Der Handball-Drittligist will wachsen, sieht dazu aber keine Möglichkeiten mehr. Die Landeshauptstadt lockt mit Unterstützung.

Bastian Schlierkamp steht vor dem Mannschaftsbild des Handball-Drittligisten SG Ratingen. Derzeit stellt sich die Frage, wie lange der Verein noch in der Dumeklemmerstadt bleiben wird. Der Klub schließt einen Umzug nach Düsseldorf nicht aus.
Bastian Schlierkamp steht vor dem Mannschaftsbild des Handball-Drittligisten SG Ratingen. Derzeit stellt sich die Frage, wie lange der Verein noch in der Dumeklemmerstadt bleiben wird. Der Klub schließt einen Umzug nach Düsseldorf nicht aus.

Bastian Schlierkamp steht vor dem Mannschaftsbild des Handball-Drittligisten SG Ratingen. Derzeit stellt sich die Frage, wie lange der Verein noch in der Dumeklemmerstadt bleiben wird. Der Klub schließt einen Umzug nach Düsseldorf nicht aus.

Achim Blazy

Bastian Schlierkamp steht vor dem Mannschaftsbild des Handball-Drittligisten SG Ratingen. Derzeit stellt sich die Frage, wie lange der Verein noch in der Dumeklemmerstadt bleiben wird. Der Klub schließt einen Umzug nach Düsseldorf nicht aus.

Ratingen Stolz posiert er vor dem Mannschaftsfoto der SG Ratingen: Yannick Nitzschmann ist am vergangenen Donnerstag 18 Jahre alt geworden – und ist nun, als Geburtstagsgeschenk, Teil des Kaders des Handball-Drittligisten. Genau so stolz steht neben ihm Bastian Schlierkamp: Der Geschäftsführer des Löwenrudels freut sich darüber, dass seit längerer Zeit wieder ein Jugendspieler den Weg in die erste Mannschaft gepackt hat. Doch es ist nicht auszuschließen, dass Nitzschmann der letzte „eigene“ Nachwuchsmann ist, der in und für Ratingen auflaufen wird.

Glaubt man nämlich den Gerüchten, die sich rund um die SG Ratingen hartnäckig halten, könnte ein Umzug der Ersten Mannschaft in die Landeshauptstadt bevorstehen. Geschäftsführer Schlierkamp wiegelt ab. „Kurzfristig ist das nicht geplant“, sagt der 33-Jährige, gibt jedoch zu: „Gespräche zu dem Thema gab es allerdings schon.“ Es heißt, Düsseldorf würde den Drittligisten mit offenen Armen empfangen – und mit viel Geld unterstützen. Es wäre der zweite Wegfall einer höherklassigen Mannschaft nach dem Rückzug des Damen-Tennisbundesligisten Ratinger TC.

Das Büro des SG-Geschäftsführers im Neubau „An der Pönt“ ist verspielt eingerichtet, zwei kleine Schaukelstühle und ein rotes Sofa stehen dort, wo sonst ein Konferenztisch Platz hätte. Die neuen Räume des Trägervereins Interaktiv e.V., in dem auch die „SG Ratingen Spielbetriebs- und Marketing GmbH“ beheimatet ist, sind modern, schick – und stehen im direkten Kontrast zu den finanziellen Möglichkeiten des Vereins. „Unser Fünf-Jahres-Plan sieht vor, dass wir zur Top fünf der Dritten Liga gehören wollen“, sagt Schlierkamp. „Dafür bräuchten wir im Jahr aber 100 000 Euro mehr als jetzt. Ich sehe keine Möglichkeit, wie wir das Geld in Ratingen einnehmen sollen.“

„Unser Fünf-Jahres-Plan sieht vor, dass wir zur Top fünf der Dritten Liga gehören wollen. Dafür bräuchten wir im Jahr aber 100 000 Euro mehr als jetzt. Ich sehe keine Möglichkeit, wie wir das Geld in Ratingen einnehmen sollen.“

Bastian Schlierkamp, Geschäftsführer der SG Ratingen

Im Gegenteil: Aktuell fahren städtische Sponsoren wie die Stadtwerke oder die Sparkasse ihre Gelder sogar herunter. „Teilweise ohne Ankündigung“, sagt Schlierkamp. „Diese Entwicklung, unter der gerade nicht nur die SG leiden muss, sehe ich mit Sorge“, sagt der städtische Sportdezernent Rolf Steuwe. „Allerdings habe ich durchaus auch Verständnis für die Betriebe, die sich einem veränderten Marktumfeld anpassen müssen.“ Die Löcher, die nicht nur die SG, sondern auch andere Vereine zu stopfen haben, will Steuwe indes nicht füllen. „Wir können nicht das Auffangbecken für ausgefallene Sponsorengelder sein“, betont der städtische Dezernent.

„Dafür fehlen uns auch die finanziellen Mittel. Außerdem kommen wir den Sportvereinen in der Stadt entgegen, indem wir die Sportstätten weiterhin unentgeltlich zur Verfügung stellen – anders als manch andere Kommunen.“ Fakt ist aber: Auch nach über fünf Jahren hat die SG merklich Mühe, in Ratingen wirklich Fuß zu fassen. Vielleicht sind manche mit dem Ehrgeiz und Tempo der Löwenrudel-Verantwortlichen überfordert. Vielleicht liegt es auch daran, dass Schlierkamp sportlich und finanziell nun in Bereichen mitmischt, die bislang von Platzhirschen wie dem TV Ratingen oder TuS Lintorf – oder auch der Stadt selbst beherrscht wurden.

Weil der Drittligist eng mit dem Verein Interaktiv verknüpft ist, der im Kreis Mettmann Träger verschiedener Ganztags-Schulangebote ist, ist er indirekt ein Konkurrent für das Ganztags-Trägerangebot ÜMB der Stadt Ratingen. „Da gibt es keinen Konflikt“, betont Steuwe. „Wir schätzen die Arbeit von Interaktiv und sehen die SG als ein Aushängeschild der Stadt.“

„Kurzfristig ist das nicht geplant. Gespräche zu dem Thema gab es allerdings schon.“

Bastian Schlierkamp, Geschäftsführer der SG Ratingen, zum denkbaren Umzug nach Düsseldorf

Trotz der öffentlichen Wertschätzung ist man beim Löwenrudel doch arg frustriert angesichts mancher Probleme. Prominentestes Beispiel: die Halle an der Gothaer Straße. Die Reinigung der Spielstätte nach Training- und Spielbetrieb von Harz-Rückständen ist seit Gründung des Vereins ein Streitpunkt. Eine fünfstellige Summe kostet die Reinigung im Jahr. Anträge auf einen Zuschuss wurden immer vom Rat abgelehnt. „Der Ratsbeschluss sieht vor, dass alle Handballvereine, also auch der TV oder TuS, die Kosten tragen oder selbst reinigen. Beim TV oder TuS klappt das ja auch“, betont Steuwe.

Schlierkamp sieht das anders. „Wir würden die Halle selbst reinigen. Leider haben wir aufgrund der ansässigen Schießsportanlage keinen Schlüssel und sind darauf angewiesen, in die Halle gelassen zu werden.“ Dazu kommen Probleme mit der neuen Holzvertäfelung, die – anders als vom Hersteller propagiert – doch nicht so harz-abweisend ist. Die Reinigung würde 8000 Euro im Jahr zusätzlich verschlingen – die auch die SG tragen müsste. „Diese Probleme kommen für uns unerwartet, weil es anders beworben wurde“, sagt Steuwe. „Da müssen wir uns noch einmal mit beschäftigen.“

Zusammenfassend stellt sich die Frage: Will Ratingen Leistungssport? Und wenn ja, ist sie – mitsamt der Unternehmen in der Stadt – bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten? Ansonsten wäre der Rückzug des RTC nicht der letzte sportliche Aderlass, den Ratingen zu verzeichnen hätte.

Die Stadt Düsseldorf würde sich freuen.

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