Rund 140 Wanderer lernten mit Bürgermeisterin Claudia Panke einstige Handelswege kennen, spürten der Geschichte des Kalkabbaus nach und sahen alte Kotten.

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Hoch nach Kocherscheidt folgte die große Wandergruppe – vorne links Bürgermeisterin Claudia Panke – der strata coloniensis, einem bereits 1065 urkundlich erwähnten Handelsweg. Beim Kreuzen der Bahntrasse stieß man hingegen auf ein Zukunftsprojekt: den künftigen Panorama-Radweg.

Hoch nach Kocherscheidt folgte die große Wandergruppe – vorne links Bürgermeisterin Claudia Panke – der strata coloniensis, einem bereits 1065 urkundlich erwähnten Handelsweg. Beim Kreuzen der Bahntrasse stieß man hingegen auf ein Zukunftsprojekt: den künftigen Panorama-Radweg.

Stefan Fries

Hoch nach Kocherscheidt folgte die große Wandergruppe – vorne links Bürgermeisterin Claudia Panke – der strata coloniensis, einem bereits 1065 urkundlich erwähnten Handelsweg. Beim Kreuzen der Bahntrasse stieß man hingegen auf ein Zukunftsprojekt: den künftigen Panorama-Radweg.

Wülfrath. Es geht vorbei an blühenden Rapsfeldern, leuchtenden Wiesen und grünen Wäldern. Der lange Zug schlängelt sich durch Wülfraths schönste grüne Flecken. Doch nicht nur Natur pur kann geatmet werden, sondern auch Stadthistorie: Am Sonntag machten sich 140 Wanderer "Auf die Spuren alter und neuer Wege - von der strata coloniensis zum Panorama-Radweg".

Auf sieben Kilometern vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Bürgermeisterin Claudia Panke hatte in Kooperation mit dem Scala Verlag und Pro Mobil zu der großen Pfingstwanderung eingeladen, die einen Bogen über mehr als 1000 Jahre Wülfrather Geschichte spannte. Los ging es am Parkplatz Hammerstein, dann entlang dem Steinbruch Schlupkothen bis zum Industriegebiet Kocherscheidt.

Dabei bewegte sich die Gruppe auf der strata coloniensis, der alten Handelsstraße von Zons ins Münsterland. Mit der Überquerung des Bahnübergangs oberhalb von Nord-Erbach, wo zukünftig der Panorama-Radweg Niederberg entlang führen wird, begab man sich auf die Spuren der jüngsten Geschichte. Und am Gut Groß Hohdahl und Gut Frickenhaus war ein Stück romantische Vergangenheit bis ins 16. Jahrhundert zu erleben.

Der städtische Denkmalpfleger Michael Kumpf und Mitglieder des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) gaben entlang der sieben Kilometer langen Strecke Informationen zu den alten Handelswegen, den ersten Siedlungen sowie der Geschichte alter Kotten, Höfe und dem Kalkabbau.

"Hier war früher ein wichtiger Verkehrspunkt. 1886 wurde die Bahnlinie von Aprath bis nach Wülfrath gebaut. 1909 fuhr hier die Wülfrather Straßenbahn", erklärte Michael Kumpf beispielsweise an der ersten Station, dem Entwässerungsstollen in Hammerstein. Anhand einer Karte von 1892 zeigte er die damaligen örtlichen Begebenheiten auf.

Als er von den Steinbrucharbeitern erzählte, die 1905 mit Stoßholmen, Hammern und Hacken den Kalk allein mit ihrer Muskelkraft abbauten, hielten die Wanderer interessiert inne. Nur schwer ist es möglich, sich diese mühsame Arbeit in der jetzigen Idylle vorzustellen.

"So lernt man nicht nur schöne Orte in Wülfrath kennen, sondern auch die passende Geschichte", sagte Anita Münch, die neu nach Wülfrath gezogen ist. "Ich hätte niemals gedacht, was es hier für schöne Flecken gibt."

Mit dem passenden Schuhwerk ausgerüstet, genoss sie den schönen Weg und knüpfte als Neu-Wülfratherin Kontakte: "Vielleicht kann man die Strecke auch noch einmal gemeinsam gehen. Die Infos haben wir ja jetzt."

"Ich wohne schon seit 40Jahren in Wülfrath. Aber obwohl die Stadt so klein ist, entdeckt man immer wieder etwas Neues."

Wanderin Inge Haas

Alexandra (10), Chiara (11) und Julia (11) bummelten derweil gemütlich hinter dem langen Zug her. Wichtiger als die Geschichte waren den Mädchen die vielen Blumen am Wegesrand: "Auf der langen Wanderung bekommen wir einen ganz dicken Strauß zusammen."

Auf dem Weg zu Gut Hohdahl erfrischte kühler Wind die erhitzten Gesichter, die Sonne strahlte - da summte der eine oder andere gerne ein altes Wanderlied vor sich hin. Als Station vor dem alten Fachwerkhaus Hohdahl gemacht wurde, fühlte man sich wie in eine andere Zeit versetzt.

 Gute Kondition brauchten die Wanderer, als es über enge Feldwege ging, an denen schon einmal die Balance gehalten werden musste. "Diesem Abschnitt hätten wir als Wanderverein die höchste Note gegeben", sagte Hans Bunk vom SGV. "Dadurch, dass der Weg naturbeschaffen ist, fordert er doch schon etwas."

So kam es gerade recht, dass Pro Mobil die Wanderer nach zweieinhalb Stunden am Zeittunnel mit Erfrischungen, Kuchen und Grillwürstchen erwartete. Für musikalische Unterhaltung sorgte ein neu gegründete Schülerband.

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