In dem Betrieb wird getestet, wie Erosion vermindert werden kann.

Wülfrath
Landwirt Bernd Kneer berichtet Fachleuten von seinem „Feld ohne Pflug“.

Landwirt Bernd Kneer berichtet Fachleuten von seinem „Feld ohne Pflug“.

Dietrich Janicki

Landwirt Bernd Kneer berichtet Fachleuten von seinem „Feld ohne Pflug“.

Wülfrath. „Am Boden können wir was machen. Er ist unser Kapital.“ Sein Verzicht auf den Pflug dient letztlich dem Schutz vor Erosion, sagt Bernd Kneer. Er muss es wissen, der Mann ist Landwirt.

Mit Pflug wird zwar das Erdreich durchlüftet und gelockert, werden Unkraut und Schädlinge zerstört. „Allerdings führt das Pflügen auch zu Erosion und zerstört einen Teil der Bodenfauna“, erklärt der Fachmann.

Um quasi das eigene Nährstoffkapital zu stärken und damit fit für die Zukunft zu machen, ist sein Betrieb am Zwingenberger Weg einer von fünf Ausgewählten im Bergischen Land, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft als „Demonstrationsbetrieb integrierter Pflanzenschutz“ Vorzeigecharakter hat.

Abkehr vom klassischen Ackerbau

Letztlich ist seine pfluglose Bestellung so etwas wie eine Abkehr vom klassischen Ackerbau. Nach der Ernte, in diesem Jahr „witterungsbedingt eine echte Herausforderung“, werden Rückstände wie Stoppel oder Stroh auf dem Feld belassen. Für die Fruchtbarkeit sorgt dann ein Teppich aus Deckpflanzen wie Senf, Ölrettich oder Phacelia. Oder auch Mischungen verschiedener Saatarten.

Pflanzen verhindern das Abrutschen des Hanges

„Zwischenfruchtmischungen und Greening“ heißt das in der Fachsprache und wird von Pflanzenbauberaterin Natascha Droste federführend in dieser Erprobungsphase begleitet. „Wäre diese Fläche im Winter nicht bedeckt, würde der Hang abrutschen“, erklärt Fachmann Kneer eine grün blühende Fläche mit einigen Prozent Gefälle. „Im Klartext: Ich hätte meinen Acker da unten auf dem Weg liegen.“

Der integrierte Pflanzenschutz ist eine Kombination aus natürlichen Maßnahmen und dem sparsamen Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel, mit denen Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und konkurrierenden Unkräutern geschützt werden.

Nun geht es darum festzustellen, wie schnellwüchsig Phacelia, Buschweizen, Alexandrinerklee und Co., so die Saatnamen, sind, wie rasch und gut sie den Boden bedecken. „Die Wirtschaftlichkeit spielt hier eine Rolle“, sagt Natascha Droste. Fertige Mischungen sind teurer als die vom Bauern selbst zusammengestellten. Auch hier lautet die Frage: „Was ist zu welchem Zeitpunkt und welchem Aufwand möglich?“

Violett blühend zieht die Phacelia die Blicke vorbeilaufender Spaziergänger auf sich und der Bauer freut sich über ihre „ökosystemare Dienstleistung“, zieht sie doch allerlei Insekten an. Das ist gut fürs Ökosystem. Nicht alles wächst im Demonstrationsbetrieb wie erträumt. „Hier ist der Bedeckungsgrad zu gering, es kommt zu viel Luft und Licht an den Boden. Das wäre bei Frost schlecht“, heißt es über einen anderen Experimentierstreifen.

Auch Rückschläge gehören zum Projekt

Aber auch Negativergebnisse sind bei dem Projekt ausdrücklich erwünscht. „Wir überlegen, was wir im kommenden Jahr optimieren können“, lautet das Fazit des Vorzeigebauern. „Vor allem muss man Geduld haben und Ruhe bewahren“, lautet Kneers wichtigstes Fazit. Die neue Methode ist ein Erosionsschutz, mit ihr kann Geld gespart werden, von der höheren Biodiversität profitieren Landwirtschaft, Umwelt und Mensch – wie sich das Verfahren durchsetzt, wird sich zeigen.

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