Die letzten zwanzig Minuten ist der Rückraumschütze zum Zuschauen verdammt – und sieht, wie seine Mannschaft den unmöglich geglaubten Ausgleich erkämpft.

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Philipp Hattig (l.) erzielte zwar sieben Tore für den TV Ratingen, musste aber in den letzten 20 Minuten die Bank drücken.

Philipp Hattig (l.) erzielte zwar sieben Tore für den TV Ratingen, musste aber in den letzten 20 Minuten die Bank drücken.

Pierre-Claude Hohn

Philipp Hattig (l.) erzielte zwar sieben Tore für den TV Ratingen, musste aber in den letzten 20 Minuten die Bank drücken.

Ratingen. Der Handball-Oberligist TV Ratingen schien erneut einem Debakel entgegenzusteuern. 21:13 führte der Gast und Favorit TG Hilgen kurz nach der Pause.

Doch dann grub die Mannschaft von Trainer Manfred Brunke längst verschüttet geglaubte Tugenden aus und schaffte nach einert dramatischen Aufholjagd in letzter Sekunde durch Matthias Gloynas fünften Treffer noch den Ausgleich zum 30:30 (12:17)-Endstand.

Manfred Brunkes Jubel nach dem Schlusspfiff kennt keine Grenzen

Danach kannte der Jubel im Lager des TV Ratingen keine Grenzen mehr. Als ob er gerade Meister geworden wären, so feierten die Spieler den unerwarteten Punktgewinn. Manfred Brunke müssen zentnerweise Steine vom Herzen gefallen sein. Noch nie hat man ihn in dieser Saison so ausgelassen jubeln gesehen.

Die Partie begann überraschend gut für den TVR. Raoul Langenmayr, Max Beckmann und Philipp Hattig hatten für eine schnelle 3:1-Führung gesorgt. Doch dann zeigte der Gast, dass er zu Recht in der Tabelle ganz oben steht. Ihr Abwehrinnenblock mit den Zwei-Meter-Riesen Hantusch und Metzlaf war nahezu unüberwindbar. Und vorne trafen die großen Hilgener Rückraumspieler nach Belieben.

Die Gastgeber hatten dem nur noch wenig entgegenzusetzen, zumal Daniel Hattig unerwartet wegen Schulterproblemen ausgefallen war. Immerhin war Bruder Philipp fit. Aber auch er konnte nicht verhindern, dass die Gäste unaufhaltsam davonzogen. Nach etwa 40 Minuten, beim Stand von 16:22, verwarf Philipp Hattig zunächst einen Siebenmeter und bekam wenig später eine Zeitstrafe auferlegt.

Nun schien alles aus, zumal Philipp Hattig von nun an nur noch auf der Bank saß. Lars Dieckmann, der zuvor am Kreis spielen musste, übernahm die freigewordene Position im Rückraum.

Und siehe da, ohne Philipp Hattig entwickelte das TVR-Team nun Leidenschaft und einen unbändigen Kampfgeist. In dieser Phase zeigte Benjamin Wurth auf Rechtsaußen sein bestes Saisonspiel. Nicht von ungefähr gelangen dem ansonsten eher unauffällig spielenden Wurth fünf Tore.

Raoul Langenmayr schafft mit dem 28:28 den ersten Ausgleich

Die Gäste mussten jetzt ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen. So holte der TV Ratingen Tor um Tor auf. Der immer stärker werdende Raoul Langenmayr traf erstmals zum Ausgleich (28:28). Kurz darauf gelang Dieckmann das gleiche Kunststück zum 29:29 (58.).

Die Gäste gingen postwendend erneut in Führung. Als noch 14 Sekunden zu spielen waren, nahm Trainer Brunke eine Auszeit. Und tatsächlich schaffte Matthias Gloyna mit dem Abpfiff noch das 30:30.

Warum der Trainer Philipp Hattig ab der 40. Minute nicht mehr einsetzte, wollte Brunke nicht kommentieren. Philipp Hattig selbst meinte: "Ich hätte gerne weitergespielt. Aber was soll ich machen, wenn der Trainer mich nicht einwechselt?"

Für Manfred Brunke, der letztlich doch alles richtig gemacht hatte, war es ein ganz wichtiger Punktgewinn: "Endlich hat meine Mannschaft den Zuschauern mal wieder gezeigt, dass sie ein Team ist. Jeder hat gesehen: Wenn die Mannschaft kämpft, dann ist sie auch erfolgreich und muss nicht um den Klassenerhalt fürchten."

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