In der Vorbereitung auf Wettkämpfe läuft der 45-jährige Westdeutsche Vizemeister im Marathon mehr als 200 Kilometer in der Woche. Seine Bestzeit: 2:30Stunden.

Ratingen. Robert Jäkel ist süchtig - nach Laufen. "Positiv süchtig, würde ich sagen. So wie das tägliche Zähneputzen gehört für mich auch das tägliche Training dazu", sagt der 45-Jährige, der zu den schnellsten deutschen Marathonläufern in seiner Altersklasse gehört. Aber auch die Jüngeren sehen den Lintorfer oft nur von hinten.

Begonnen hat alles mit dem Ratinger Neujahrslauf 1998

Was 1998 mit dem ersten Lauftraining und dem Start beim Ratinger Neujahrslauf über zehn Kilometer begonnen hat, ist mittlerweile zu einer Lebenseinstellung geworden. "Am Anfang waren es drei Mal in der Woche zehn bis zwölf Kilometer", blickt Robert Jäkel zurück. "Dann wurde es von Jahr zu Jahr mehr." Im vorigen Monat wurde er in Essen Westdeutscher Vizemeister - wohlgemerkt: nicht in seiner Altersklasse sondern im Gesamtklassement.

Bisher lief der Ratinger 24-mal die Marathonstrecke

24 Läufe über 42,195-Kilometer hat Jäkel in den vergangenen elf Jahren absolviert. An seinen ersten, den Berlin-Marathon im Herbst 1998, erinnert er sich noch ganz genau. "Ich hatte mir eine Zeit von 3:30 Stunden vorgenommen" sagt der Ratinger, der während seines Laufs auf den berühmten "Mann mir dem Hammer", vor dem sich jeder Langläufer fürchtet, wartete. Der kam aber nicht. Stattdessen lief Jäkel mit einer Zeit von 2:58 Stunden über die Ziellinie. "Das war für mich schon eine Überraschung."

Neunmal ist Robert Jäkel mittlerweile in Berlin an den Start gegangen. Das Besondere für ihn: In der Hauptstadt stehen Familie und Freunde an der Strecke und feuern ihn an. Sie waren es auch, die im vergangenen Jahr live miterleben durften, wie der 45-Jährige seine bisherige Bestzeit aufstellte: 2:30 Stunden. Zum Vergleich: Die Weltbestzeit bei den Männern - aufgestellt von dem Äthiopier Haile Gebrselassie ebenfalls 2008 in Berlin - liegt bei 2:03:59 Stunden.

Um solch eine Leistung erbringen zu können, trainiert Robert Jäkel fast täglich. Seinen individuellen Trainingsplan bekommt er seit 2005 aus dem Internet. In der Regenerationsphase sind fünf etwa einstündige Einheiten zwischen 15 und 20 Kilometern angesetzt. In der Marathon-Vorbereitung beinhalten die 200 Kilometer in der Woche neben langen Läufen bis zu 38 Kilometer unter anderem auch 400-Meter-Tempoläufe.

Aufgewachsen ist Robert Jäkel in Sachsen. 1989 ist er nach Ratingen gezogen. Neun Jahre später hat er im Angerland-Lauftreff mit dem Training begonnen, seit einem Jahr ist er Mitglied im TuS08 Lintorf. Das hat den Vorteil, dass seine Ergebnisse seitdem auch für Deutsche Meisterschaften etc. gewertet werden. Denn wenn man nicht für einen Verein startet, wird man vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nicht beachtet. Beim TuS hat er die Marathonabteilung ins Leben gerufen. Bei seinem Arbeitgeber Mercedes Benz in Düsseldorf leitet er die Betriebssportgruppe Marathon.

Zu seinen größten sportlichen Erfolgen zählt Robert Jäkel den Sieg beim Duisburger Rhein-Ruhr-Marathon 2007 (2:33 Stunden): "Das war schon schön, als Erster ins Stadion einzulaufen." Außerdem gewann er in diesem Jahr den Kandel-Marathon in der Nähe von Karlsruhe in 2:35 Stunden. Mitte Oktober wurde er beim Marathon "Rund um den Baldeneysee" in 2:33 Stunden Westdeutscher Vizemeister.

Hilfreich ist für Robert Jäkel dabei sein Job bei Mercedes. "Durch den Schichtdienst kann ich auch im Winter immer im Hellen trainieren", sagt der 45-Jährige, der gerne an der frischen Luft ist und meistens alleine in und um Ratingen läuft. "Das ist kein Problem für mich", sagt der 45-Jährige. Auch die kalten Temperaturen, Nässe und Wind stören ihn dabei nicht. "Ich habe kein Motivationsproblem. Zu 99Prozent ziehe ich mein Training durch", sagt er.

Auch der Urlaub wird auf sein Hobby abgestimmt. Zweimal im Jahr ist er für je zwei Wochen in Spanien und in der Türkei, um mit anderen Läufern zweimal täglich zu trainieren.

Sei großes Ziel ist eine Zeit unter zweieinhalb Stunden

Sein Ziel für die Zukunft hat sich Robert Jäkel auch schon gesetzt. Er möchte einen Marathon unter 2:30 Stunden beenden. "Das wäre mein Traum." Um diesen zu verwirklichen, hat er im kommenden Jahr drei Chancen: Beim Kandel-Marathon in der Nähe von Karlsruhe, wo er seinen Titel verteidigen möchte, beim Duisburger Rhein-Ruhr-Marathon und bei "Rund um den Baldeneysee" wird er 2010 nach seiner bisherigen Planung starten.

Bleibt neben dem Beruf und dem Lauftraining eigentlich noch Zeit für Hobbys? "Klar. Ich lese und koche gerne", sagt Jäkel und schiebt hinterher: "Auch wenn man mir letzteres nicht ansieht." Bei einer Größe von 1,78 Metern wiegt er knapp 60 Kilogramm. "Das ist das Gute", sagt der 45-Jährige und lacht. "Wenn man viel trainiert, kann und muss man reichlich essen - ohne dass man einem das ansieht."

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