Die Rückraum-Handballerin des Drittligisten TB Wülfrath glänzt in Offensive und Angriff.

Wülfrath. Neun Spieltage haben die TBW-Handballerinnen inzwischen in der Dritten Liga absolviert. Das Ergebnis: Der Aufsteiger hält weiterhin die rote Laterne fest in seinen Händen. Gleichwohl setzte die Mannschaft von Lars Faßbender in der bislang eher tristen Spielzeit, auch schon ein Glanzlicht, als sie überraschend den Favoriten HSV Gräfrath bezwang. Gestern Abend (das Ergebnis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest) kam es zur Neuauflage dieses Duells, allerdings nicht in der Meisterschaft, sondern im HVN-Pokal. Eines dürfte gewiss gewesen sein: Die Solingerinnen planen Wiedergutmachung für die Pleite gegen den Liga-Neuling. Die Partie war zwar nicht ohne Brisanz gleichwohl stellte Faßbender im Vorfeld und nach der zweiwöchigen Spielpause fest: „Der Pokalwettbewerb ist für uns absolut zweitrangig. Wir wollen das Spiel nutzen, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Unser Fokus liegt auf Recklinghausen und dem Liga-Betrieb.“

Weder im Pokal noch in der Meisterschaft kann der TBW-Trainer in den kommenden Monaten auf Lisa Sippli bauen. Denn die Rückraumspielerin zog sich in der Partie bei der SG Menden Sauerland Wölfe einen Bruch des rechten Ringfingers zu. „Bei einer Abwehraktion war ich zu spät dran, bin im Trikot der Gegnerin hängen geblieben und gegen die Hüfte geknallt“, berichtet sie von einer „unglücklichen und unnötigen Aktion“. Weil es kein jedoch glatter Bruch ist, sondern der Finger „nach innen rotiert“, muss sich die 22-Jährige morgen einer Operation unterziehen.

Der angehenden Erzieherin droht ein bis zu dreimonatiger Ausfall

Die Aussichten sind für die Handballerin wenig erfreulich: Es droht ein dreimonatiger Ausfall. „Ich hoffe, es geht schneller, aber es ist eben die rechte Hand, die muss voll funktionsfähig sein, um fangen und werfen zu können“, erklärt Sippli, die sich in der Ausbildung zur Erzieherin befindet. „Auch da ist es schwierig, mit einer eingegipsten Hand zu arbeiten.“ Sippli gesteht: „Als die Diagnose kam, hat mich das schon zurückgeworfen.“

Die Rückraum-Akteurin ist jedoch ein Kämpfertyp – das hat sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen. In jungen Jahren wollte Lisa Sippli noch Fußball spielen, doch die Mama legte ihr Veto ein und ging kurzerhand mit ihrer Tochter zum Handball, den die seinerzeit Sechsjährige fortan beim ASV Wuppertal erlernte. „Es war klar, dass ich etwas mit Ball machen muss und ich war direkt begeistert“, berichtet Sippli. Die Vorzüge der Hallensportart? „Es ist ein Teamsport. Der Zusammenhalt steht für mich ganz oben, dass man gemeinsam etwas erreichen kann“, betont sie und fügt hinzu: „Glück und Pech liegen eng beieinander. Es gibt große Emotionen und dann wir man wieder auf den Boden geholt. Der Sport ist so schnelllebig.“

Der Rückraum war schnell das bevorzugte Terrain von Sippli. „Ich habe schon sehr früh auf der Mitte gestanden, weil ich eine gute Übersicht habe, welches Angriffskonzept zu welcher Abwehr oder zum Spiel passt.“ Was für Qualitäten benötigt eine Mittelfrau sonst noch? „Man sagt, dass sie der verlängerte Arm des Trainers ist, sie muss gut zu ihm passen. Es hat mir immer Spaß gemacht, und deshalb bin ich auf der Position geblieben.“

Künftig will die 22-Jährige nur noch von Saison zu Saison denken

Ihr Manko ist das Torewerfen. „Das ist ein Punkt, an dem ich noch arbeiten muss. Es ist ganz klar mein Ziel, noch torgefährlicher zu werden.“ Ein großes Ziel hat die 22-Jährige schon erreicht. „Ich wollte immer in die Dritte Liga“, sagt sie. Nach der schweren Verletzung will sie jetzt nur noch „von Saison zu Saison denken.“ Doch die Rückraumspielerin, die im Jahr 2010 von der JSG Wuppertal mit einem Doppelspielrecht beim TB Wülfrath anfing, ergänzt mit einem Lachen: „Für mich steht Handball immer an erster Stelle.“ Aber auch der Fußball hat beim „großen Bayern-Fan“ noch heute einen herausragenden Stellenwert. Und natürlich die Familie.

Ihre Mannschaft sah Lisa Sippli im Vorfeld zur gestrigen Pokalpartie nicht chancenlos, teilte aber die Meinung ihres Trainers: „Wir versuchen alles, um Erfolg zu haben, letztlich ist aber das Spiel am nächsten Wochenende wichtiger.“ Ihr Ausfall ist jedoch ein Schlag ins Kontor. „Das tut weh, weil sie abwehrstark ist – sowohl offensiv als auch defensiv“, beschreibt Lars Faßbender Sipplis Qualitäten. Der TBW-Coach betont: „Vor allem für sie tut es mir aber leid. Es ist schön, ihre Entwicklung auf der Mittelposition zu sehen.“

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