Seit seiner Kindheit sammelt der Velberter die Holzfiguren aus dem Erzgebirge.

Die Heiligen Drei Könige: Sie sind eine absolute Rarität. „Es gibt sie nur 30-mal“, sagt der Sammler Thomas Günther, der noch viele weitere dieser seltenen hölzernen Kostbarkeiten sein Eigen nennt.
Die Heiligen Drei Könige: Sie sind eine absolute Rarität. „Es gibt sie nur 30-mal“, sagt der Sammler Thomas Günther, der noch viele weitere dieser seltenen hölzernen Kostbarkeiten sein Eigen nennt.

Die Heiligen Drei Könige: Sie sind eine absolute Rarität. „Es gibt sie nur 30-mal“, sagt der Sammler Thomas Günther, der noch viele weitere dieser seltenen hölzernen Kostbarkeiten sein Eigen nennt.

Simone Bahrmann

Die Heiligen Drei Könige: Sie sind eine absolute Rarität. „Es gibt sie nur 30-mal“, sagt der Sammler Thomas Günther, der noch viele weitere dieser seltenen hölzernen Kostbarkeiten sein Eigen nennt.

Velbert. "Ich habe mir damit ein Stück aus meiner Kindheit bewahrt", sagt Thomas Günther (61). Liebevoll streicht er dabei dem Räuchermännchen über den roten Mantel. "Mit ihm hier fing alles an. Ich war damals zwei Jahre alt, als ich ihn zu Weihnachten geschenkt bekam."

59 Jahre sind seitdem ins Land gegangen, und aus dem Knirps von damals ist ein frisch gebackener Großvater geworden. "Vor wenigen Tagen kam unser erster Enkel", strahlt der heute 61-Jährige übers ganze Gesicht. Längst lebt er auch nicht mehr im Erzgebirge. "Schon 1957 kamen wir in den Westen. Mein Vater war ein Jahr zuvor nach einer Geschäftsreise drüben geblieben. Wir sind dann mit der Familie hinterher." Mit seiner Ehefrau Bärbel (57) wohnt der gebürtige Chemnitzer heute in Velbert.

"Sie strahlen einfach eine weihnachtliche Atmosphäre aus."

Thomas Günther

Seine Liebe zum Erzgebirge, dem Ort seiner Kindheit, hat der pensionierte Abteilungsleiter nicht nur im Herzen bewahrt. Mit seinen Räuchermännchen hat er sogar ein Stück Heimat zum Anfassen mitgebracht. "Mittlerweile sind es rund 300", sagt er. "Wenn ich noch die Nussknacker hinzurechne, komme ich sogar auf 480." Mit Fug und Recht kann Thomas Günther von sich behaupten, der wohl leidenschaftlichste Sammler der erzgebirgischen Holzfiguren zu sein. "Das bleibt bei meiner Vergangenheit aber auch nicht aus."

Pünktlich zum ersten Advent bevölkern die kleinen Kerle alljährlich das Günthersche Haus in Velbert. Einige stehen schon im Flur, im Wohnzimmer haben sie sich aber besonders häuslich eingerichtet. Es gibt es kaum einen Platz, an dem nicht eines der handgearbeiteten Kunstwerke steht. Auf dem Kaminsims und im eigens leer geräumten Bücherregal geben sie ein besonders buntes und gemütliches Bild ab. "Sie strahlen einfach eine weihnachtliche Atmosphäre aus", sagt Thomas Günther, der in den Tagen vor dem Heiligen Abend mit seiner Frau oft einfach nur dasitzt und die Atmosphäre genießt. "Ein heißer Kaffee, Kerzenschein, dazu etwas Weihnachtsmusik - und dann dieser heimelige Anblick. Was gibt es Schöneres?"

Mittlerweile ist das Internet die wichtigste Bezugsquelle

Die Geschichte der Räuchermännchen reicht bis in die 30er-Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Ihren Ursprung haben sie im Erzgebirge, als sich die Bergleute mit ihren Schnitzereien ein Zubrot verdienten. Heute sind die Räuchermännchen ein fester Bestandteil der erzgebirgischen Volkskunst und des Brauchtums der Weihnachtszeit.

Auf den unteren Teil der zweigeteilten Holzfigur wird ein angezündetes Räucherkerzchen, eine Mischung aus Holzkohle, Bindemittel und Duftstoffen, gelegt. Der obere Teil ist ausgehöhlt und wird auf den ersten Teil gesteckt. Das Räucherkerzchen brennt so im Inneren des meist gedrechselten Räuchermannes ab. Der Rauch steigt dabei nach oben und tritt aus dem Mundloch nach außen.

Meist stellen die Räuchermännchen Handwerker dar. So finden sich neben Förstern und Hausierern vor allem Bergleute.

Die Armee der hölzernen Gesellen wird derweil immer größer. "Im Bekanntenkreis ist natürlich rum, womit man ihm eine Freude machen kann", sagt Bärbel Günther, die die Leidenschaft ihres Gatten längst teilt. "Bei einer Reise in Thomas’ Heimat haben wir eine Fabrik für Räuchermänner besucht. Als ich sah, mit welcher Liebe sie gefertigt und bemalt werden, war ich begeistert und verstand meinen Mann sofort."

Für den 61-Jährigen ist das Internet mittlerweile die häufigste Bezugsquelle. "Anfangs tat ich mich schwer damit", gibt er zu. "Aber die Möglichkeiten, dort auch mit anderen Sammlern in Kontakt zu kommen oder virtuelle Börsen zu besuchen, sind unerschöpflich."

Bis Mitte Januar dauert bei Günthers die Invasion der Räuchermännchen. Danach wandern sie nach und nach in den Keller - und warten dort darauf, dass die nächste Adventszeit anbricht.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer