Politiker beraten die Zukunft der Feuerwehr. Im Dezember soll der Rat eine Entscheidung treffen.

wza_1500x1073_774648.jpeg
Stadtbrandmeister René Rahner (vorne links) hat mit seinen Feuerwehrmännern dem Ausschuss für Umwelt und Ordnung einen Besuch abgestattet.

Stadtbrandmeister René Rahner (vorne links) hat mit seinen Feuerwehrmännern dem Ausschuss für Umwelt und Ordnung einen Besuch abgestattet.

Simone Bahrmann

Stadtbrandmeister René Rahner (vorne links) hat mit seinen Feuerwehrmännern dem Ausschuss für Umwelt und Ordnung einen Besuch abgestattet.

Wülfrath. Eine starke Truppe, diese Feuerwehr. Gleich im doppelten Dutzend und im feinen Ausgeh-Anzug wohnte sie der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Ordnung bei.

Und die Feuerwehrleute erlebten, wie sich die Lokalpolitiker in Sachen Brandschutzbedarfsplanung für eine Wülfrather Lösung stark machten. Ob es überhaupt noch zu einer Test-Kooperation mit Velbert kommt, muss seit Dienstagabend in Frage gestellt werden.

"Ich sehe einen schweren Abwägungsprozess mit der Gefahr, die Wülfrather Wehr zu vergrätzen."

André Herbes, Wülfrather Gruppe

Eine Zusammenarbeit auf Probe hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen. Aus unterschiedlichen Gründen kann die Wülfrather Wehr nicht immer die Hilfsfristen einhalten - nach Alarmierungen müssen zehn Mann nach acht Minuten am Einsatzort sein.

2008 wurde diese Frist in 73 Prozent der Fälle nicht eingehalten, 2009 in 68 Prozent der Fälle.

Selbst bei Erhöhung der Frist würde die Quote nicht wesentlich besser

Würde man die Frist auf zehn Minuten hochsetzen, würde die Quote nur unwesentlich besser ausfallen: 57 und 60 Prozent. Im Ausschuss machte Ordnungsamtsleiter Reinhard Schneider deutlich, dass eigentlich in 80 Prozent der Fälle die Frist eingehalten werden müsste.

Das sei bei allem Engagement der rund 100 Feuerwehrleute in der Freiwilligen-Wehr nicht zu erreichen.

Während die Wehrleitung vorschlägt, vier hauptamtliche Gerätewarte einzustellen (die WZ berichtete), regte die Verwaltung als Alternative an, mit Velbert probeweise zu kooperieren. Aber: Beide Lösungen sind nicht zum Nulltarif erhältlich.

Sorgen um die Motivation der Kameraden

Schneider gab auch zu bedenken, dass der Einsatz einer Velberter Truppe Auswirkungen auf die Motivation der Ehrenamtler vor Ort haben könnte.

"Unsere aktiven Kameraden schlafen fast in Einsatzkleidung. Was ist aber nachts, wenn der Alarm losgeht? Vielleicht denken sie künftig, die Velberter rücken ja eh aus und bleiben liegen", sagte Schneider. Es könne der Eindruck entstehen, dass die Wülfrather nur das wegräumen müssten, was die Velberter liegen lassen. "Ich kann die Bedenken der Wehr nachvollziehen", so Schneider.

Das konnte auch André Herbes (Wülfrather Gruppe): "Ich sehe einen schweren Abwägungsprozess mit der Gefahr, die Wülfrather Wehr zu vergrätzen." Detlef Gatermann (SPD) und Ausschuss-Vorsitzender Frank Homberg (Die Linke Wülfrath) strichen die Dringlichkeit heraus.

Schneider deutete an, dass nach der kostenlosen Probephase Velbert die pauschale Kostenübernahme in der Höhe mehrerer verbeamteter Wehrleute in Rechnung stellen könnte. Also könnte eine Velberter Lösung teurer als eine Wülfrather sein - Gerätewarte sind preiswerter als Wehr-Beamte, und die Stimmung in der Truppe könnte leiden. Andreas Seidler (CDU): "Da ist uns unsere eigene Wehr lieber."

Bis Dezember soll die Stadt Vergleichszahlen vorlegen

Noch im Dezember will die Politik im Rat entscheiden. Bis dahin soll die Stadt Vergleichszahlen auf den Tisch legen: Was kosten die vier Gerätewarte, die auch den Ersteinsatz fahren können? Was kostet eine mögliche Kooperation? Einstimmig fügte der Ausschuss den Zusatz hinzu: "Wir favorisieren eine Wülfrather Lösung." Die starke Truppe ging mit einem Lächeln aus dem Sitzungssaal.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer