Wohnungen im Kreis Mettmann sind teuer – und je näher die Mieter an Düsseldorf heran wollen, desto mehr müssen sie zahlen.

Mettmann
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Stadt Mettmann

Kreis Mettmann. Wer solche Wohnungsanzeigen liest, braucht entweder eine dicke Brieftasche oder viel Baldrian: „Wohnen in der Fußgängerzone! Zwei-Zimmer-Wohnung, 46 m², modernisiert 1995, kein Aufzug, helles Bad mit Dusche, Miete 480 Euro plus Strom“. Oder: „Vier-Zimmer-Wohnung im Zwei-Familienhaus, 130 m², Küche, zwei Bäder, Südwest-Balkon, 1340 Euro plus Nebenkosten“.

Wohnungssuchende weichen aus der Landeshauptstadt in den Kreis aus

Zugegeben: Das zweite Angebot liegt in einer der besten Wohnlagen Ratingens unweit des Museums Cromford. Aber generell gilt der Kreis Mettmann nicht gerade als günstiger Wohnungsmarkt – nicht zuletzt durch die Nähe zum teuren Düsseldorf. Wer dort keine bezahlbare Wohnung findet, weicht in den Kreis aus.

Mit wachsender Entfernung zur Landeshauptstadt sinken allerdings auch im Kreis die Mieten. So kostet im Herzen Velberts eine „Vier-Zimmer-Wohnung, 110 m², mit Balkon und Stellplatz, 580 Euro Kaltmiete“.

Für eine „schöne Zwei-Raum-Wohnung mit Balkon im gepflegten Mehrfamilienhaus, 65 m² Wohnfläche“ sind 350 Euro zu zahlen. Der Kreis Mettmann ist also keineswegs einheitlich. Das belegt auch der aktuelle Wohnungsmarktreport der LEG.

Der Durchschnittpreis pro Quadratmeter liegt bei 6,71 Euro

Demnach sind die Mieten im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Im Durchschnitt sind 6,71 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung zu zahlen. Damit liegt der Kreis Mettmann landesweit in der Spitzengruppe der Kreise. Teurer ist es nur im Rhein-Kreis Neuss und im Rheinisch-Bergischen Kreis.

Die Kennziffer für die Kaufkraft (115,8) im Kreis Mettmann liegt deutlich über der des übrigen Landes (101,1). Gleiches gilt für die tatsächliche durchschnittliche Kaufkraft: Laut Statistischem Landesamt beträgt die Kaufkraft pro Kopf in NRW 20 368 Euro, im Kreis Mettmann dagegen durchschnittlich 23 46 Euro.

Angesichts der hohen Nachfrage gibt es im Kreis Mettmann relativ wenig Wohnungsleerstand. Die niedrigsten Werte (unter zwei Prozent) gibt es in Haan, Heiligenhaus, Ratingen Hösel und Eggerscheidt. Zwischen zwei und vier Prozent Leerstand gibt es in Ratingen Breitscheid und Lintorf, Wülfrath, Velbert Neviges und Mitte. Deutlich darüber liegt Velbert Langenberg mit knapp sieben Prozent Leerstand.

Knapp 14 000 Mietangebote gibt es im Kreis; die Quadratmeterpreise reichen im Schnitt von 4,70 bis 9,20 Euro.

Im unteren Segment sind die Mieten mit 4,70 Euro pro Quadratmeter für eine einfache Wohnung stabil geblieben, im oberen Marktsegment muss im Durchschnitt doppelt so viel bezahlt werden – wobei es nach oben „viel Luft“ gibt.

Das hat auch Julia Lehmann gemerkt, die seit zwei Monaten „eine bezahlbare Wohnung“ sucht. 700 Euro Warmmiete will sie ausgeben. „Wir haben unsere Ansprüche schon heruntergeschraubt – von drei Zimmern, 70 Quadratmeter, auf zwei Zimmer, 60 Quadratmeter.“

Nachdem sie in Düsseldorf nur Absagen bekommen hat, streckt die 29-Jährige in Erkrath und Hilden ihre Fühler aus. 15 Wohnungen habe sie bisher besichtigt, aber keine bekommen.

LEG-Report sieht auch hohe Kaufkraft als Grund für hohe Mieten

Aufgrund der hohen Kaufkraft seien die Mietpreise für die Bewohner im Kreis „eher verkraftbar“ als in anderen Regionen, stellt der LEG-Report pauschal fest.

Im Durchschnitt stehen den Haushalten 4069 Euro monatlich zur Verfügung – Platz vier in NRW. Wegen der großen regionalen Unterschiede muss der Durchschnittswert aber relativiert werden.

Die Einkommensspanne reicht von 3453 Euro in Velbert bis 6361 Euro in den Ratinger Stadtteilen Hösel, Eggerscheidt, Lintorf und Breitscheid.

Erstmals wurden Top-Mieten von zehn Euro registriert

Vergleichbar fällt die Mietpreislandschaft aus: In Teilen von Velbert wird man ab 4,12 Euro pro Quadratmeter fündig. Und in elf von 19 Postleitzahlengebieten im Kreis findet man Einstiegsmieten unter der Fünf-Euro-Marke.

Dafür sei im oberen Bereich die Mietskala „nahezu offen“: In Teilen Hildens, in Ratingen Mitte und in der Stadtteilen Eggerscheidt, Lintorf, Homberg und Ost wurden erstmals Top-Mieten von zehn Euro registriert.

Interessant ist dabei auch ein Blick auf die Wohnkosten (Warmmiete). Sie kletterten in den vergangenen drei Jahren von durchschnittlich 694 auf 713 Euro. Gleichzeitig sank jedoch die Wohnkostenbelastung, also der Anteil der Miete am Einkommen, um fast einen Prozentpunkt auf 17,5 Prozent.

Wegen des ungleich verteilten Wohlstandes fällt die anteilige Belastung „kleinräumig sehr unterschiedlich“ aus: In den wohlhabenden Stadtteilen Velbert-Neviges und Tönisheide sowie Ratingen Hösel, Lintorf Breitscheid und Eggerscheidt fließen nur etwa 14 Prozent des Monatsnettos in die Miete.

In Velbert Mitte, Teilen von Hilden, Monheim und in Ratingen Tiefenbroich sind es dagegen 19 Prozent, in Ratingen Mitte sogar 20 Prozent.

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