Nordic Walker werden immer noch von vielen Läufern belächelt. Zu Unrecht, wie ihre Leistungen bei der Winterlaufserie der Hildener AT belegen.

Nordic Walker werden immer noch von vielen Läufern belächelt. Zu Unrecht, wie ihre Leistungen bei der Winterlaufserie der Hildener AT belegen.
Thadeusz Janasik (l.) ist einer der schnellsten Walker im Feld, Wolfgang Liefering der älteste Aktive.

Thadeusz Janasik (l.) ist einer der schnellsten Walker im Feld, Wolfgang Liefering der älteste Aktive.

Staschik

Thadeusz Janasik (l.) ist einer der schnellsten Walker im Feld, Wolfgang Liefering der älteste Aktive.

Hilden. „Spaziergänger“ oder „Stöckchensportler“ sind noch die harmloseren Bezeichnungen. Das war schon immer so. Walker schnaufen einmal tief durch und tragen ihr Schicksal anschließend mit stoischer Gelassenheit. Sie sind die Underdogs, denen „echte“ Läufer im Vorüberfliegen nur selten mehr Aufmerksamkeit widmen als nötig. Dabei könnten sie denen, die da hoch erhobenen Hauptes von hinten heranfliegen und sich mit einem geknurrten „Achtung“ Platz verschaffen, locker eines zurufen: „Unsere Knie halten länger durch als Eure!“ Gehen ist bei weitem gelenkschonender als Laufen.

Ausgleich für die Hauptsportart Taek-Wan-Do

Doch Walker sind zumeist keine aggressiven Menschen, also ertragen sie den Spott stumm. Tadeusz Janasik (55) kennt beide Welten. Er walkt und läuft Halbmarathons, beides als Ausdauertraining für seinen Hauptsport Taek-Wan-Do: „Einen besseren Ausgleich und mehr Entspannung im Wald gibt es einfach nicht.“ Bei der zweiten Ausgabe der Winterlaufserie der Hildener AT war er als Nordic Walker über die Zehn-Kilometer-Distanz in 1:06:01,7 Stunden schneller als viele Läufer im unwirtlichen Gelände.

Es nieselte. Die Temperatur pendelte bei fünf bis sechs Grad. Mit jeder Minute verwandelte sich der Startbereich in ein morastigeres Geläuf. „Matsch fun“ sagte jemand Scherzes halber im Vorübergehen. Die 24 Walkerinnen und Walker vor der ersten Zeitmess-Transpondermatte waren dennoch gut drauf, tänzelten zur lauten Musik. Und schwatzten fröhlich miteinander. „Mir macht das Wetter nichts aus. Denn ich bin gerne draußen“, sagt Wolfgang Liefering, der zu Hause einen Jungbrunnen versteckt hat.

Wer in den akribisch geführten Teilnehmerlisten nachschaut, findet hinter dem Namen des scheinbaren Mittfünfzigers die Altersklasse „M 80“ – und das ist kein Druckfehler. Der Nordic Walker der Hildener AT ist der ältestes Teilnehmer der Winterlaufserie. Und beendete die zehn Kilometer durch den nasskalten Schmuddelwald innerhalb von 1:24:35,4 Stunden netto als 13. von 24 Startern.

Obwohl diese Betrachtungsweise seit dem vergangenen Jahr eigentlich verboten ist. „Wir haben bei den Walkern die Einzelwertung nach ersten, zweiten und dritten Plätzen abgeschafft“, sagt Wolfgang Döpper, 2. Vorsitzender der HAT und gleichzeitig „Race Director“ – also Gesamtverantwortlicher fürs Schnaufen und Laufen im Winter. Der Grund dafür war ein Protest. Ein Walker machte geltend, dass der Erstplatzierte nur deshalb ganz oben auf dem Treppchen stand, weil er kurze Zwischensprints gelaufen war.

„Ich kann nicht jedem Walker einen Aufpasser mitgeben“, sagt Race Director Döpper. Der müsste kontrollieren, ob immer ein Fuß am Boden ist. Also wurde das Leistungsranking abgeschafft. Dabeisein ist alles – für drei Walks über fünf und zwei mal zehn Kilometer bei der HAT-Winterlaufserie gibt es eine Urkunde. „Außerdem gibt es auch bei den Walkern eine Ergebnisliste mit den persönlichen Zeiten – zur besseren Selbstkontrolle“, erläutert Döpper.

„Das Schöne am Walking ist, dass Sie jederzeit damit beginnen können“, sagt der 80jährige Wolfgang Lenkering. Die Ausrüstung ist billig – bis vielleicht auf die federleichten Carbon-Walking-Stöcke des Herstellers Leki. „Wenn sie richtiges Nordic-Walking betreiben, also die Stöcke nicht bloß hinter sich herziehen, tun sie beim Gehen gleichzeitig etwas für den Oberkörper“, sagt Lenkering.

Das helfe ihm bei den Kanu-Wanderfahrten, sagt er. Völlig unaufgeregt, wie es üblich ist – unter Walkern.

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