Landwirt Andreas Kohnen aus Ratingen baut schnell wachsende Platanen an, die zu Brennstoff verarbeitet werden.

Platanen statt Getreide: Landwirt Andreas Kohnen aus Ratingen baut 6000 Bäume an, die zu Hackschnitzeln fürs Heizen verarbeitet werden.
Platanen statt Getreide: Landwirt Andreas Kohnen aus Ratingen baut 6000 Bäume an, die zu Hackschnitzeln fürs Heizen verarbeitet werden.

Platanen statt Getreide: Landwirt Andreas Kohnen aus Ratingen baut 6000 Bäume an, die zu Hackschnitzeln fürs Heizen verarbeitet werden.

Simone Bahrmann

Platanen statt Getreide: Landwirt Andreas Kohnen aus Ratingen baut 6000 Bäume an, die zu Hackschnitzeln fürs Heizen verarbeitet werden.

Ratingen. Andreas Kohnen steht inmitten endloser Baumreihen. Jeder Stamm, der ihn umgibt, ist gut zehn Zentimeter dick. Ein paar Meter über Kohnen breitet sich ein Dach aus Ästen und Blättern aus.

„Das hier ist kein Wald, das ist eine Ackerfläche“, sagt der 39-jährige Land- und Forstwirt. „Wann wir ernten, ist noch offen. Eigentlich wollte ich die Platanen noch etwas stehenlassen.“

Bäume ernten – das klingt nach einem Versprecher. Aber Andreas Kohnen ist der einzige Betreiber einer Kurzumtriebsplantage im Kreis Mettmann. Aus den Platanen, die in Ratingen wachsen, werden Hackschnitzel gefertigt, die als regenerativer Energieträger (zum Beispiel als Heizmaterial) genutzt werden.

„Bei hohen Weizenpreisen tut natürlich jeder Hektar Plantage weh.“

Andreas Kohnen, Land- und Forstwirt

Seit dem Jahr 2000 betreibt Kohnen die Plantage. Angelegt ist sie auf 20 bis 24 Jahre, alle siebenbis acht Jahre will er ernten. Zwischen Ratingen und Mettmann hat er drei Hektar Ackerfläche „umgewidmet“, auf der rund 6000 Bäume stehen.

Mehr lohnt sich bisher nicht. Zwar wird das Heizen mit den Schnitzeln immer beliebter, „aber der finanzielle Ertrag ist noch nicht hoch genug, um weiteres Ackerland in Forst zu verwandeln“, sagt Kohnen.

Ratingen dient als Testfläche für ein Großprojekt im Taunus

Auf Kurzumtriebsplantagen werden regenerative Energieträger erzeugt. Mit einem Hektar Plantage können laut Bioenergiemanager Dirk Valentin bis zu zwölf Tonnen Hackschnitzel produziert werden. Das entspricht rund 10 000 Litern Heizöl und reicht aus, um ein Einfamilienhaus von 100 Quadratmetern Größe drei Jahre lang zu beheizen. Der Preis für die Schnitzel variiert je nach Qualität – wichtig sind Trockenheitsgrad und Größe.

Momentan gibt es im Kreis Mettmann nur die drei Hektar große Plantage von Landwirt Andreas Kohnen in Ratingen.

Zentraler Hinderungsgrund für viele Landwirte ist, dass sie beim Kurzumtrieb über mindestens zwei bis vier Jahre kalkulieren müssen, bis Erträge fließen. Deshalb versucht Valentin, Firmen zu gewinnen, die die Hackschnitzel auf Abschlag einkaufen.

Deshalb ist seine Plantage in Ratingen für Andreas Kohnen eine Testfläche. Im Taunus möchte er groß einsteigen – mit 80 bis 100 Hektar. Dort sei die Pacht günstiger, die nötigen Flächen vorhanden und das Material hochwertiger.

Kohnen: „Erst wenn mehr Menschen im Umland auf die Heizalternative umsteigen, ist es sinnvoll, auch in Nordrhein-Westfalen größer in den Anbau von Kurzumtriebsplantagen zu investieren. Ansonsten fallen zu hohe Transportkosten an.“

Anreiz, Bäume anzubauen, ist von den Getreidepreisen abhängig

Der Anreiz für Landwirte, auf den Anbau von Bäumen umzusteigen, sei auch von den Getreidepreisen abhängig. „Bei hohen Weizenpreisen tut natürlich jeder Hektar Plantage weh“, sagt Kohnen, der außerdem Rüben, Mais oder Raps anpflanzt. Dennoch sieht er im Holz die Zukunft der Energiegewinnung. Gerade bei größeren Bauprojekten empfiehlt er die Schnitzelheizung.

Dirk Valentin ist jemand, der diese Zukunft mitgestalten möchte. Er ist seit Anfang 2010 Bioenergiemanager des Kreises. „Kurzumtriebsplantagen sind ein nachhaltiger Rohstoff der kurzen Wege“, sagt Valentin – zuletzt vor Gästen im Mettmanner Kreishaus.

Fachleute aus der Energiewirtschaft, Landwirte und Abgeordnete der Städte hörten Vorschläge und Erfahrungsberichte – auch von Abgesandten der Holzenergiefirma Gesa, die mit einem Wuppertaler Hof vertraglich zusammenarbeitet.

Valentin weiß um die Schwierigkeit, Landwirten den Holzanbau schmackhaft zu machen. „Die Plantagen sind eine neue Situation für die Landwirte. Es ist keine jährliche Felderwirtschaft, sondern zieht sich über mehrere Jahre. Das ist den meisten Landwirten noch suspekt.“ Abhilfe sollen Firmen wie Gesa schaffen, die die Schnitzel in Abschlagszahlungen aufkaufen, so dass die Landwirte eine jährliche Einnahme haben.

Valentin bemängelt, dass von den Städten bisher keine große Resonanz kommt. Die Kreisverwaltung könne allerdings nichts tun, außer zu informieren. Eigene Gelände bewirtschaften zu lassen, sei nicht vorgesehen.

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