Die Tanzformation des TuS 96 Hilden zeigte in Polen bei der Weltmeisterschaft eine starke Leistung. Das intransparente Wertungssystem verärgerte das Team.

Die Tanzformation des TuS 96 Hilden zeigte in Polen bei der Weltmeisterschaft eine starke Leistung. Das intransparente Wertungssystem verärgerte das Team.
Die Jazzies des TuS Hilden und ihre Trainerin Maren Klever (r.) genossen ihren WM-Auftritt, auch wenn er nicht fürs Halbfinale reichte.

Die Jazzies des TuS Hilden und ihre Trainerin Maren Klever (r.) genossen ihren WM-Auftritt, auch wenn er nicht fürs Halbfinale reichte.

TuS Hilden

Die Jazzies des TuS Hilden und ihre Trainerin Maren Klever (r.) genossen ihren WM-Auftritt, auch wenn er nicht fürs Halbfinale reichte.

Rawa Mazowiecka/Hilden. Dienstagvormittag in der Nähe von Warschau. Normalerweise würden die zehn- bis elfjährigen Kinder jetzt in einer Hildener Schule sitzen und sich auf den Unterricht konzentrieren. Für die Weltmeisterschaft im Jazz and Modern Dance wurden die Deutschen Meisterinnen aber freigestellt und fokussieren sich nun mitten im Chaos der Aufwärmzone auf ihren großen Auftritt. Gleich müssen sie raus auf die WM-Hauptbühne A im gigantischen Kongress-Zentrum Ossa in Rawa Mazowiecka, etwa 80 Kilometer von Warschau entfernt. Hinter den Kulissen ist es extrem wuselig und leicht chaotisch. Überall auf den Gängen und in den Sälen liegen Jacken, Taschen und Schuhe. Ständig laufen Kinder und Jugendliche in Trainingsanzügen durcheinander, Trainer aus 30 Nationen rufen ihre Kommandos. Es hat etwas von Olympischen Spielen.

Mit dem Betreten der Bühne ist alle Nervosität plötzlich verschwunden

Den acht jungen Damen aus Hilden ist die Aufregung zunächst genauso anzumerken wie der Trainerin Maren Klever und den mitgereisten Eltern, die bereits auf der Tribüne Platz genommen haben. Als die Kinder dann aber endlich auf die schwarze Bühne dürfen, ist alle Nervosität plötzlich verschwunden. Sie halten dem Druck stand und laufen, springen, tanzen genauso, wie sich das alle erhofft hatten. All das harte Training der vergangenen Wochen scheint sich gelohnt zu haben. Ihre Choreographie, mit der sie im Mai in Saarlouis Deutscher Meister wurden, dauert genau 3:20 Minuten – danach hüpfen die Kinder überglücklich und außer Atem von der Bühne.

„Als die Kinder von der Fläche kamen, sind wir uns alle in die Arme gefallen und haben vor Freude und Anstrengung geweint, weil das Gefühl auf und neben der WM-Bühne einfach so unglaublich ist“, sagt Maren Klever später. Die erst 26jährige Trainerin ist bereits zum zweiten Mal in Folge mit einem Team des TuS bei einer WM und weiß um die starke Konkurrenz aus Polen, Moldawien, Ukraine, Weißrussland, Russland, Serbien, Tschechei oder Kanada: „Wir haben Deutschland super vertreten. Wir haben der Welt gezeigt, dass Deutschland Power-Tanzen kann. Heute haben sie sich für die harte Arbeit des ganzen Jahres belohnt. Ich bin super stolz auf meine Mädchen.“

Auch die Kinder waren überglücklich über ihren Auftritt. Marielle Müller erklärte: „Das war richtig cool. Die Bühne, die vielen Lichter, der große Applaus. Das hat uns super gut getan.“ Und Lotte Timmer ergänzte: „Hier einmal zu tanzen war härter als zwei ganze Trainingseinheiten. Es hat aber totalen Spaß gemacht.“

Auch auf der Tribüne schauen sich glückliche Eltern an und freuen sich auf das Halbfinale, das sicher erreicht zu sein scheint. „Ich habe gefühlt 200 Sekunden die Luft angehalten. Danach ist mir der Hildener Jaberg vom Herzen gefallen. Selbst wir Papas waren den Tränen nahe“, bringt Vater Frank Lehmann die Stimmung auf den Punkt.

Sieben Wertungsrichter geben im Geheimen ihr Urteil ab

Jetzt heißt es warten, bis die letzte Formation getanzt, die sieben Wertungsrichter im Geheimen ihre Wertung abgeben und das Ergebnis errechnet ist. Wie nach einer Uni-Klausur warten alle Trainer und Tänzer hinter den Kulissen darauf, dass in einem langen Gang der Ergebniszettel ans Schwarze Brett geklebt wird. Dann der Schock und die große Enttäuschung: Platz 16. Ausgeschieden. Bereits in der ersten Runde. Und die anderen beiden deutschen Teams stehen im Halbfinale. Überall bei den Jazzies fließen Tränen. Maren Klever und alle anderen Hildener verstehen die Welt nicht mehr: „Es ist ein unberechenbares, nicht transparentes und zuweilen grausames Wertungssystem. Es ist doch unglaublich, dass Platz drei und vier der Deutschen Meisterschaften ins Halbfinale kommen und wir als Deutscher Meister bereits im Viertelfinale ausscheiden. Nach dieser Leistung ist es absolut unfair und traurig.“ Die Trainerin wünscht sich auch mehr Unterstützung vom Deutschen Verband: „Vielleicht muss das deutsche Wertungssystem verändert werden oder wir Trainer vom Verband anders auf große Turniere vorbereitet und gefördert werden. In Deutschland hätten wir heute jede Mannschaft geschlagen.“

Nach der ersten großen Trauer kehrte dann aber schnell wieder das Glücksgefühl zurück, zu den besten Tanz-Teams der Welt zu gehören. „Wir sind super stolz auf unsere Kinder. Es ist doch unfassbar, dass sie so etwas Tolles erleben können. Das stärkt die Kinder für ihr ganzes Leben“, betont Mutter Sibylle Görgen.

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