Darius Rocholl gehört zu den besten deutschen Nachwuchs-Zehnkämpfern. Doch im März stoppte ihn ein schwerer Unfall.

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Darius Rocholl bei seiner schwächsten Disziplin: dem Stabhochsprung. Beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen schaffte er nur 3,70 Meter.

Darius Rocholl bei seiner schwächsten Disziplin: dem Stabhochsprung. Beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen schaffte er nur 3,70 Meter.

Dirk Thomé

Darius Rocholl bei seiner schwächsten Disziplin: dem Stabhochsprung. Beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen schaffte er nur 3,70 Meter.

Ratingen. "Ich war komplett unzufrieden." Mittlerweile sind dreieinhalb Wochen vergangen, seit Darius Rocholl beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen gestartet ist. Doch der zehnte Platz in der U20, nur 6769 Punkte und die verpasste Quali für die U20-EM wurmen den 19-Jährigen immer noch: "Es lief einfach gar nichts - außer beim Diskuswurf mit 48,12 Metern." Dass der Zehnkämpfer, der seit Anfang des Jahres für den LAV Bayer Uerdingen/Dormagen startet und zuvor das Trikot der LG Ratingen trug, überhaupt starten konnte, grenzt jedoch an ein kleines Wunder.

Auf dem Sprung zur Spitze

Denn Anfang März hatte Darius Rocholl einen schweren Autounfall. "Ich war mit Freunden auf dem Weg zurück nach Ratingen", erzählt der 19-Jährige. "Es war dunkel, wir haben gequatscht, und ich habe ein Stopp-Schild übersehen." In einer Kreuzung kam es dann zu dem Zusammenstoß mit einem Lkw. "Ich habe noch nie so einen großen Laster gesehen. Meine Karre war komplett Schrott", sagt Rocholl, der riesiges Glück hatte - er kam mit einem Handbruch und Prellungen davon. "Danach habe ich sieben Wochen nicht trainieren können und fünf Kilo zugenommen."

Nach dem Unfall steckte Darius Rocholl in einem Motivationstief

Als er Ende April wieder ins Training einsteigen konnte, war es für ihn keine einfache Situation. "Es war sehr schwer wieder rein zu finden, und ich hatte absolut keine Motivation", blickt Rocholl zurück, bei dem dann auch noch die Abiturprüfungen auf dem Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasium hinzukamen. Jetzt hat er das Abi mit einem Notendurchschnitt von 2,4 in der Tasche und auch wieder Lust auf Zehnkampf.

Ende August sind die Deutschen Meisterschaften. "Da will ich noch mal angreifen und auf jeden Fall eine ,7’ vorne stehen haben." Um dieses Ziel zu erreichen, fährt er fünf- bis sechsmal in der Woche von Ratingen nach Uerdingen, um dort gemeinsam mit Torsten Voss zu trainieren. "Er ist das Non-plus-Ultra im Mehrkampf", sagt der 19-Jährige über seinen Trainer, der 1987 für die DDR den Weltmeistertitel holte. "Außerdem haben wir eine starke Trainingsgruppe." Dazu gehört auch Michael Schrader, Deutschlands derzeit bester Zehnkämpfer. "Er ist mein Vorbild. Ich bewundere seine Leichtfüßigkeit", sagt Rocholl. Im Moment geht es für den 19-Jährigen vor allem darum, an seiner Spritzigkeit zu arbeiten und in seiner schwächsten Disziplin, dem Stabhochsprung, besser zu werden.

Falls es in Deutschland nicht klappt, könnte Rocholl für den Iran starten

Langfristig will er sich aber in der deutschen Spitze etablieren. "Mein Traum ist es, über 8000 Punkte zu erreichen und mir so einen Namen zu machen", sagt Darius Rocholl. Später möchte er dann im sportpsychologischen oder -pädagogischen Bereich mit Jugendlichen arbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, will er ab Oktober Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln studieren. Den Eignungstest hat er bereits bestanden, jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob sein Abi-Schnitt reichen wird.

Darius Rocholl (geboren am 7. Januar 1990) kommt aus Korschenbroich. Dort startete er auch seine sportliche Karriere und begann im Alter von acht Jahren mit der Leichtathletik.

1999-2005: Korschenbroicher LC,

2006: TSV Bayer Leverkusen,

2007-2008: LG Ratingen,

seit 2009: LAV Bayer Uerdingen/Dormagen.

Seine persönliche Bestleistung liegt bei 6940 Punkten, sein größter Erfolg war der zweite Platz bei der Deutschen Meisterschaften der B-Jugend 2007.

Sollte es mit dem ganz großen sportlichen Erfolg in Deutschland nicht klappen, hat der Ratinger noch ein Ass im Ärmel: Da sein Vater Iraner ist, kann Darius Rocholl auch für den Iran starten und hat so die Möglichkeit, sich über die Asienmeisterschaften für große internationale Turniere zu qualifizieren. Bester iranischer Zehnkämpfer ist Hadi Sepehrzad. Der 26-Jährige kam bei den Asienmeisterschaften 2007 mit 7667 Punkten auf den zweiten Platz. Auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking war Sepehrzad mit dabei. Träumen darf erlaubt sein: Vielleicht ist Darius Rocholl schon 2012 bei den Olympischen Spielen in London mit dabei - im iranischen Nationaltrikot.

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