Aufgeführt wird das 55-minütige Werk für vier Vokalisten und Steinwerkzeuge. Kleiner Nebeneffekt dieser ungewöhnlichen Komposition: Keine Aufführung dieser Klangwelten gleicht der anderen.

wza_1061x1500_468199.jpeg
Aufführungen des Werkes gibt es zurzeit nur in Großbritannien.

Aufführungen des Werkes gibt es zurzeit nur in Großbritannien.

Aufführungen des Werkes gibt es zurzeit nur in Großbritannien.

Kreis Mettmann. Falls sich Bürger des Kreises in dieser Woche rein zufällig in Wales aufhalten sollten und überall auffällig rote Plakate mit der Aufschrift "neanderthal" erblicken - keine Angst, es handelt sich nicht um eine Zeit-Raum-Verschiebung. Mit diesem "neanderthal" wird die Aufführung einer ungewöhntlichen Komposition beworben, die am 8. Februar im National Museum Wales in Cardiff ihre Uraufführung hatte und sich zurzeit auf einer kleinen Tournee befindet. Das Werk stammt aus der Feder von Simon Thorne, Komponist für Jazz und Neue Musik.

Ein Werk ohne die Mittel zeitgenössischer Kompositionslehre

Als das National Museum Wales eine neue Ausstellung mit dem Titel "Origins - In Search Of Early Wales" einrichtete, trat man an Simon Thorne mit der Bitte um eine entsprechende Komposition heran.

Für den Multi-Instrumentalisten wurde schnell klar, dass er mit den Mitteln zeitgenössischer Kompositionslehre nicht weiterkommen würde. Also tauchte er erst einmal in die Urgeschichte ab. Linguisten und Archäologen führten ihn in eine andere Kultur der Menschheit. Die Alltags-Töne des Neandertalers, darin war sich Thorne sicher, müssen auch seine Sprache und Gesänge bestimmt haben. Also die Natur, Tierstimmen, Steinwerkzeuge und das Holz.

Und aus dem Fund eines Neandertaler-Kehlkopfes haben Wissenschaftler mittlerweile Informationen über die Lautbildung bei den Neandertalern rekonstruieren können. Zwar ist es unmöglich, genau zu rekonstruieren, wie sich der Gesang der Neandertaler anhörte, aber die Vorstellung ist für Thorne eine faszinierende Erfahrung.

Natürlich komponierte Thorne keine Noten, sondern konstruierte Tonhöhen, die zeitlich miteinander abgestimmt sind. Aufgeführt wird das 55-minütige Werk für vier Vokalisten und Steinwerkzeuge. Kleiner Nebeneffekt dieser ungewöhnlichen Komposition: Keine Aufführung dieser Klangwelten gleicht der anderen.

"Hört sich gut an", meint Bärbel Auffermann, stellvertretende Leiterin des Neanderthal Museums, die dem Steinzeit-Klang schon gelauscht hat. So eine Aufführung wäre ideal für die Fundstelle im Neandertal, "aber auch sehr speziell und aufwändig. Von den Kosten einmal ganz zu schweigen." Ohne einen Sponsor ließe sich eine solche Veranstaltung leider nicht durchführen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer