Der 16-jährige Erkrather Gymnasiast Michael Schmeide verschwand spurlos. Drei Wochen später fand man seine Leiche in einem Steinbruch.

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Seniorchef Hermann Iseke (l.) und der ehemalige Betriebsleiter Rüdiger Peil erinnern sich, wo die Leiche des 16-jährigen Schülers im Steinbruch gefunden wurde.

Seniorchef Hermann Iseke (l.) und der ehemalige Betriebsleiter Rüdiger Peil erinnern sich, wo die Leiche des 16-jährigen Schülers im Steinbruch gefunden wurde.

Simone Bahrmann

Seniorchef Hermann Iseke (l.) und der ehemalige Betriebsleiter Rüdiger Peil erinnern sich, wo die Leiche des 16-jährigen Schülers im Steinbruch gefunden wurde.

Kreis Mettmann. Es war der 1. November 1969, um vier Uhr nachmittags. Im Büro der Kalkwerke Oetelshofen klingelte das Telefon, jemand aus dem Steinbruch war an der Leitung. "Der Mann war ganz aufgelöst und hat uns erzählt, dass gerade eine Leiche gefunden wurde", erinnert sich Seniorchef Hermann Iseke noch ziemlich genau an den Tag, an dem im Steinbruch der Kalkwerke Oetelshofen in Wuppertal die Suche nach einem vermissten Schüler aus Erkrath eine spektakuläre Wende nehmen sollte.

Der Fall hatte - wie so oft bei Kapitalverbrechen - drei Wochen zuvor mit einer Vermisstenmeldung begonnen. Der 16-jährige Erkrather Gymnasiast Michael Schmeide war am 10. Oktober mit seinem Mofa nach Mettmann gefahren, um dort Freunde in einer Diskothek zu treffen.

Seine Mutter erinnerte sich, dass ihr Sohn in einem Trenchcoat, einem weißen Pulli mit Stehkragen, einer hellen Cordhose und braun-roten Schuhen das Haus verlassen hat. Seine Freunde haben ihn noch am frühen Abend auf dem Mettmanner Marktplatz gesehen, danach verlor sich die Spur.

Die Ermittler standen vor einem Rätsel, denn das Unfallopfer fehlte

Das Mofa des Teenagers wurde am nächsten Morgen auf der Straße zwischen Mettmann und Erkrath in der Nähe der Firma Erwepa am Straßenrand gefunden. Der Rückspiegel war abgebrochen, vom Fahrer allerdings fehlte jede Spur. Schleifspuren in der Nähe des Mofas ließen die mittlerweile eingeschaltete Kriminalpolizei vermuten, Michael Schmeide könnte gestürzt sein.

Und dennoch standen die Ermittler vor einem Rätsel. War der 16-Jährige von Daheim ausgerissen? War er einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Seinen Klassenkameraden vom Mettmanner Konrad-Heresbach-Gymnasium hatte er noch am Nachmittag gesagt, er wolle nur kurz in die Diskothek und dann nach Hause zum Abendessen.

Am dem Abend des 10. Oktober 1969, an dem Michael Schmeide spurlos verschwand, lag ein schwerer Herbstnebel auf den Straßen. Alles sprach für einen Unfall, aber wo war der vermisste Schüler?

In den folgenden Tagen meldete sich ein Zeuge, der beobachtet haben wollte, wie ein Lkw-Fahrer mit hoher Geschwindigkeit aus der Straße "Am Wiesengrund" gekommen und beinahe mehrere Unfälle verursacht haben soll, um dann seine Fahrt in Richtung Neandertal fortzugesetzen.

Die Analyse der Lackspuren am Mofa hatte zuvor ergeben, dass es sich um einen capriblauen Hanomag-Laster des Typs F45, F65 oder "Matador" mit Plane gehandelt haben könnte.

Drei Wochen lang blieb die Suche nach Michael Schmeide erfolglos. Bis im nahegelegenen Steinbruch der Kalkwerke Oetelshofen die nackte Leiche eines Jugendlichen entdeckt wurde.

Schnell stand fest, dass es sich bei dem Toten um Michael Schmeide handelt. "In der Nähe des Fundortes hatte es an diesem Tag eine Sprengung gegeben", erinnert sich Rüdiger Peil, damals Betriebsleiter der Kalkwerke Oetelshofen.

Die Düsseldorfer Mordkommission wird die Geschehnisse später so rekonstruieren: Vermutlich wurde der 16-Jährige im Neandertal von einem Lkw angefahren. Der unbekannte Fahrer muss den schwer verletzten Jungen aufgeladen haben und weitergefahren sein.

Später zog er den Jungen aus und legte ihn im Gebüsch am zehn Kilometer entfernten Steinbruch ab, wo er später starb. Durch die Erschütterungen bei der Sprengung muss der Körper von Michael Schmeide über den Abhang gerutscht sein, wo ein Arbeiter ihn fand. Die Suche nach der Kleidung des Jungen blieb erfolglos.

Um dem Täter auf die Spur zu kommen, wurden immer wieder Zeugen befragt und mehr als 250 Fahrzeuge überprüft, die im Kreis Mettmann angemeldet waren und dem gesuchten Fahrzeugtyp ähnlich waren. Man ging davon aus, dass der Unfallfahrer ortskundig gewesen sein muss und sein Opfer absichtlich am Steinbruch abgelegt hat.

Die verzweifelten Eltern hatten einen Privatdetektiv eingeschaltet. Der Täter wurde dennoch bis heute nicht ermittelt, der Fall blieb ungeklärt.

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