Mit Claudia Panke wird Wülfrath in der neuen Legislaturperiode wieder die einzige Bürgermeisterin im Kreis Mettmann haben. Für die 41-Jährige ist es eine Herausforderung.

Wülfrath. Auch jetzt, drei Wochen nach der Wahl, ist das Ergebnis bei Claudia Panke noch immer nicht ganz angekommen: Bürgermeisterin von Wülfrath. "Seit diesem Wahlsonntag ist das alles noch wie in einer Glocke", sagt die 41-jährige Managerin der Deutschen Bahn.

Nach nur zehn Wochen Wahlkampf sprintete sie, die von der Wülfrather Gruppe aufgestellt und der FDP unterstützt wurde, in der kleinsten Stadt des Kreises als Siegerin von sechs Startern ins Rennen - knapp vor der Amtsinhaberin Barbara Lorenz-Allendorff. Und für den Wechsel in den neuen Job bleibt ihr nicht viel mehr Zeit. "Ich muss das alte Leben abwickeln", sagt sie. "Das ist ein ganz neuer Lebensabschnitt."

Am Morgen nach dem Wahlsieg war für die promovierte Verwaltungsfachfachfrau und Juristin ein Arbeitstag wie jeder andere. Die Personalchefin musste in die Schweiz. Dortmund und Frankfurt waren weitere Stationen in den Tagen danach. "Ich habe eigentlich bisher keine Zeit gehabt, das Ganze zu reflektieren, zu begreifen", sagt sie und lächelt ein wenig ungläubig. Zwischen Tarifverhandlungen und Mitarbeiterzielgesprächen macht sie sich mit der Tatsache vertraut: Ich werde Bürgermeisterin.

Kollegen in Zürich und Hamburg verfolgten die Wahl am Computer

Den Wahlabend in der Stadthalle hat sie "wie im Film" erlebt. Immer wieder habe sie Anrufe auf dem Handy erhalten, SMS- Meldungen abgerufen. "Freunde, Bekannte und Kollegen haben mitgefiebert. Die saßen in Zürich oder Hamburg vor ihren Computern und haben im Internet die Kommunalwahl in Wülfrath verfolgt.

Es war und ist toll, wie sich andere mit mir und für mich gefreut haben. Auch hier in Wülfrath spüre ich eine tolle Wertschätzung. Das beschert mir im Nachhinein ein warmes Gefühl", sagt sie.

Das werde ihr aber erst nach und nach klar. "Vielleicht lasse ich diese Freude im Moment noch nicht zu, weil ich meinen Kollegen und meinem Team bis zuletzt gerecht werden will", fügt sie hinzu. Ende September scheidet sie bei der Deutschen Bahn aus. Dann tankt sie Kraft bei einem Urlaub in Asien, trifft dort Freunde. "Ausschlafen, gut Essen, Sport, Wellness", skizziert sie ihren Plan für diese Übergangsphase.

Durch die Weltgeschichte zu reisen, geht zu Lasten des Privatlebens

"Du musst dich selbst belohnen", nennt sie ihre knappe Formel, wie sie sich nach Stresssituationen etwas Gutes tut. Das kann ein Opernbesuch sein oder auch Sport. "Joggen, Inlinern, Fitness und ein bisschen Tennis", zählt sie ihre Vorlieben auf. Und vor allem "ein bisschen Ruhe" benötige sie vor dem Neustart im Wülfrather Rathaus.

Dass es dort beschaulicher und gesetzter zugehen könnte als im jetzigen Manager-Job, erwartet sie nicht. "Ich werde bestimmt nicht weniger arbeiten. Im Gegenteil. Die Palette an Tätigkeiten und Aufgaben wird sogar viel größer. Eine echte Herausforderung", freut sie sich und strahlt. Dass sie künftig weniger reisen muss, empfindet sie dagegen als Erleichterung. "Durch die Weltgeschichte zu fahren, hört sich ganz nett an. Doch das geht auf Kosten des Privatlebens." So sei sie beispielsweise auch keinesfalls Single aus Überzeugung.

Als Bürgermeisterin, ist sie sicher, werde das Leben "geerdeter" sein. "Nach der Arbeit kann ich nach Hause gehen und nicht in ein Hotelzimmer." Für Claudia Panke ist das Glück - und die Aussicht darauf war auch Motivation im Wahlkampf.

In der künftigen Bürgermeister-Runde des Kreises - sie trifft sich kommende Woche - wird Claudia Panke die einzige Frau sein. Für sie nichts Besonderes. "In Meetings ist das auch meistens heute so."

Dass Frauen anders führen, mehr auf Intuition setzen - für Panke sind das Floskeln. Sie merkt schmunzelnd an: "Da muss jeder seinen Mann stehen." Ein Blick in ihren Lebenslauf lässt erkennen, dass sie nach dem Abitur am Wülfrather Gymnasium zielstrebig vorwärts gekommen ist.

"Ich habe aber keinen verbissenen Ehrgeiz, bin keine Karrierekneifzange", sagt sie. Sie habe immer wieder was ausprobiert, "was dann geklappt hat." Sie spricht mehr von Fügung als von Planung. "Bei jedem Schritt hat es irgendwie immer gepasst. Die Dinge haben sich ergeben, es war nie ein Muss."

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