Das zur Velberter Witte-Gruppe gehörende Unternehmen leidet unter der Absatzkrise in der Automobilindustrie und baut in Velbert und Wülfrath massiv Stellen ab.

Velbert/Wülfrath. Als die Witte-Gruppe im Frühjahr 2008 den Velberter Nachbarn Friedrich Fingscheidt GmbH übernahm, hatte das traditionsreiche Unternehmen bereits einige schwierige Jahre hinter sich. Doch die Auftragsbücher waren voll, mit dem "strategischen Partner" Witte sollte die Zukunft gesichert werden, hieß es.

Dann aber kam die Finanz- und Wirtschaftskrise, die Absätze in der Automobilindustrie brachen drastisch ein. Nach Kurzarbeit und Umstrukturierungen in der gesamten Witte-Gruppe haben nun 89 von zuletzt rund 230Fingscheidt-Mitarbeitern in Velbert und Wülfrath zum 31. Januar die Kündigung erhalten.

"Dieser Schritt ist uns sehr schwer gefallen", erklärte am Mittwoch Geschäftsführer Rainer Gölz in einer Presseerklärung. "Wir mussten jedoch handeln, um die Sicherheit der verbleibenden Arbeitsplätze bei Fingscheidt zu erhöhen."

Fingscheidt Automotive fertigt Komponenten und Systeme rund um die Fahrzeugtür, den Innenraum und die Sitze sowie Stanzprodukte für Fahrwerk und Motorraum. Zu den Kunden gehörten in der Vergangenheit vor allem Premium-Automarken wie Mercedes-Benz, BMW und Audi. So kommt auch der berühmte Mercedesstern von Fingscheidt. Doch gerade diese Kundschaft steckt selbst in der Absatzkrise.

"Die betriebsbedingten Kündigungen jetzt sind schlimm genug, aber wir haben immerhin erreicht, dass gut 130 Arbeitsplätze erhalten bleiben", sagte Betriebsrat Maik Serotzki im Gespräch mit der WZ. Im Sommer vergangenen Jahres hatte die Geschäftsführung laut Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall ein Konzept vorgelegt, das einen mehr als doppelt so hohen Stellenabbau und die Schließung beziehungsweise Verlagerung ganzer Produktionsbereiche vorgesehen hatte.

"Das haben wir in langwierigen Verhandlungen verhindern können. Es ist wichtig, dass die Standorte und die Produktionsprozesse bleiben - sonst hätte es vielleicht noch den Namen Fingscheidt gegeben, aber nichts mehr dahinter", so der IG Metall-Bevollmächtigte Michele Dattaro.

Betroffenen wird der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten

Außerdem wurde eine Transfergesellschaft gegründet. Gekündigte Mitarbeiter können zum 1.Februar bis zu zwölf Monate in diese Gesellschaft wechseln. Am Donnerstag will der Betriebsrat über diese Möglichkeit informieren.

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