Die Kart-Legende Danilo Rossi hat vor Saisonbeginn eine besondere Verpflichtung für sein Team vorgenommen: Der erst zehn Jahre junge Jakob Bergmeister aus Langenfeld ist neuer Werksfahrer. Dass er Benzin im Blut hat, kann bei seinem Stammbaum nicht überraschen.

Langenfeld. Ein paar Dinge haben sich bei Jakob Bergmeister geändert. Vor zwei Jahren war er noch Schüler der St. Paulus-Grundschule in Langenfeld-Berghausen. Sein Lieblingsfach konnte er damals schnell nennen: „Mathematik.“ Seit ungefähr einem Jahr gehört er zu den Schützlingen der italienischen Kart-Legende Danilo Rossi – als jüngster Werksfahrer aller Zeiten. Und jetzt steht der Zehnjährige unmittelbar vor dem nächsten Schritt in seiner Laufbahn als Motorsportler. Klar: Mathematik muss in der Schule immer noch sein, hat aber in der Beliebtheitsskala deutlich verloren. „Am liebsten mache ich jetzt Sport und Englisch“, sagt der Jüngste aus der Langenfelder Motorsport-Dynastie. Was er jetzt in Angriff nimmt, taugt sowieso zum Sprachkurs. Am vergangenen Wochenende begann in Adria, rund 70 Kilometer entfernt von Venedig, der WSK Champions Cup. Deutsch ist dort nicht die „Amtssprache“. Sportlich wird die Serie dem Kart-Talent ebenfalls alles abverlangen.

Jakob Bergmeister bekam die Leidenschaft für den Motorsport praktisch in die Wiege gelegt. Sein Urgroßvater Wilhelm Bergmeister war einst als Motorrad-Werksfahrer für Zündapp und Herkules unterwegs. Den Stab reichte er an seinen Sohn Willi weiter, der sich unter anderem als Deutscher Bergmeister und Tourenwagen-Europameister einen Namen machte. In dessen Fußstapfen traten die Söhne Tim (40), Jakobs Vater, und

Jörg (38) Bergmeister, der Onkel. Wie andere Experten bescheinigten die beiden Profi-Rennfahrer dem jungen Mann bald ein außergewöhnliches Talent, das Jakob Bergmeister in der jüngeren Vergangenheit in nationalen Serien bestätigen konnte. Weil sich das Potenzial schnell herumsprach, war irgendwann der mehrmalige Kart-Weltmeister Rossi im Spiel. „Wenn du im Kart etwas erreichen willst, musst du nach Italien gehen“, betont Tim Bergmeister. Um die Schule und die Leidenschaft Motorsport kombinieren zu können, wechselte Jakob Bergmeister nach der Grundschule auf den

Sportzweig des Landrat-Lucas-Gymnasiums nach Leverkusen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Für Termine an den Wochenenden gibt es relativ unbürokratisch frei. Der „Nachteil“: Den in der Schule versäumten Stoff muss der Langenfelder nachholen, weil es sonst keinerlei Bevorzugung gegenüber anderen Schülern gibt. Die hohe Belastung mit vielen voll ausgefüllten Tagen steckt Jakob bisher ganz gut weg: „Das geht eigentlich.“ Was auf der Strecke wirklich geht, konnte er an einigen Test-Wochenenden nur in Ansätzen zeigen. Einer der Termine im Kart des

Teams „DR Racing“ zum Bei- spiel

war verregnet und ein anderes Mal kam eine Erkrankung dazwischen. Trotzdem konnte sich Teamchef Danilo Rossi vom Können seines Fahrers überzeugen, den er in den kommenden Jahren behutsam aufbauen will. Eine feste Vorgabe für den Saisonstart gab es ganz bewusst nicht – also auch keinen Druck, eine bestimmte Position erreichen zu müssen. Den Maßstab legt Jakob Bergmeister selbst fest. Im Vorfeld des Rennens stellte

er selbstbewusst fest: „Ich willprobieren, ins Finale und unter die ersten zehn zu kommen.“

Der Vater des Zehnjährigen sagt: „Jakob wird in Italien einen Riesenschritt nach vorne machen. Du musst schon beim Testen immer ans Maximum gehen.“

Ehrgeiz ist bei Bergmeister serienmäßig „eingebaut“

Tim Bergmeister muss wissen, wovon er spricht, auch er hat Benzin im Blut. Er betont: „Wenn Jakob ins Finale kommt, wäre das erstaunlich. Jakob soll in dieser Saison viel lernen.“ Natürlich weiß er sehr genau, dass es trotzdem nicht jede beliebige Platzierung sein darf. Der Ehrgeiz ist schließlich bei jedem Bergmeister fest eingebaut. Daran wird sich auch bei seinem Sohn Jakob sicherlich nie etwas ändern.

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