Die Gymnasiastin Lea Chilla (18) befasst sich mit dem Ashland-Störfall von 2008 – jetzt mit besonderer Aktualität.

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Im August 2008 trat bei Ashland der umwelt- und gesundheitsschädigende Stoff Dicyclopentadin aus. Die Schülerin aus Flandersbach untersucht in ihrer Arbeit Umstände und Folgen des Störfalls. Archivfoto/

Im August 2008 trat bei Ashland der umwelt- und gesundheitsschädigende Stoff Dicyclopentadin aus. Die Schülerin aus Flandersbach untersucht in ihrer Arbeit Umstände und Folgen des Störfalls. Archivfoto/

Lea Chilla schreibt ihre Biologie-Facharbeit in der Jahrgangsstufe 12.

Simone Bahrmann, Bild 1 von 2

Im August 2008 trat bei Ashland der umwelt- und gesundheitsschädigende Stoff Dicyclopentadin aus. Die Schülerin aus Flandersbach untersucht in ihrer Arbeit Umstände und Folgen des Störfalls. Archivfoto/

Wülfrath. Als am Morgen des 26. Januar im Gymnasium die Nachricht durchsickerte, dass es bei einem örtlichen Chemieunternehmen einen Störfall gegeben haben soll, nämlich bei Ashland auf Kocherscheidt, löste das bei einer Schülerin der Oberstufe schon fast Beklemmungen aus. „Ich war sofort ganz aufgeregt. Richtig nervös“, berichtet Lea Chilla. Der Grund: Die Flandersbacherin schreibt zurzeit an einer Facharbeit, die sich mit dem Störfall bei Ashland aus dem Jahr 2008 befasst. Und für die Schülerin war klar: „Ich werde der Arbeit noch ein Kapitel hinzufügen.“ Abgabetermin ist in der kommenden Woche.

Im August 2008 hatte sich ein folgenschwerer Unfall bei ASK Chemicals ereignet, bei dem mehr als 30 Personen verletzt wurden. „Das ganze Thema hatte mich damals schon total interessiert“, sagt Lea Chilla. Und irgendwie, fügt sie hinzu, „ist mir schon immer klar gewesen, dass ich mich mit dem Thema noch einmal befassen werde“.

Recherche an der Uni und Gespräche zu Auswirkungen auf die Umwelt

Im vergangenen Jahr kam dann der Moment. Im Rahmen des Grundkurses Biologie der Jahrgangsstufe zwölf muss eine längere Facharbeit verfasst werden, in der die Schüler eigenständig Themen bearbeiten. „Die Arbeit wird dann wie eine Klausur gewertet“, erklärt die Gymnasiastin. Nach Beratungsgesprächen stand ihr Entschluss fest, sich mit dem Ashland-Störfall von 2008 und dessen Auswirkungen auf die Natur zu befassen.

Im vergangenen Dezember hat sie die Recherche gestartet, sich an einer Universität Informationen zu dem chemischen Mittel besorgt, das damals ausgetreten war: Beim Unfall waren etwa 300 Liter des Stoffes Dicyclopentadien entwichen. „Das Problem für mich war jetzt, dass zu so einer Facharbeit eigentlich ein Versuch gehört. Nur ist das mit diesem Stoff zu gefährlich und nicht machbar“, so Chilla. Ausführliche Ablaufbeschreibungen, detaillierte Sicherheitsdaten und Infos von Professoren kompensieren dieses Manko.

Lea Chilla hat viele Gespräche geführt. Auch den Werksleiter von Ashland hat sie interviewt. Gespräche mit Feuerwehrleuten und anderen Personen, die den Einsatz vor Ort erlebt hatten, Berichte über die Vorkommnisse und das abschließende Gerichtsverfahren haben dazu beigetragen, dass sich das Bild für die Schülerin abrundete. „Man hinterfragt für sich schon, was der Chef des Unternehmens so gesagt hat“, sagt die 18-Jährige.

Lea Chilla ist 18 Jahre alt. Sie besucht die Jahrgangsstufe 12 des Städtischen Gymnasiums. Das Abitur ist für 2013 geplant.

Lea Chilla macht aktiv Geräteturnen in einem Verein in Essen-Kettwig.

Der neuerliche Unfall in diesem Jahr habe sie regelrecht verstört. „Ich war ein Stück weit überwältigt.“ Das Ereignis, das liegt für sie auf der Hand, auch wenn in diesem Fall andere Mittel entwichen sind, „ist nicht gut für die Umwelt. In gar keinem Fall“. Aber ihrer Facharbeit verschaffe der Störfall große Aktualität.

Betriebsstandort nahe an Bebauung „muss man hinterfragen“

Dass es Standorte für derartige Unternehmen geben müsse, steht für Lea Chilla außer Frage. „Ob aber ein Chemieunternehmen so nah an Wohnbebauung sein darf, muss man hinterfragen. Auch über die Standards der Sicherheit muss gesprochen werden“, sagt sie. Aber Ashland sei nun mal da, wo es jetzt ist. Chilla: „Eine echte Zwickmühle.“

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