Michaela Noll hat Peer Steinbrück abgehängt. Gegen den Heimvorteil der CDU-Frau war der Bundesfinanzminister (SPD) letztlich ohne Chance.

Mettmann. Der Mini macht das Rennen, die Staatskarosse tuckert hintendrein. Gegen diesen Vergleich hat Peer Steinbrück (63) sich immer gewehrt.

Aber als Bundesfinanzminister, immer unterwegs mit Polizeieskorte und als Vize-Chef der SPD, war sein Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Mettmann Süd auf den ersten Blick nun einmal so etwas wie der Kampf von Goliath gegen David.

In der Rolle der scheinbar Unterlegenen gefiel sich Michaela Noll (44,4 %) von der CDU allerdings auch so gut, dass sie alles tat, dass der Vergleich Mini gegen Staatskarosse nur nicht in Vergessenheit geriet.

Am Ende zieht der Bundesfinanzminister nicht über den Kreis Mettmann in den Bundestag ein. Steinbrück (33,8 %) muss der 49 Jahre alten Juristin aus Haan den Vortritt lassen. Michaela Noll hat ihr Direktmandat verteidigt.

"Der Mini hat halt doch mehr PS unter der Haube als die Staatskarosse", sagte Michaela Noll. Als Familienpolitikerin freue sie sich nun auf die weitere Zusammenarbeit mit Ministerin Ursula von der Leyen.

Wie richtig Noll mit ihrem Werbespruch "Von hier, für uns" gelegen hat, zeigen die Einzelergebnisse aus einigen Städten. In Mettmann beispielsweise lag sie 14 Prozent vor ihrem prominenten Herausforderer. In Langenfeld waren es gar 20 Prozent.

Der unterlegene Finanzminister war denn auch bitter enttäuscht von seinem Ergebnis. "Diese Niederlage nehme ich persönlich", sagte er. Im selben Atemzug kündigte er an, auch in seiner neuen Rolle weiter für den Kreis Mettmann arbeiten zu wollen. Aller Voraussicht nach wird Steinbrück zunächst als ganz normaler Abgeordneter in den Bundestag einziehen.

Das Duell zwischen Noll und Steinbrück hatte die Aufmerksamkeit auf den Wahlkreis 105 gelenkt, seit Steinbrück 2007 angekündigt hatte, in den Städten Hilden, Haan, Erkrath, Langenfeld, Mettmann und Monheim für die SPD um das Direktmandat zu kämpfen. Damals hatte er angekündigt, mindestens zwei Tage pro Monat in seinem Wahlkreis verbringen zu wollen.

Daran hat Steinbrück sich gehalten und seine Präsenz trotz der Weltwirtschaftskrise in den Wochen vor der Wahl noch deutlich erhöht. Genutzt hat das offenbar nicht. "Ich bin sehr enttäuscht. Ich hatte mir deutlich mehr versprochen", sagte er.

Im Schatten des Zweikampfes spielten die anderen Direktkandidaten im Wahlkreis lediglich Nebenrollen. Dennoch erreichten Michael Ruppert (FDP), Peter Knitsch (Grüne) und Bastian Wefes mit sieben bis neun Prozent teils beachtliche Erststimmenergebnisse.

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