Die Tempobremser sind zu hoch und zu steil und sollen nun mittel- bis langfristig durch Aufpflasterungen ersetzt werden.

Ratingen will künftig ganz auf Schwellen aus Kunststoff verzichten, weil sie häufig für Autos und Radfahrer zum Problem werden.
Ratingen will künftig ganz auf Schwellen aus Kunststoff verzichten, weil sie häufig für Autos und Radfahrer zum Problem werden.

Ratingen will künftig ganz auf Schwellen aus Kunststoff verzichten, weil sie häufig für Autos und Radfahrer zum Problem werden.

Pierre-Claude Hohn

Ratingen will künftig ganz auf Schwellen aus Kunststoff verzichten, weil sie häufig für Autos und Radfahrer zum Problem werden.

Breitscheid. Wie man’s macht, ist es falsch: Erst haben die städtischen Verkehrsplaner Kunststoffschwellen auf Fahrbahnen aufbringen lassen, jetzt wollen sie die gelben Bremsriegel am liebsten komplett verbannen. Denn die Schwellen machen ihnen nichts als Ärger.

Bestes Beispiel: die Straße An der Kemm in Breitscheid. Nachdem sich Anwohner über Raser (in den meisten Fällen aus der Nachbarschaft) beschwert hatten, nahmen sich die Politiker der Sache an und beschlossen den Einbau von Hindernissen, um die allzu eiligen Autofahrer auszubremsen. Weil’s schnell gehen sollte, wurden - ebenfalls mit politischem Segen - gelbe Kunststoffschwellen auf die Fahrbahn geschraubt, anstatt die Oberfläche mit Betonsteinen aufzupflastern.

Doch statt zu beruhigen, sorgten die drei Schwellen erst recht für Aufregung - bei den Anwohnern. Denn um überhaupt die angestrebte Wirkung zu erzielen, gibt es technische Vorschriften für die Schwellen: Sie müssen hoch und steil sein. Den Autofahrern waren sie dann aber offensichtlich zu hoch und zu steil, was sich in heftigen Beschwerden der Anlieger niederschlug. Das nahm man im Planungsamt noch recht dickfellig hin: "Generell rechtfertigen allgemeine Beschwerden gegen eine Verkehrsberuhigung keinen Rückbau oder Umbau", stellt man dazu grundsätzlich fest.

Behinderte setzen mit ihren tiefgelegten Fahrzeugen auf

Dass die Schwellen jetzt allerdings doch in Frage gestellt werden, hat einen anderen Grund: Behinderte Anwohner, die zu ihren Häusern fahren wollten, hatten an den steilen Rampen der Schwellen ein Problem - ihre tiefergelegten Wagen setzten auf. Also mussten die anfangs montierten Schwellen durch niedrigere Exemplare ausgewechselt werden. Nur die höhere Schwelle an der Ecke Zum Driegeltrath blieb, weil die Anwohner sie über einen Umweg über die Straße Am Wilbert umfahren konnten.-

Doch auch damit waren die Probleme nicht aus der Welt: Zwei verschiedene Schwellentypen stoßen bei den Autofahrern auf Unverständnis, außerdem klagen die Anwohner der Straße Am Wilbert über zunehmenden Verkehr, weil immer mehr die hohe Schwelle umfahren. Vorschlag der Verwaltung: Auch diese Schwelle durch eine niedrige ersetzen.

Auf der Fritz-Windisch-Straße in Lintorf, wo der Einbau von fünf Kunststoffschwellen bereits beschlossen, aus Kostengründen aber noch nicht umgesetzt wurde, soll auf die Montage verzichtet werden. Die Schwellen seien nach der Teilung der Straße nicht mehr erforderlich, so das Planungsamt. Aufpflasterungen, die besser akzepziert werden, würden 16.200 Euro kosten.

"Mittel- bis langfristig" wollen die Stadtplaner alle Fahrbahnschwellen im Stadtgebiet abschaffen, zumal sie bei Nässe auch für Zweiradfahrer zur Gefahrenstelle werden. Also gar keine Verkehrsberuhigung? Doch, als Aufpflasterungen, wie ursprünglich vorgesehen. Die dafür erforderlichen 12.000 Euro stehen derzeit aber nicht zur Verfügung, so dass die Kunststoffschwellen "als provisorische Lösung" bestehen bleiben müssen. Und wenn man schon einmal bei Grundsätzlichem ist: Die Verwaltung will "begünstigte Anlieger" zur Kasse bitten. Denn oft würden bei Neuerschließungen oder Ausbauten die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung von den Anliegern aus Kostengründen abgelehnt. Später beklagen die sich aber, dass zu schnell gefahren wird und fordern entsprechende Abhilfe. Dies belaste den Gesamthaushalt, komme aber nur den Anliegern zugute.

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