Das Stadtprinzenpaar Jenny I. und Marco I. ist im Namen des Frohsinns unterwegs. Bis Aschermittwoch werden die beiden mehr als 100 Auftritte absolvieren.

Velbert. "Ich war mir völlig sicher, sie sagt Nein." Marco Krümmel (32) kann sich genau an den Tag der Tage erinnern. Der Hahnenkönig der Karnevalsgesellschaft Grün-Weiß Langenhorst stand nach seiner Inthronisierung mit Freunden an der Theke und meinte: "Also, Karnevalsprinz würde ich auch machen, aber nur mit Jenny".

Seine Tanzpartnerin Jennifer Kaussen (25) aus der Garde sagte dazu spontan Ja, und so repräsentieren Marco I. und Jenny I. jetzt als Stadtprinzenpaar 2008/09 die Velberter Narren.

In der "heißen Phase" jagd ein Termin den nächsten

Und sie sind im Stress: 40Termine haben sie schon absolviert, 60 bis 80 weitere werden es bis zum Aschermittwoch noch sein. Gerade steht der Besuch der Karnevalsfeier im Nevigeser Domizil Burgfeld auf dem Programm. Im Seniorenheim an der Emil-Schniewind-Straße wird der Tross schon erwartet. "Empfangen Sie mit uns das Prinzenpaar von Wülfrath", ruft Conferencier Sammy aus.

Die Tollitäten nehmen es mit Humor. "Wir sind allerdings das Stadtprinzenpaar von Velbert", korrigiert Marco, bevor das Paar zu Mikrofonen greift und sein Prinzenlied zur Melodie "Die Winzerin vom Rhein (Die Cöllner) anstimmt. Elke Grünendahl, vor Jahren selbst Prinzessin, hat den Text umgeschrieben: "Als Velberts Prinzenpaar sind wir zwei heut’ für Euch da", schmettern die Langenhorster.

"Das war unsere gemeinsame Idee, auf der Bühne zu singen", sagt Prinzessin Jenny. "Reden allein genügt heute nicht mehr, wir müssen ein Programm bieten", so der Prinz. Da beide in der Garde tanzen, hätte sich eigentlich eine Tanzdarbietung angeboten, doch der Reifrock des rot-weißen Samtkleids der Prinzessin (Marke "Carmen") lässt gewagte Schritte nicht zu. Also singen die beiden, und die Bewohner im Seniorenheim machen begeistert mit, schunkeln und klatschen im Takt. "Das ist für uns das schönste Geschenk, wenn sich die Leute freuen und Spaß haben", sagen Jenny und Marco.

Im bürgerlichen Leben ist der Prinz Sozialversicherungsangestellter, die Prinzessin Personalreferentin. Sie arbeiten in Köln und Düsseldorf und kennen somit auch den Karneval in den rheinischen Hochburgen. "In Velbert ist es gemütlicher, das gefällt uns", haben sie aber kein Problem damit, dass das närrische Treiben in ihrer Heimat eine Nummer kleiner ausfällt.

Doch auch in Velbert ist das Prinzenpaar auf der Zielgeraden der tollen Tage sehr gefragt. Beide haben sich Urlaub genommen, es geht jetzt Schlag auf Schlag: Prunksitzungen, Besuch in Kindergärten, Seniorenheimen, Straßenkarneval.

Nach der Session steht wieder der Tanz im Vordergrund

Dass sie als Tollitäten hofiert werden, daran mussten sie sich erst gewöhnen. "Wir können nicht einfach an die Theke gehen und uns ein Glas Bier bestellen, das machen andere für uns. Wir gehen kaum mehr einen Schritt alleine", sagt Marco. Nach dem Besuch im Seniorenheim geht es zur Sitzung der "Gießer" ins Forum, vor Mitternacht werden sie auch an diesem Tag nicht zu Hause sein.

Doch wer ein überzeugter Karnevalist ist, für den ist das kein Problem. Die Narretei ist zurzeit für beide das Hobby Nummer 1 - wenn die Session vorbei ist, werden sie sich wieder dem Tanz widmen. Sie teilen sich das Training der Showtanzgruppe, Marco Krümmel ist zudem zweiter Vorsitzender des Tanzsportzentrums Velbert.

Doch jetzt wünscht sich auch das Prinzenpaar erst einmal schönes Wetter für den Rosenmontagszug. Kälte ist kein Problem - dicke Unterwäsche und warme Schuhe gehören zur Ausrüstung. Bei Prinz Marco sitzt die Kostümhose durch das unregelmäßige Essen schon etwas locker.

"Nach Aschermittwoch setzen wir uns auf die Couch und tun nichts, einfach mal abhängen." Schließlich gibt es auch noch ihre Partner, Amber und Juan. Die beiden haben zwar das größte Verständnis für das Prinzenpaar, freuen sich aber auch, wenn sie mal wieder im Mittelpunkt stehen.

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