CDU-Bürgermeister-Kandidat Thomas Görtz zieht zur Schuldentilgung den Verkauf der Stadtwerke in Erwägung.

Wülfrath. Im vierten Teil der WZ-Sommergespräche bekräftigt CDU-Bürgermeister-Kandidat Thomas Görtz die Notwendigkeit der Sanierung der Stadtfinanzen und erneuert die Kritik an Amtsinhaberin Barbara Lorenz-Allendorff.

Das haben Sie sich bestimmt anders vorgestellt: Die FDP unterstützt die Bürgermeister-Kandidatin der Wülfrather Gruppe, Claudia Panke.

Görtz: Nach den Ankündigungen der FDP überrascht mich das jetzt nicht mehr. Richtig ist aber, dass ich es mir anders gewünscht hätte. Das darf aber nicht überbewertet werden.

Wussten Sie, dass nach den vergangenen fünf Kommunalwahlen immer der von der CDU nominierte oder unterstützte Kandidat gewonnen hat?.

Görtz: Gratulieren darf man mir am 30. August, wenn die letzte Stimme ausgezählt ist. Ich bin zuversichtlich, ja. Aber nicht euphorisch. Sekt stelle ich noch nicht kalt.

Seit mehr als einem Jahr sind Sie schon der CDU-Kandidat - ein Marathon. Geht da nicht mal die Puste aus?

Görtz: Die Luft ist da. Auch wenn es nicht immer rund gelaufen ist, weil ein anderer Wahltermin Grundlage unserer Planungen war. Wir haben uns neu sortiert. Jetzt beginnt der Wahlkampf richtig.

Mit ihrem Aktionsmobil sind Sie inzwischen unübersehbar. Aber die Plakate mit dem scherenschnittartigen Schattenmann - finden Sie die originell?

Görtz: Wir wollen einen Mehr-Phasenwahlkampf und einmal anders Interesse erwecken. Vom Plakat nur lächeln - das kann jeder.

Die amtierende Bürgermeisterin, aber auch die CDU-Fraktionsvorsitzende haben Sie einmal als "Kandidaten von außerhalb" bezeichnet. Das hat Ihnen wohl kaum gefallen?

Görtz: Es hat schon irritiert. Aber es hat ja auch was Wahres: Ich bin nicht aus dem Wülfrather Establishment. Mit etwas Abstand kann ich Probleme etwas schärfer sehen.

Als Problem heben Sie immer wieder die Finanzen der Stadt heraus. Schuldensack, Einsparungszwang: Ist das nicht zu monothematisch?

Görtz: Ich inhaltlich viel breiter aufgestellt. Das kann jeder auf meiner Homepage nachlesen. Aber das Geld ist nunmal Dreh-und Angelpunkt. Die Schulden sind nicht nur ein Klotz am Bein. Die Schuldenlast schnürt uns den Hals zu.

Das ist nicht neu. Wie wollen Sie die Haushaltsituation verbessern?

Görtz: Der Etat ist ja eigentlich ausgeglichen. Die Schuldzinsen von drei Millionen Euro machen das Defizit aus. Allein das Konto ist mit 35 Millionen Euro überzogen. Dieser Dispo belastet Wülfrath mit zwei Millionen. Da muss man dran.

Und wie? Etwa das Hallenbad schließen?

Görtz: Auf keinen Fall. Mit der Schließung von Hallenbad oder Zeittunnel kann das Loch nicht gestopft werden. Wülfrath braucht einen echten Befreiungsschlag.

Und der wäre?

Görtz: Die städtischen Töchter könnten zum Beispiel mehr leisten.

Das ist zu theoretisch. Ein bisschen konkreter, bitte.

Görtz: Es darf kein Tabu sein. Über den Verkauf der Stadtwerke muss man doch sprechen dürfen. Aber auch ein Partner wäre denkbar. Ganz ehrlich: Eine Stadt von 20000Einwohnern geht nicht unter, wenn man einen Teil der Stadtwerke veräußert.

Sie haben außerdem mehr interkommunale Zusammenarbeit gefordert. Welche Bereiche sehen Sie?

Görtz: Die Aufwändungen für das Jugendamt sind eine große Belastung. Wülfrath ist klein und hat immense Probleme, Heiligenhaus ist klein und hat immense Probleme. Warum sollen die Städte sich nicht ein Jugendamt teilen? Darüber muss man offen sprechen und als Bürgermeister auf die Amtskollegen zugehen. Daran hapert es ja in Wülfrath.

Im Gegensatz zu den anderen Herausforderern der Bürgermeisterin haben Sie Frau Lorenz-Allenddorff oft direkt attackiert. So etwas kommt nicht immer gut an.

Görtz: Klar. Zu allererst will ich sicher auch meine Positionen und meine Person präsentieren. Es muss aber auch möglich sein, die Defizite der Amtsinhaberin aufzuzeigen. Wenn ich jetzt auf ihren Plakaten lese: "Bewährtes wählen", muss ich den Kopf schütteln. Sie hat keine Erfolgsbilanz. Sie hat kein Programm, keine Vision. Keine der Parteien aus dem Rat will sie unterstützen. Bewährt sieht anders aus.

Wie wollen Sie denn das Klima im Rat verbessern?

Görtz: Ich bin der einzige Kandidat, der beides hat: Verwaltungs- und Politikerfahrung. Ich spreche die Sprache der Verwaltung und der Politik. Der Bürgermeister ist für beide Seiten auch Dolmetscher. Für mich gilt: Wer Veränderung will, muss Veränderung auch anpacken. Bei dieser Entwicklung will ich den Rat und die Bürger mitnehmen.

Thomas Görtz (38) wurde ins Heinsberg geboren und lebt heute mit Ehefrau und Sohn in Ratingen.
Der Diplom-Verwaltungswirt ist seit Januar 2004 bei der Gemeindeprüfungsanstalt NRW beschäftigt.

Als 17-Jähriger ist er erst in die Junge Union und ein Jahr später in die CDU eingetreten.
In Ratingen ist er im Vorstand des Stadtverbandes.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer