizeipräsenz im Ort ist gewaltig. Einsatzkräfte einer Hundertschaft sind zur Unterstützung angereist, und seit Mittwoch ist auch eine Reiterstaffel auf Streife. "Von nachmittags an bis in die frühen Abendstunden sind wir unterwegs und zwar im gesamten Nevigeser Gebiet - von der Fußgängerzone bis in die eher wäldlichen Randzonen", sagt Leiter Wilfried Neumann.

Der 50-Jährige ist ein erfahrener Polizeihauptkommissar, doch der Fall Kassandra, räumt er ein, gehe auch ihm sehr nahe. "Ich war entsetzt über die Brutalität und die Kaltschnäuzigkeit des Täters."

Die Reiterstaffel Rheinland, die insgesamt 25 Beamte und 20 Pferde umfasst, hat ihre Heimat in Willich-Anrath. Normalerweise ist die Staffel vor allem bei Fußballspielen und Demonstrationen dabei. "Die Pferde sind eigentlich immer gut beschäftigt, das ist auch sehr wichtig", sagt Neumann. Jeden Tag kommen jetzt Nicole Hages und Wolfgang Prüßmann mit ihren Vierbeinern Figo und Flabius aus dem Kreis Viersen nach Velbert.

Abends geht es im Transporter wieder zurück. "Wir wollen Präsenz zeigen", sagt Neumann. Vor allem aber sollen die berittenen Beamten auch Ansprechpartner sein. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Bürger schon mal eher die Polizisten auf dem Pferd ansprechen, als zum Beispiel die Nummer der Polizei zu wählen." Solange der Täter auf freiem Fuß ist, leben auch die Nevigeser in Sorge. Viele Spielplätze sind menschenleer, kaum jemand lasse sein Kind mehr allein auf die Straße, ist die einhellige Meinung in der Bevölkerung.

Jedem noch so kleinen Hinweis werde nachgegangen. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagt Ulrich Löhe. Nur eine heiße Spur, die fehlt noch. Schon kurz nach Bekanntwerden der Tat hätten sich Bürger gemeldet. Gerüchte machten schnell die Runde. "Auch davon leben wir", so Löhe. Am Freitag startet die Polizei erneut Hausbefragungen in unmittelbarer Nähe des Fundortes.

Zusätzlich werden Plakate im Stadtgebiet aufgehängt, um mögliche Zeugen anzusprechen. Wichtig sind vor allem zwei Fragen: Wer hat das Mädchen am Montag noch nach 17.30 Uhr gesehen? Wer kann Anhaltspunkte über mögliche Kontakt- oder Begleitpersonen geben. Die Polizei ist unter Telefon 02051/946-6110 erreichbar.

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