Der RV Edelweiß nutzte das Gastspiel der Tour de France gestern, um sich vorzustellen. Als das Peloton durch die Kreisstadt rauschte, wurden die Augen der Aktiven groß.

Der RV Edelweiß nutzte das Gastspiel der Tour de France gestern, um sich vorzustellen. Als das Peloton durch die Kreisstadt rauschte, wurden die Augen der Aktiven groß.
Aus der sechsten Etage der Interboden-Zentrale in Ratingen bot sich ein exzellenter Blick auf das Peloton.

Aus der sechsten Etage der Interboden-Zentrale in Ratingen bot sich ein exzellenter Blick auf das Peloton.

Auch an der Talstraße/Ecke Beethovenstraße in Mettmann herrschte dichtes Gedränge links und rechts der Strecke.

Kurz vor dem Ratinger Stadttheater kamen die Zuschauer den Radprofis besonders nah. Viele tausend Fans säumten die Straßenränder und jubelten den Fahrern zu.

Michael Ehrhard (r.) und Patrick Plante (im Tor) vom RV Edelweiß stellten ihr Können als Radballer unter Beweis.

Norbert Kleeberg, Bild 1 von 4

Aus der sechsten Etage der Interboden-Zentrale in Ratingen bot sich ein exzellenter Blick auf das Peloton.

Kreis Mettmann. Manchmal lohnen sich öffentliche Verkehrsmittel. Es ist Sonntagmorgen und ich bin auf dem Weg von Langenfeld ins Herz der Tour de France. Nach Mettmann. Ich habe das Auto am Bahnhof abgestellt und steige in die S-Bahn. Die S 6 fährt um 9.06 Uhr los. Pünktlich! Umsteigen muss ich in Düsseldorf, und die S 68 bringt mich nach Mettmann-Mitte. Schon wieder pünktlich! Dann folgen 1,8 Kilometer Fußweg. Als ich auf die Düsseldorfer Straße einbiege, sehe ich von Weitem, wo ich gleich die besten möglichen Fachleute treffe. Ich bin mit den Sportlern des Radsport-Vereins Edelweiß Mettmann verabredet. Sie sind sehr gut an ihrer „Dienstkleidung“ zu erkennen: Die meisten haben blau-weiße Trikots und Jacken an. Um 10.30 Uhr sind fast alle der rund 70 Tische auf dem Parkplatz eines Baumarktes besetzt. Es ist Frühstücks- und Picknick-Zeit am Rande der Straße, auf der gleich die Tour-Profis vorbeirasen werden.

Der Edelweiß-Vorsitzende Stephan Schwedtmann wirkt entspannt: „Alles in Ordnung.“ Knapp 20 Stunden vorher ist die Welt weniger in Ordnung. Es gibt ein „Krisengespräch“, um über die Wetterprognosen und deren Folgen zu reden. Selbst eine Absage steht im Raum. denn ein Frühstück/Picknick im Dauerregen mag sich keiner vorstellen. Letztlich setzen sich diejenigen durch, die es riskieren wollen. Und werden belohnt, da es am Sonntag trocken bleibt. Mit dem RV Edelweiß sind das Mettmanner Bürgerforum, der Bürgerverein Ob- und Niederschwarzbach, „mono“ und ME-Sport erleichtert. Sie hatten sich zusammengetan und die Veranstaltung geplant.

„Die Chance, hier die Tour zu sehen, werden wir in diesem Leben nicht noch einmal bekommen.“

Manfred Brunzel, Ehrenvorsitzender des Radsport-Vereins Edelweiß Mettmann

Eine halbe Stunde, bevor die Werbekarawane der Tour eintrifft, legen die Radballer des RV Edelweiß los. Klar: Der Verein will sich und sein Angebot präsentieren. Später werden ja knapp 200 der weltbesten Radfahrer demonstrieren, wie schnell sich ihr Sportgerät auf der Straße bewegen lässt. „Ich bin neugierig“, gibt Schwedtmann zu. Ginge es nur um da Sportliche, wäre ein Platz an der Straße falsch: „Da wäre der Fernseher viel besser.“

Um 11 Uhr beginnt das Tour-Prozedere. Die Werbekarawane zieht vorbei – und verschafft einen Einblick über die Liste der Sponsoren. Von international bekannten Erfrischungsgetränken bis hin zu Herstellern von Pommes Frites ist alles dabei. Viele werfen kleine Geschenke ins Publikum. Und selbstverständlich halten die Autos mit der Aufschrift „Boutique Officielle“ immer wieder, damit Zuschauer Tour-Erinnerungen kaufen können: Kappen für fünf Euro, T-Shirts für zehn. Es herrscht Karnevals-Stimmung. In einer Pause treffe ich mich mit Manfred Brunzel, dem Edelweiß-Ehrenvorsitzenden. Brunzel war selbst 20 Jahre lang Vorsitzender und hat sein Amt bereits vor einiger Zeit an jüngere Leute abgegeben. Der 79-Jährige findet die Atmosphäre großartig: „Die Begeisterung ist groß. Hier pulsiert das Leben.“ Dass er unbedingt an die Strecke kommen musste, stand für ihn von Anfang an fest: „Die Chance, hier die Tour zu sehen, werden wir in diesem Leben nicht noch einmal bekommen.“

Niemand glaubt, dass der Tour-Abstecher nach Mettmann dem Radsport einen großen Schub geben wird. „Dafür bräuchten wir anderes“, findet Schwedtmann, „zum Beispiel eine bessere und mehr auf das Rad ausgerichtete Infrastruktur.“ Der RV Edelweiß bietet trotzdem ein breites Programm an. Dazu gehören Radwandern in gemütlichem Tempo, Touren für schnellere Fahrer oder Radball.

Um 12.45 Uhr wird es plötzlich spannend: Das Fahrerfeld soll in ein paar Minuten kommen. Jeder sucht sich einen Platz nah an Straßenrand, um so dicht wie möglich dran zu sein. Dann treffen die ersten ein – eine kleine Ausreißergruppe, die sofort gefeiert wird. Etwas später rückt das Hauptfeld in einem atemberaubenden Tempo an. Ich starte meine Stoppuhr. Genau 22,5 Sekunden darauf sind die Herren vorbeigerast, ehe noch ein paar Nachzügler um den Anschluss kämpfen. Ungefähr zweieinhalb Minuten dauert es insgesamt, bis selbst das letzte Begleit-Fahrzeug durch ist.

„Die Begeisterung ist groß. Hier pulsiert das Leben.“

Manfred Brunzel zur Stimmung an der Strecke

Die Fachleute des RV Edelweiß sind von den Fahrkünsten der Rad-Profis beeindruckt. Wirklich erkannt haben sie niemanden – was zu erwarten war. Darum ging es ihnen aber sowieso nicht. Für sie hat sich der hohe Aufwand gelohnt. Apropos gelohnt: Auch meine Rückfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat sich gelohnt. Alle Bahnen fahren pünktlich, alle Anschlüsse klappen, ich komme perfekt nach Langenfeld zurück. So gesehen könnte eigentlich jeden Tag Tour de France sein.

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