Das Langenfelder Team braucht einen Kraftakt. Denn der Drittliga-Aufsteiger muss beim Zweiten Hagen antreten.

Langenfeld. Nichts ist ziemlich wenig. Und für den Fall, dass sich die Dinge halbwegs normal entwickeln, werden die Drittliga-Handballer der SG Langenfeld (SGL) sogar noch weniger als nichts zu bestellen haben. Der Vorletzte, der mit 11:31 Zählern im Abstiegskampf steckt, tritt schließlich heute Abend (20 Uhr) beim Zweiten VfL Eintracht Hagen an (37:5 Punkte), der am liebsten noch den Ersten Neusser HV (41:1) abfangen will. Mindestens geht es für den VfL darum, Rang zwei zu halten, der über einen Umweg (Relegation) zum Aufstieg in die 2. Liga führen könnte. Auf Langenfeld wartet wieder eine Reise in eine andere sportliche Welt – wie vor ein paar Monaten, als es in der Hinrunde ein 23:30 gab. Selbst der höchste Einsatz konnte damals das klare Ergebnis nicht verhindern.

Die SGL plagen personelle Probleme, die zuerst die rechte Angriffs-Seite betreffen. Max Adams hatte gehofft, seinen Bänderriss auskuriert zu haben – was sich als Irrtum erwies. Außerdem fällt der erkrankte Alexander Klimke aus. Folge: Für die Position des Rechtsaußens steht kein Linkshänder zur Verfügung. Also wird einer der Kollegen von links aushelfen müssen. Vinzenz Preissegger hat da Erfahrung, auch Philipp Wolter traut Trainer Dennis Werkmeister den Seitenwechsel zu. Andere Möglichkeit: Henrik Heider, der einzige im Rückraum tätige Linkshänder, weicht phasenweise nach ganz außen aus. „Wir müssen kreativ sein“, sagt Werkmeister, dessen Mannschaft es nun in direkter Folge mit dem Zweiten Hagen, dem Ersten Neuss (11. März) und dem Dritten Longericher SC (18. März) zu tun bekommt.

Mit Heider als Rechtsaußen müsste ein anderer Spieler auf halbrechts rücken. Regisseur André Eich kann diesen Part übernehmen, fehlt dann allerdings in der Mitte. Dort wäre üblicherweise das Einsatzgebiet von André Boelken, doch Langenfelds zweiter Spielmacher befindet sich im Urlaub (USA).

Und die im Raum stehende Idee, angeschlagene Kräfte für die entscheidenden Spiele im Abstiegskampf zu schonen, ist aufgrund der engen Lage vom Tisch. An Bord ist auf jeden Fall Rückraumspieler Tim Menzlaff, der mit 111 Feldtoren der beste Werfer der Mannschaft ist. Teamkollege Eich liegt in der Gesamtwertung um zwei Treffer besser (113), hat jedoch in seiner Statistik 57 Siebenmeter-Tore stehen.

Vor einem Monat verlor die SGL die im Abstiegskampf wichtige Partie bei der Ahlener SG mit 25:32. Menzlaff wirkte an einem gebrauchten Tag wie ein Schatten seiner selbst – mutlos, kraftlos. Folge: Er erzielte keinen Treffer.

Das hatte unter anderem mit Schulterproblemen zu tun, die eine Pause in einer wohl kaum zu gewinnenden Partie sinnvoll erscheinen ließen. „Es ist besser geworden“, erklärt der 30-Jährige, „ich denke, ich werde spielen.“ Obwohl Menzlaff die Favoritenrolle ebenfalls beim VfL sieht, nimmt er sich und die Mitspieler in die Pflicht: „Natürlich wird das nicht einfach. Aber wir können uns trotzdem wehren. Wir dürfen nicht resignieren.“

„Wir müssen clever spielen, wir dürfen Hagens Tempospiel nicht mitmachen.“

Dennis Werkmeister, Trainer der SG Langenfeld

Tim Menzlaff ist neben Torhüter Tobias Geske der zweite SGL-Handballer, der sich mit Hagen und Spielen beim VfL an einem Freitagabend auskennt. Kein Wunder: Menzlaff und Geske waren bereits früher in der 3. Liga unterwegs – beim TuS Wermelskirchen (Geske) und beim Leichlinger TV (Menzlaff). Die Erinnerung an die früheren Duelle mit der Eintracht sind dabei nicht schlecht. In der Saison 2011/2012 gewann Wermelskirchen zu Hause mit 31:22 und in Hagen mit 34:28. Geske weiß es genau: „Im Rückspiel war ich verletzt.“ Eine Knieverletzung zwang ihn damals zu einer Pause und nach der Saison wechselte der Keeper zum damaligen Oberligisten SGL.

Beachtlich ist auch die Bilanz von Tim Menzlaff gegen Hagen. In der Saison 2013/2014 gewann Leichlingen nicht zuletzt dank der sieben Menzlaff-Tore mit 30:29 in Hagen und in der Rückrunde folgte eine 22:29-Pleite, bei der der jetzige Langenfelder viermal erfolgreich war. Ein Jahr darauf gab es 2014/2015 ein 27:27 und ein 35:38 – mit einem Tim Menzlaff, der mittlerweile überwiegend in der Deckung zum Einsatz kam. Die Termine an einem Freitagabend sah der 30-Jährige nie als Problem: „Das finde ich im Prinzip gar nicht so schlecht.“

Trainer Werkmeister verlangt von seiner Mannschaft Disziplin und Leidenschaft. „Wir müssen den gleichen Elan wie zuletzt gegen Dormagen zeigen. Und wir müssen clever spielen, wir dürfen Hagens Tempospiel nicht mitmachen. Sonst kriegen wir den Arsch voll.“ Dass die Hausherren die SGL unterschätzen, ist nicht zu erwarten. Der neue Trainer Niels Pfannenschmidt rief sein Team selbst über die Karnevalstage zu intensiven Einheiten zusammen. Pfannenschmidt hat Respekt vor der SGL: „Sie werden um jeden noch zu vergebenden Punkt kämpfen, alles investieren und versuchen, die Überraschung zu schaffen.“

Das sieht Langenfeld genauso. Ein Vorteil: Es gibt null Druck. Für den Fall, dass sich die Dinge halbwegs normal entwickeln, wird die SGL trotzdem nichts zu bestellen haben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer