Achtklässer können in Lehrwerkstätten ihre Affinität zu Handwerksberufen erproben.

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Bauen ein Brettspiel (v.l.): Lucas Fischer, Kai Briede, Bernd Kranz, Carolin Schleipers, Yahaira Gonzales, Edona Berisha.

Bauen ein Brettspiel (v.l.): Lucas Fischer, Kai Briede, Bernd Kranz, Carolin Schleipers, Yahaira Gonzales, Edona Berisha.

Simone Bahrmann

Bauen ein Brettspiel (v.l.): Lucas Fischer, Kai Briede, Bernd Kranz, Carolin Schleipers, Yahaira Gonzales, Edona Berisha.

Kreis Mettmann. "Ich gehe gerne in die Schule, aber das hier ist schon besser", sagt Edona Berisha, während sie mit ihren Mitschülern Nägel in runde, kleine Holz-Stifte schlägt, um sie gleich besser lackieren zu können.

Die Gruppe stellt gerade die Figuren für ein selbstgemachtes Spielbrett her - Mensch-ärgere-dich-nicht und Schach. Spielerisch lernen die Achtklässler der Anne-Frank-Schule dabei etwas über den Umgang mit Werkzeug und Material, aber auch über Berufsbilder im Handwerk und die Arbeitswelt allgemein.

"Startklar" ist ein Projekt der Kreishandwerkerschaft in Kooperation mit vier Hauptschulen im Kreis Mettmann, das der Berufsorientierung dient. Das Konzept: Aus vier Bereichen - Holz, Metall, Farbe oder Friseurhandwerk - dürfen sich alle Achtklässler drei auswählen, in die sie jeweils drei Tage in den Lehrwerkstätten der Kreishandwerkerschaft hineinschnuppern.

Edona Berisha hat sich für Holz, Metall und die Friseur-Einheit entschieden. "Friseur hat mir am besten gefallen", verrät sie und zeigt stolz die Verlängerungen, die sie an ihre Haare angebracht hat: "Aber ich freue mich auch schon auf den Spiegel, den ich in Metall machen werde".

"Nur das frühe Aufstehen ist nicht so schön", sagt Kai Briede. Ihm gefallen die Einblicke in die angebotenen Berufe, trotzdem möchte er später in die Richtung Heizung-Sanitär gehen und dort auch das bald anstehende Schulpraktikum machen. Edona weiß schon, dass sie gerne Arzthelferin werden möchte. "Doch wenn das nicht klappt, kann ich mir auch Friseur vorstellen", sagt sie.

Die Profis sehen beim Nachwuchs gutes Potenzial

Nicht nur die Schüler sind von der Aktion begeistert. Handwerker aus Mettmann schauen den Jugendlichen beim Werkeln zu und sind zufrieden. "An einem Tag lässt sich das Talent zwar nicht feststellen", sagt Bernd Kranz, Inhaber eines Heizung-Sanitär-Betriebs. Er sehe bei den Schülern aber ein gutes Potenzial.

Auch Tischlermeister Carsten Hinnenthal, der die Schüler in der Holzwerkstatt anleitet, sieht das Projekt positiv. Nur das Alter der Achtklässler sei manchmal problematisch: "Ab 14 Uhr ist einfach die Konzentration weg", stellt er fest.

Am Ende der zwei Wochen wird in einem Test noch allgemeines Schulwissen abgefragt. Die Ergebnisse fallen laut Hinnenthal erfahrungsgemäß sehr unterschiedlich aus. Doch das Zertifikat, welches die Achtklässler über diese Praxiszeit erhalten, macht sich in der Bewerbung gut. Denn noch immer hätten es Hauptschüler oft schwerer, einen Ausbildungsplatz zu erhalten.

"Dabei sind Hauptschüler nicht dumm", gibt Martin Preuß, ebenfalls Inhaber eines Heizungs- und Sanitär-Betriebs, zu bedenken. Er selbst stellt Hauptschüler ein und hat festgestellt, dass vermeintlich schlechte Schüler durch Herausforderungen und Motivation aufblühen können. Trotzdem betont er: "Ein Abschluss ist notwendig."

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