Coach Jurek Tomasik wird die DJK Unitas Haan im Sommer wieder verlassen, weil sich die Politik der Gartenstadt in puncto Haftmittel nicht entscheiden kann.

Interview
Der Trainer der Haaner Unitas, Jurek Tomasik (Mitte) , wechselt im Sommer 2017 zum Drittligisten SG Langenfeld.

Der Trainer der Haaner Unitas, Jurek Tomasik (Mitte) , wechselt im Sommer 2017 zum Drittligisten SG Langenfeld.

Olaf Staschik

Der Trainer der Haaner Unitas, Jurek Tomasik (Mitte) , wechselt im Sommer 2017 zum Drittligisten SG Langenfeld.

Haan. Auch nach dieser Saison brauchen die Oberliga-Handballer der Unitas Haan wieder einen neuen Trainer. Denn Jurek Tomasik kündigte früh an, im Sommer nach Langenfeld zu wechseln und spricht im Interview über die Gründe.

Das Engagement bei der Unitas Haan war ursprünglich länger geplant. Weshalb geben Sie das Traineramt bei der ersten Herrenmannschaft schon im Sommer wieder auf?

Jurek Tomasik: Es ist schon richtig, dass es geplant war, etwas aufzubauen und längerfristig zu arbeiten. Aber als ich im Sommer an einer Ratssitzung der Stadt Haan teilgenommen habe, entstand bei mir der Eindruck, dass man uns Handballer – und damit meine ich nicht nur die Unitas, sondern auch den Haaner TV – einfach nicht haben möchte. Dann habe ich angefangen, mir darüber Gedanken zu machen. Und das hängt mit der Benutzung von Harz in der Halle an der Adlerstraße zusammen.

Sie sind es gewohnt, dass Handballer im Training und Spiel Haftmittel nutzen?

Tomasik: Das ist normal und gang und gäbe. Ich habe aber den Eindruck, dass die Stadt die ganze Harz-Geschichte in Haan überhaupt nicht haben will. Das zeigt schon der Umstand, dass es im November plötzlich eine Verwarnung und die Androhung von finanziellen Strafen gab. Dabei trainiert die erste Mannschaft schon gar nicht mehr in der Halle an der Adlerstraße. Wir spielen nur zweimal im Monat dort – und das ist dann für uns kein Heimspiel, sondern fühlt sich wie ein Auswärtsspiel an. Dieser pauschale Vorwurf, die erste Mannschaft habe die Halle verschmutzt, greift nicht, weil das Team gar nicht in der Halle war. Als die Stadt das begriffen hat, war wieder Ruhe.

Es ist also die leidige Haftmittelfrage, die Sie in Haan stört?

Tomasik: Eindeutig ja! Und dabei geht es nicht nur um das Oberliga-Team. Der Traditionsverein DJK Unitas ist 1925 entstanden und hat nach dem Krieg ab 1948 wieder den Handball aufleben lassen. Ich habe selbst zu meiner aktiven Zeit in den 80er und 90er Jahren Haan als Handballhochburg erlebt, die in ganz NRW berühmt und gefürchtet war. Die brechend volle „Hölle“ Adlerstraße mit lautstarken Zuschauern hat mich schon damals sehr beeindruckt. Das Motto seinerzeit: die Jugend als Basis des Vereins. Und das ist immer noch aktuell. Das gilt auch für den Haaner TV. Beide Klubs haben rund 30 Jugendmannschaften. Das sind im Schnitt 14 Kinder pro Team. Wenn man alles zusammenrechnet – Trainer, Eltern, Familienangehörige, Mitglieder – kommt man schnell auf 2500 bis 3000 Leute, die unmittelbar Berührungspunkte mit Handball haben. Für Haan mit circa 30 000 Einwohnern ist diese Zahl nicht unerheblich. Vielleicht will die Stadt deshalb keine klare Antwort auf die Frage geben: Hat Handball in Haan eine Perspektive?

Weshalb ist die Harzfrage auch für die Jugend wichtig?

Tomasik: Im Alter von 15, 16 Jahren fängt der Leistungshandball an. Die B-Junioren von Erwin Reinacher zum Beispiel werden meines Erachtens nächstes Jahr mindestens Nordrheinliga spielen, wo Harz wie in der Bundesliga zum Handball gehört. Sie haben ihr letztes Oberliga-Spiel in Aldekerk zwar gewonnen, kamen aber mit dem Harz nicht klar, weil sie es nicht gewöhnt sind. Man kann den Jugendlichen nicht sagen, macht ein bisschen Larifari – die wollen in dem Alter auch Leistung bringen. Wenn die Verantwortlichen der Stadt das nicht wollen, sollen sie den Kindern und Jugendlichen ins Auge schauen und sagen: Wir wollen euch nicht fördern.

Es fehlt Ihnen an der Bereitschaft der Stadt, Handball zu unterstützen?

Tomasik: Diesen Eindruck habe ich. Auch bei der Frage nach den Kosten der Hallenreinigung. 50 000 Euro – diese Zahl ist einfach so in den Raum gestellt worden. Wenn man es vernünftig durchrechnet oder bei den Nachbargemeinden abguckt – Beispiele sind genügend vorhanden – kommt man vielleicht auf 6000 Euro, eine Summe, die realistischer ist. Ich bin unter der Voraussetzung nach Haan gekommen, dass die Harzfrage geregelt wird. Schon in der vorigen Saison war es für den Verein mit der Flüchtlingswelle schwierig. Jetzt werden der Unitas erneut Steine in den Weg gelegt. Wenn die Halle Adlerstraße für die Handballer wieder zur Festung werden soll, dann müssen sie dort unter spielähnlichen Umständen trainieren können und nicht auf Kreisliga-Niveau. Von der Stadt will sich aber keiner des Themas annehmen und Verantwortung übernehmen, weil er dafür gerade stehen muss.

Hat der Frust über die Hallensituation zu Ihrer Entscheidung geführt?

Tomasik: Ganz klar! Wir versuchen ebenso wie der Haaner TV, das Beste aus den Umständen zu machen. Die Jugend braucht aber eine Perspektive, leistungsorientierten Handball spielen zu können. Für mich war das letztlich ein Zwiespalt, weil ich keine Kompromissbereitschaft gesehen habe. Als Jugendlicher habe ich gelernt: Wo ein Wille ist, gibt es einen Weg. In Haan ist das anders. Dabei ist die Stadtverwaltung für die Bürger da und nicht umgekehrt. Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass Verein und Stadt endlich in beiderseitigem Einvernehmen eine Lösung finden und wir Aktiven uns auf das Wesentliche, den Sport, konzentrieren können.

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