Eltern und Stadt bedauern das Aus der Grundschule. Der Schulrat steht in der Kritik.

Eine Grundschule, die sich „in der Auflösung“ befindet: In Rohdenhaus überlegen die Eltern jetzt, wie es für ihre Kinder weitergehen soll.
Eine Grundschule, die sich „in der Auflösung“ befindet: In Rohdenhaus überlegen die Eltern jetzt, wie es für ihre Kinder weitergehen soll.

Eine Grundschule, die sich „in der Auflösung“ befindet: In Rohdenhaus überlegen die Eltern jetzt, wie es für ihre Kinder weitergehen soll.

Simone Bahrmann

Eine Grundschule, die sich „in der Auflösung“ befindet: In Rohdenhaus überlegen die Eltern jetzt, wie es für ihre Kinder weitergehen soll.

Wülfrath. Lange haben die Rohdenhauser Eltern für den Erhalt ihrer Grundschule gekämpft. Am Dienstag erhielten sie die Nachricht, dass das Aus wohl nicht mehr zu verhindern sei. "Sie können sich vorstellen, wie die Stimmung ist", sagt Beate Kneer, Vorsitzende des Fördervereins. Nach den anhaltenden Diskussionen habe man es aber fast nicht mehr anders erwartet: "Es war damit zu rechnen."

"Was passiert in Wülfrath? Sind wir im Schlussverkauf?"

Eine Anmeldung für die erste Klasse der kleinen Stadtteil-Schule ist Anfang der Woche zurückgezogen worden. Wie berichtet, wird damit die Mindestschülerzahl von 18 unterschritten und es kann keine neue erste Klasse gebildet werden: Die Schule befindet sich damit "in der Auflösung", wie es offiziell heißt. Das teilte Schulrat Erhard Steinbrink den Verantwortlichen mit. Auch im Rathaus zeigt man Betroffenheit: "Mein Sohn ist dort auch zur Schule gegangen", sagt Dietmar Ruda, Leiter des städtischen Schulverwaltungsamts. Allerdings müsse man auch den Tatsachen ins Auge blicken: "Die Anmeldungen haben einfach nicht mehr gereicht." "Der Stadtteil hat jetzt darunter zu leiden", sagte Frank Homberg (DLW) in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Die Schule sei systematisch "totgeredet" worden. Auch Beate Kneer kritisiert die "unerbittliche Art" des Schulrats: "Da sind Pferde scheu gemacht worden." Dass Eltern ihre Anmeldungen zurückgezogen haben, sei dagegen nicht zu kritisieren. Wie es weitergeht, soll bis zum Elternabend am nächsten Donnerstag geklärt werden. Die dritte Klasse muss wegen gesunkener Schülerzahl höchstwahrscheinlich aufgelöst werden - es blieben nur noch die Klassen zwei und vier. Dass diese weiter in Rohdenhaus unterrichtet werden, gilt als unwahrscheinlich. Denkbar wäre nach WZ-Informationen, dass sie in anderen Räumlichkeiten, etwa an der Lindenschule, unterrichtet werden. "Wir wollen auf jeden Fall versuchen, die Klassenverbände aufrechtzuerhalten", sagt Hans-Werner Hueth, Fachbereichsleiter Jugend und Soziales. Beate Kneer - ihre Tochter sollte in die neue erste Klasse gehen, ihr Sohn besucht die zweite - ist noch unschlüssig: "Wir werden überlegen, was für die Kinder das Beste ist."
Kommentar von Thomas Reuter
 
  

Dass es um den Patienten Grundschule Rohdenhaus schlecht bestellt war, hatte der Schulrat in den vergangenen Monaten immer wieder betont. Seine letzte Diagnose, die Schule sei ein Magersüchtiger vor dem Tod, war die drastischste. Und vielleicht war sie es, die jetzt Eltern bewegt hat, eine Anmeldung zurückzuziehen. Das Aus für die Schule. Ein Aus, das einen Stadtteil schockiert. Ein Aus, das absehbar war.

Ein Aus, das landespolitisch gewollt ist. Für kleine Schulen mit kleinen Klassen gibt es kein Geld. Basta. Dass die lokale SPD schon vor Jahren eine Schließung zumindest in Erwägung zog, dass die lokale CDU zur Sicherheit schon einmal einen Makler in die Schule zwecks Wertermittlung schicken wollte - alles nur Nebengeräusche, die den Standort zwar nicht sicherer machten, aber auch nicht entscheidend schwächten.

 Die maßgeblichen Nadelstiche setzen Landesvorgaben und die Bezirksregierung - zum Beispiel, als sie den Schulverbund mit der Lindenschule nicht zuließ. So bleibt nur die Auflösung. Für Rohdenhaus eine Katastrophe. Und das nicht nur für Kinder, Eltern oder die Integration in diesem Stadtteil. Auch Investoren, die aktuell dort Einfamilienhäuser errichten und künftig errichten wollen (wie auf dem Grundstück des Canisius-Hauses) sehen sich um ein Verkaufsargument gebracht. Die Grundschule wird aufgelöst - schrecklich, aber wohl unumkehrbar.

thomas.reuter@westdeutsche-zeitung.de

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