Obwohl sein Arzt ihm wegen zahlreicher Verletzungen geraten hat, mit dem Fußball aufzuhören, macht der 29-Jährige weiter. Kapitän ist er inzwischen aber nicht mehr.

Fussball-Oberliga

Blazy, Achim (abz)

Ratingen. Natürlich ist es ein ungewohntes Gefühl. Wenn Patrick Fiedorra für den Fußball-Oberligisten Ratingen 04/19 über den Platz läuft, fehlt etwas. Am Arm. Da ist keine Binde mehr, die signalisiert, hier ist der Kapitän. Diese trägt inzwischen Thomas Denker. Eine Degradierung? Nicht direkt. Denn unglücklich ist Fiedorra damit nicht.

„Ich kann die Entscheidung gut verstehen.“

Patrick Fiedorra dazu, dass er nicht mehr Kapitän ist

„Das hat eine Menge Last von meinen Schultern genommen.“ Denn in der jüngeren Vergangenheit war Fiedorra viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um die Mannschaft ernsthaft führen zu können. Schuld ist der Körper, der nicht mehr ganz so will, wie es der Spieler gerne hätte.

„Nach dem Spiel ist der Körper ein bisschen schief, Rücken und die Knie tun weh“, sagt Fiedorra. Kein Wunder – nach einem Bandscheibenvorfall, Knorpelschäden in beiden Knien sowie verschiedenen anderen Blessuren. „Der Arzt hat mir längst gesagt, dass ich mit dem Fußball aufhören soll. Doch ich kann nicht.“ Und so schleppt Fiedorra seinen, wie Miroslav Klose sagen würde, Kadaver noch eine weitere Saison über die Oberliga-Plätze am Niederrhein.

Theoretisch ist er ein Führungsspieler, ist mit seinen 29 Jahren der zweitälteste Akteur im Kader. Führungsverantwortung läge da nahe. „Natürlich versuche ich, etwas von meiner Erfahrung weiterzugeben. Aber im Moment muss ich auf mich gucken, darauf, dass ich selbst die Leistung bringen kann, die ich von mir erwarte.“ Durch die ganzen Verletzungen, sagt er, habe auch das Selbstvertrauen in die eigenen Leistungen gelitten.

„Ich bin in den vergangenen Jahren nie richtig fit gewesen“, berichtet Fiedorra. „Doch ich habe gemerkt, dass mich diese Vorbereitung körperlich noch einmal richtig nach vorne gebracht hat. Wenn ich jetzt wieder Konstanz in meine Leistungen bekomme, kann ich auch wieder auf dem Platz vorneweg gehen.“

Das mit der Konstanz ist indes noch so eine Sache. Im Auftaktspiel gegen Hilden machte der Abwehrchef keinen allzeit sicheren Eindruck, spielte einen schlimmen Fehlpass, der immerhin nicht zum Tor führte. „Da möchte man am liebsten im Boden versinken“, betont Fiedorra. Beim nächsten Spiel in Bocholt bescheinigte Trainer Peter Radojewski dem 29-Jährigen indes eine solide Leistung.

Diese Saison wird womöglich doch seine letzte sein

Trotzdem ist sich Fiedorra fast sicher, dass diese Spielzeit seine letzte ist. „Die Saisonvorbereitung war für mich erstmals mehr Belastung als Spaß“, betont er. „Auch wenn ich jetzt fit bin: Ich musste richtig kämpfen, um mitzuhalten. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch schaffe.“ Doch so lange es noch geht, wird Fiedorra weiter auf dem Platz stehen. „Ich bin finanziell zwar nicht vom Fußball abhängig – seelisch ist es aber definitiv so.“

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