Die Kreisstädte unterhalten weltweite Partnerschaften. Die WZ stellt die Verbindungen vor.

Kreis Mettmann. Städtepartnerschaften ins In- und Ausland haben im Kreis Mettmann eine lange Tradition. Ob „um die Ecke“ zu den Nachbarn aus England und Frankreich, oder hinaus in die weite Welt nach Finnland, in die USA oder gar auf die Philippinen: Die Menschen aus dem Kreis pflegen Beziehungen zu 32 Partnergemeinden um den ganzen Globus.

England und Frankreich: Partner zur Aussöhnung nach dem Krieg

Die Klassiker unter den Städtepartnerschaften kommen aus England oder Frankreich. Von den 32 Partnern sind acht britisch und zehn französisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Partnerschaft der Aussöhnung und Verständigung zwischen den Völkern dienen – deshalb wurden Verbindungen zu vormaligen Kriegsgegnern angestrebt.

Aber nicht nur das: Bürger aus dem Kreis Mettmann können ihre englische oder französische Partnerstadt relativ schnell besuchen. Hinzu kommt, dass in deutschen Schulen die jeweiligen Fremdsprachen auf dem Plan stehen, ebenso wie umgekehrt Deutsch. Der Schüleraustausch fördert nicht nur das Sprachverständnis von Jugendlichen, sondern auch die Freundschaft zwischen entfernten Gemeinden.

Mettmann und Laval – Partner seit 30 Jahren

Eine von zehn französischen Partnerstädten im Kreis ist Laval. Seit 1974 ist Mettmann mit der westfranzösischen Stadt verbunden. Nach über 30 Jahren gilt die Beziehung als innig. Es gibt einen Freundeskreis-Verein, Besuche des Partnerschaftskomitees und Kooperationen. So ist unter anderem für Mai 2011 ein internationales Jugendprojekt in Laval geplant, an dem auch Mettmanner teilnehmen werden.

Eine Bürgermeisterin lernt Deutsch zur Verständigung

„Aus Laval kommt außerordentlich viel zurück. Dort herrscht großes Engagement“, sagt Peter Engelhardt, Leiter des Vorstandsbüros des Mettmanner Bürgermeisters. So lernte Lavals Bürgermeisterin Francoise Marchand extra Deutsch, um sich mit den Partnern aus Mettmann unterhalten zu können.

„Eine Partnerschaft steht und fällt damit, dass Menschen sie lebendig halten.“

Die erste historisch belegte Freundschaft zwischen zwei Städten gab es bereits im Jahr 836 zwischen Paderborn und Le Mans (Frankreich). Die erste offizielle Partnerschaft schlossen 1920 Keighley (England) und Poix-du-Nord (Frankreich). Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Bewegung einen Schub und diente der Aussöhnung und Völkerverständigung. Ähnlich in der Zeit kurz vor und nach der deutschen Wiedervereinigung zwischen west- und ostdeutschen Städten.

Partnerschaften können durch persönliche Beziehungen oder offizielle Anfragen entstehen. Besuch und Gegenbesuch folgen die Ratsentscheidung für offizielle Partnerschaft und die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde.

Zehn Städte haben 32 Partner: Erkrath (2), Haan (2), Heiligenhaus (4), Hilden (2), Langenfeld (3), Mettmann (1), Monheim (5), Ratingen (8), Velbert (2), Wülfrath (2).
 

Michael Hohmeier, Stadtsprecher von Monheim

Velbert begnügte sich daher nicht nur mit einer einfachen Verbindung, sondern ging einen Schritt weiter: Seit 1979 existiert eine Dreierpartnerschaft zwischen der Schlossstadt, dem französischen Chatellerault und dem englischen Corby. Jährlich wird eine gemeinsame Konferenz zur Projektplanung abgehalten.

„Vor allem an Karneval kommen begeisterte Gäste her. Franzosen und Engländer kennen Karneval eben nicht so wie wir“, sagt Viola Möske, bei der Stadt Velbert für die Partnerschaftspflege zuständig. Aber es funktioniert nicht immer alles: so musste Velbert aufgrund knapper Kassen Zuschüsse für den Schüleraustausch kürzen. Bürgermeister Stefan Freitag hat angekündigt, dass die wechselseitigen Besuche weiter unterstützt werden sollen.

Israel, China und die Philippinen: Partner in exotischen Regionen

Besuche und ständiger Kontakt sind auch für Michael Hohmeier, den Sprecher der Stadt Monheim, das Wichtigste: „Eine Partnerschaft steht und fällt damit, dass Menschen sie lebendig halten.“ Menschen wie Hagen Bastian. Der Schulleiter des Monheimer Otto-Hahn-Gymnasiums bemüht sich seit über 25 Jahren um einen regelmäßigen Austausch mit der Partnergemeinde Tirat Carmel in Israel. Jährlich fahren zwischen 20 und 30 Schüler ins Land im Nahen Osten.

Exotischer wird es in Ratingen. Die Stadt hat mit acht die meisten Partner. Darunter das chinesische Wuxi Huishan, zu dem die Partnerschaft seit 2007 besteht. Delegationen haben sich bereits besucht.

So war Manfred Fiene vom Grünflächen- und Umweltamt Ratingens 2008 eine Woche lang in Wuxi. „Es war unglaublich. Die Chinesen denken städtebaulich in anderen Dimensionen, und auch menschlich war es eine tolle Erfahrung. Alle waren sehr freundlich“, sagt er über eine Reise. Fiene kann sich durchaus Kooperationen vorstellen – „aber natürlich ist es bei der Entfernung nicht einfach, etwas aufzubauen“.

Das merken zum Beispiel die Langenfelder. Ihre Partnerschaft zu Batangas City auf den Philippinen benötigt dringend eine Auffrischung. Eine zehnjährige Zusammenarbeit an einem Verwaltungsprojekt mündete 1998 in die Partnerschaft. Zwar waren bereits Langenfelder auf den Philippinen, aber in letzter Zeit ist das eingeschlafen. „Im letzten Jahr war Batangas City kaum mehr Thema im Rathaus“, sagt Sabrina Kempny, Ansprechpartnerin der Stadt, mit Bedauern.

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