Am Mittwoch vor 316 Jahren starb Antonius Schirley. Er übersandte nach einer Weissagung das Marienbild nach Neviges. Im Emsland wurde der Franziskaner als Volksheiliger verehrt.

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Ein Gemälde im Kreuzgang des Klosters zeigt Antonius Schirley so, wie ihn sich ein anonymer Maler vorstellte.

Ein Gemälde im Kreuzgang des Klosters zeigt Antonius Schirley so, wie ihn sich ein anonymer Maler vorstellte.

privat

Ein Gemälde im Kreuzgang des Klosters zeigt Antonius Schirley so, wie ihn sich ein anonymer Maler vorstellte.

Neviges. "Historische Nachforschungen sind mein Hobby", sagt Wallfahrtsleiter Herbert Schneider. Den Franziskanermönch Antonius Schirley hat er zurzeit im Visier, den fast unbekannten Pater, der vor 329 Jahren die Wallfahrt nach Neviges brachte.

Es war im Jahre 1680, als Pater Antonius Schirley im Dorstener Kloster wie an jedem Tag das Marienbild aus dem Gebetbuch "Palmgärtlein" verehrte. Plötzlich sprach das Bild zu ihm: "Bring mich nach dem Hardenberg, da will ich verehret sein".

"Schirley war Missionar und muss großartig gepredigt haben."

Herbert Schneider, Wallfahrtsleiter

Noch zwei weitere Male hörte der Pater die Stimme und erhielt eine wichtige Weissagung: Ein großer Fürst werde tödlich erkranken und nicht genesen - es sei denn, er lege ein Gelübde ab und würde in Neviges ein Kloster erbauen.

Fürstbischof Ferdinand II. war 1681 der erste Pilger nach Hardenberg

Diese Nachricht erreichte den schwerkranken Ferdinand II. von Fürstenberg, Fürstbischof von Münster und Paderborn. Dieser legte tatsächlich ein Gelübde ab, genas und unternahm am 16. September 1681 die erste Wallfahrt nach Neviges.

Es ist der Beginn der Verehrung des eher unscheinbaren Gnadenbildes aus dem kleinen Gebetbuch "Palmgärtlein". Der Kupferstich zeigt Maria Immaculata, die unbefleckt Empfangene. Zuerst wurde das Bild in der St.Anna-Kapelle gezeigt, dann in der alten Wallfahrtskirche St. Mariä Empfängnis und nun in der Gnadenkapelle im Dom "Maria, Königin des Friedens".

Im heutigen Mariendom erinnert nichts an den Mönch

Der spätere Pater wurde am 15. Dezember 1647 in Haltern als Sohn des Stadtsekretärs Johann Schirley und seiner Frau Mechtildis geboren. Er wurde auf den Namen Vinzentius getauft. Mit 25 Jahren trat er in Dorsten in den Franziskanerorden ein und nahm den Namen Antonius an.

Der Fürstbischof erkrankte 1680, legte ein Gelübde ab und unternahm nach seiner Genesung die erste Wallfahrt nach Neviges. Der Fürstbischof hatte schon 1679 ein Kloster in Aschendorf errichten lassen, das heute zu Papenburg gehört. Auch damals war Ferdinand II. schwer erkrankt.

In der Kirche selbst allerdings erinnert nichts an den Dorstener Mönch, dem Neviges letztlich die Wallfahrt mit heute im Schnitt rund 250 000 Pilgern jährlich zu verdanken hat. Noch hängt nur ein Gemälde des Franziskaners im Kreuzgang des Klosters. Das soll sich ändern, hat sich Wallfahrtsleiter Herbert Schneider vorgenommen. "Die Menschen sollen erfahren, wer Antonius Schirley war."

Im Norden Deutschlands, wo der Pater nach seiner Zeit im Dorstener Kloster gelebt und gewirkt hatte, wurde Pater Schneider vor zwei Wochen fündig. "Schirley war dort ein sehr geachteter Mann, ein richtiger Volksheiliger", sagt Pater Herbert. "Er war ein Missionar und muss großartig gepredigt haben."

Erst in Herford, dann als Vikar in Papendorf-Aschendorf im protestantisch geprägten Emsland war Schirley laut Schneiders Recherchen tätig. Seit 1688 besuchte er von Aschendorf aus immer wieder die Katholiken im reformierten Emden.

Dort wollte er eine Missionsstation eröffnen, doch dazu kam es nicht. Der Pater wurde vertrieben. Bei einem erneuten Aufenthalt in Emden erkrankte Antonius Schirley und starb am 18. August 1694.

Auf dem Friedhof bei der Pfarrkirche St. Amandus in Aschendorf erinnert heute eine Grabplatte von 1930 an den Pater - die Gebeine Schirleys sind jedoch verloren gegangen. Die Inschrift lautet: "P. Antonius Schirley aus dem Franziskanerkloster Aschendorf - Ein Volksheiliger".

In Aschendorf ist sein Name bekannt: "Als ich ihn nannte, haben mich zwei etwa zehn Jahre alte Mädchen sofort zur Grabplatte geführt", sagt Pater Schneider. Sein Wunsch ist es, dass Antonius Schirley auch in Neviges eine würdige Erinnerungsstätte erhält.

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