Ausdauer: Was bei kurzen Läufen kein Thema ist, kann beim Marathon zum Problem werden: die Nahrungsaufnahme beim Wettkampf.

Kreis Mettmann. Test eins: Ich greife mir im Vorüberlaufen eine Kunststoff-Trinkflasche. In der Bewegung setze ich die Flasche an den Mund, ziehen mit den Zähnen den Verschluss nach oben und bekomme prompt, weil ich die Flasche gedrückt habe, einen Schuss Wasser in die falsche Kehle. An Laufen ist nicht mehr zu denken, ich stehe da und huste mir die Seele aus dem Leib.

"Du solltest unbedingt probieren, wie Du mit dem Trinken beim Marathon klarkommst, und wie Dein Magen auf Essen während des Laufens reagiert." Der Tipp vom Hildener Leichtathletik-Bundestrainer Tobias Kofferschläger, der mich beim Training berät, erweist sich schnell als sinnvoll. 20 Kilometer könne ich bei vernünftiger Ernährung im Vorfeld problemlos laufen, ohne etwas zu trinken. Doch beim Laufen über drei oder vier Stunden sehe das schon ganz anders aus. Ab Kilometer zehn, so rät mir Kofferschläger, sollte ich beginnen, etwas zu trinken. "Besser mehrmals kleine Schlücke, als auf einmal große Mengen."

Weiter laufen oder stehen bleiben? Die Erfahrung muss entscheiden

Ob ich beim Trinken an der Verpflegungsstation lieber stehen bleibe oder mit dem Becher weiter laufe, müsse die Erfahrung bringen, betont Kofferschläger, der zu dem Thema seine Erfahrung plausibel zusammenfasst: "Umso schneller man läuft, umso besser ist es eigentlich, weiter zu laufen. Man muss aber natürlich auch etwas in den Mund bekommen."

Test zwei: Auf dem Mäuerchen steht - ähnlich wie bei einer Verpflegungsstation beim Wettkampf - ein Becher mit dem lauwarmen Wasser. Schon beim Heranlaufen bemühe ich mich, ruhig zu atmen. Ein Griff, ein erster vorsichtiger Schluck - und schon ist die Trainingsjacke nass. Aber immerhin schaffe ich es, unfallfrei einige kleine Schlücke zu trinken.

Der Körper kann nur einen Liter pro Stunde aufnehmen

Wie viel ein Läufer trinken sollte, werde, wie mir der Profi-Trainer Tobias Kofferschläger erklärt, eigentlich durch den Körper selbst geregelt. Denn der sei nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in der lage, maximal einen Liter pro Stunde aufzunehmen. "Alles was Du mehr trinkst, bringt nicht nur nichts, sondern schwemmt sogar noch Mineralien aus." Beim von mir angepeilten Wettkampf in Königsforst solle es alle fünf Kilometer eine Station geben. Sollte ich jedesmal ein paar Schluck trinken können, werde ich kaum auf einen Liter pro Stunde kommen.

Aber was soll ich überhaupt trinken? Kofferschläger rät mir zu einfachem Mineralwasser ohne Kohlensäure - "nicht zu kalt, eben magenfreundlich." Auf jeden Fall sollte ich beim Wettkampf nur zu mir nehmen, was ich schon einmal ausprobiert habe, rät mir mein Trainer. "Beim Marathon kannst Du keine Experimente machen. Wenn Dein Magen rebelliert, hast Du ein echtes Problem." Beim Essen rät er mir zu kleinen Stücken Banane, die meist auch bei Wettkämpfen gereicht würden.

Gut gekaute Banane nimmt der Magen klaglos an

Test drei: Ich habe fast 20 Kilometer hinter mir. Jetzt kommt der Moment, auf den ich mich erstmals vorbereitet habe: Ich greif in die Tasche meiner Laufjacke, finger die Banane heraus und bekomme sie im Laufen problemlos auf. Dann droht mir die glitschige Frucht allerdings durch die Finger zu flutschen. Ich beiße winzige Stücke ab, die mich nicht aus dem Atemrhythmus bringen, und bemühe mich sie möglichst ordentlich zu zerkauen. Auf den nächsten Kilometern hat mein Bauch meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Aber er bleibt ruhig und rebelliert kein bisschen. Jetzt könnte ich einen Schluck Wasser brauchen.

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