Beim „Tag der offenen Moschee“ kamen viele mit Fragen und gingen mit Antworten.

Kreis Mettmann. "Wir hätten nicht gedacht, dass es so offen zugeht. Die Moschee ist ein Gemeinschaftsraum", sagen André Ventker und Matthias Koehler. Die beiden Haaner sind am "Tag der offenen Moschee" zu Besuch in der Emir-Sultan-Moschee in Hilden.

Sie haben ihre Söhne mitgebracht in das helle und bunt geflieste Gotteshaus und staunen darüber, dass es nicht so streng zugeht wie angenommen - nebenan sitzen Kinder auf dem orientalischen Teppich und spielen Karten.

"Gerade im Moment ist Integration ein großes Thema, da waren wir neugierig und wollten uns selbst ein Bild machen", sagt Ventker.

Sich vorstellen, Vorurteile abbauen, den Dialog fördern

Die Kommunikation zwischen den Kulturen ist der wichtigste Teil des "Tags der offenen Moschee", den der Koordinationsrat der Muslime deutschlandweit seit 14 Jahren veranstaltet. In Hilden werden seit Fertigstellung der Moschee im Jahr 2001 an jedem 3. Oktober Gäste empfangen.

"Unsere Gemeinde will sich vorstellen, Vorurteile abbauen und den Dialog fördern", sagt Erhan Akyol, der Vorsitzende der Ditib Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Hilden.

Seit 14 Jahren können Gäste am 3. Oktober Moscheen in Deutschland besuchen.

Neben Hilden und Wülfrath nahmen auch die Moscheen in Velbert und Ratingen teil.

In diesem Jahr lief der Tag unter dem Thema "Der Koran - 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben" ab. Damit ist das 1400. Jahr nach der Offenbarung gemeint.

Im Dialog sind derweil Rosemarie Prieß-Brune und Emel Kücüksüglü in einem hinteren Raum der Moschee. Sie tauschen sich aus, über ihren Glauben, den Ablauf von Gottesdiensten und das, was gerade im Nachmittagsgebet passiert.

Unweit von ihnen knien zwanzig Männer auf dem Boden, Imam Mustafa Asan spricht Koranverse. Für die Gäste wird ein Auszug aus dem heiligen Buch ins Deutsche übersetzt.

"Meine Tochter wohnt um die Ecke, da habe ich gedacht, ich schaue mal, wie es in der Moschee so ist", flüstert Rosemarie Prieß-Brune. Für sie als Christin ist es anders, aber interessant: "Besonders, wie ernst der Glaube hier genommen wird."

Ihre Gesprächspartnerin Emel Kücüksüglü redet sehr viel mit den Besuchern. Die 41-jährige Hildenerin ist im Verein für die Vermittlung zuständig.

"Wir in Deutschland stehen erst am Anfang und müssen noch sehr viel miteinander arbeiten, bis die Integration besser klappt", sagt sie. Tage wie der Sonntag helfen dabei. "Die Gäste kommen mit Fragezeichen und gehen mit Antworten nach Hause", sagt Erhan Akyol.

7000 Gäste besuchen die Wülfrather Moschee im Jahr

In der Fatih-Moschee in Wülfrath sind bereits am Nachmittag die letzten Gäste gegangen. Ungefähr 50 Besucher waren dort, sie haben sich vor allem über Gesprächskreise im Gebetsraum angenähert.

Hayrettin Kahraman, der Vorsitzende des Ditib Islamischen Vereins Wülfrath, und sein Vorbeter Tahsin Sulak sind zufrieden. "Wir haben 7000 Gäste im Jahr, drei Mal in der Woche besuchen uns die verschiedensten Gruppen", sagt Kahraman.

Integration und Kommunikation findet bei ihnen jeden Tag statt. Neulich erst war Kahraman bei einer Sitzung mit Funktionären aus dem ganzen Kreisgebiet. Demnächst sollen auch die Schulleiter dazu eingeladen werden.

Das Thema Sarrazin war beim Tag der offenen Moschee in Wülfrath überhaupt keins. "Die normalen Bürger sind da manchmal viel weiter als die, die in der Öffentlichkeit stehen", sagt Kahraman, und fügt hinzu: "Die Wülfrather wissen schon, dass wir doch ein Teil der Gesellschaft sind."

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