Jurek Tomasik wechselt bei den Handballern des TB Wülfrath als Trainer von den Damen zu den Herren und übernimmt die klassenhöchste Mannschaft im Kreis.

Wülfrath. "Zur Not müssen sie mich in der Mannschaft alle hassen, wenn sie sich darin einig sind und dadurch Einheit herrscht." Was für Wülfraths Oberliga-Handballer wie eine Drohung klingt, meint der neue Herren-Trainer Jurek Tomasik aber mehr als klare Ansage, dass er in seiner neuen Mannschaft klare Rollenverteilungen schaffen will. Er übernimmt nach erfolgreichen Jahren als Trainer der 1. Wülfrather Damen-Mannschaft nun die höchstklassige Herrenmannschaft im Kreis Mettmann.

"Hierarchie entsteht durch Leistung und muss erarbeitet werden."

Jurek Tomasik, Trainer des TB Wülfrath

"Handball ist Mannschaftssport. Daher lege ich sehr viel Wert auf das Gemeinschaftsgefühl", gibt Tomasik Einblick in seine Vorstellungen. Er selbst ist erfahrener Zweitliga- und mehrfacher polnischer Junioren-Nationalspieler.

Nach seiner erfolgreichen Zeit als Trainer von Wülfraths ersten Damen - "der Abschied von meinen Mädels war schon sehr bewegend" - sieht er die neue Aufgabe als Herausforderung an. Mit "Sorgfalt und Vernunft" will der Handballer alter polnischer Schule und Inhaber der DHB-B-Lizenz an die kommende Oberliga-Saison herangehen.

Tomasik sieht sich persönlich in einer ganz anderen Situation als bei seinen vorherigen Trainerstationen. "Bislang gehörte ich zu den Sanierern. Jetzt habe ich die Chance, etwas aufzubauen." Dabei will er beim Turnerbund Wülfrath, der es in der fernen Vergangenheit bis in die 2. Bundesliga geschafft hat, genauso auf Tradition setzen wie auf die sehr erfolgreiche Jugendarbeit der vergangenen Jahre.

Aus diesem Grund hat sich Tomasik mit André Hausmann auch den Trainer der A-Jugend als seinen Co an seine Seite geholt. "Wir wollen, dass die 1. Herren, die 2. Herren und die A-Jugend näher zusammenrücken. Alle sollen ein ähnliches Spielkonzept spielen", gibt der Chef auch dem Nachwuchs die Hoffnung, vielleicht schon in der nächsten Spielzeit etwas Oberligaluft schnuppern zu können.

Stationen als Spieler: TV Emsdetten (2. Bundesliga), Olympia Longerich (2. Bundesliga), 1848 Gladbach (Regionalliga), TV Aldekerk (Oberliga)

Erfolge als Spieler: Dreimal polnischer Meister mit WKF Slask Breslau, 24-maliger Junioren-Nationalspieler, 16-facher U23-Nationalspieler

Stationen als Trainer: TV Aldekerk (A-Jugend), HSV Rheydt (Aufstieg Regionalliga/Männer), 1848 Gladbach (Aufstieg Oberliga/Männer und aktuell: Aufstieg Landesliga 08/09 Männer), Solingen Ohligs (Verbandsliga/Männer), TB Wülfrath (Aufstieg Oberliga/Damen)

Mitten im Neuaufbau sollen persönliche Eitelkeiten unter Tomasiks Regie keinen Platz finden: "Jeder hat seine Aufgaben, die er erledigen soll. Nicht mehr und nicht weniger."

Allerdings hält der neue Mann auf der Kommandobrücke nichts davon, schon mit Beginn der Vorbereitung eine Hierachie im Team vorzugeben: "Hierachie entsteht durch Leistung und muss erarbeitet werden." Sprücheklopfer haben es bei ihm schwer.

Der Trainer ist optimistisch, mit dem Kader bestehen zu können, dessen Zusammenstellung in Wülfrath schon als abgeschlossen gilt. Laut Abteilungsleiter Jörg Märtens gibt keine weiteren Neuverpflichtungen.

 Mit Florian Lepper und Torhüter Tobias Geske stehen lediglich zwei Neuzugänge von außerhalb im Kader. Der Rest kommt aus den eigenen Reihen. "Die Seele der Mannschaft muss den Einheimischen gehören", erklärt Tomasik, der die Mannschaft im Stande sieht, eine ordentliche Saison abzuliefern.

"Die Seele der Mannschaft muss den Einheimischen gehören."

Jurek Tomasik

Und wenn am 2. Juni die Vorbereitung auf die neue Spielzeit losgeht, dann dürfen sich Wülfraths Spieler auf harte Einheiten in der Sporthalle Fliethe freuen. Medizinball und Hanteln sollen erst einmal den Handball verdrängen. Traditionelles Training steht auf dem Programm. "Ich trainiere und arbeite nach dem griechischen Prinzip:

Gesunder Körper - gesunder Geist. Kraft und Ausdauer sind für die Verletzungsprävention und eine erfolgreiche Saison sehr wichtig." Aus eigener Erfahrung weiß Tomasik genau: Eine Vorbereitung macht nicht unbedingt Spaß. Daran werden auch knapp 14 Testspiele nichts ändern.

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