Die Handballer aus Langenfeld und Ratingen belegen in der Tabelle die beiden letzten Positionen.

Die Handballer aus Langenfeld und Ratingen belegen in der Tabelle die beiden letzten Positionen.
Carsten Jacobs (mit Ball) machte im Spiel der SG Ratingen noch am ehesten positiv auf sich aufmerksam. Archiv

Carsten Jacobs (mit Ball) machte im Spiel der SG Ratingen noch am ehesten positiv auf sich aufmerksam. Archiv

Tim Menzlaff (mit Ball) war zwar mit zehn Toren bester Werfer des Abends, doch freuen konnte sich der Langenfelder darüber nicht.

Achim Blazy, Bild 1 von 2

Carsten Jacobs (mit Ball) machte im Spiel der SG Ratingen noch am ehesten positiv auf sich aufmerksam. Archiv

Ratingen/Langenfeld. „Das haben wir nicht verdient. Das Spiel war viel enger, als es die sechs Tore aussagen“, sagte der Spielertrainer der SG Ratingen, Simon Breuer, nach der Schlusssirene in der Schwalbe-Arena. Tatsächlich hielt sein Team beim VfL Gummersbach II lange mit und war ein Gegner auf Augenhöhe, doch am Ende stand mit dem 27:33 (15:17) die 13. Niederlage in Folge für das abgeschlagene Drittliga-Schlusslicht fest. Durch den dritten Saisonsieg wollten die Ratinger Handballer eigentlich das letzte Fünkchen Hoffnung auf den Klassenerhalt am Glimmen halten. Doch in der Partie gegen die Bundesliga-Reserve aus dem Oberbergischen wurde in vielen Aktionen deutlich, dass die Ratinger Spieler unterbewusst selbst nicht mehr an die nur noch theoretische Chance auf den Ligaverbleib glauben. So kam es, dass die Akteure in den entscheidenden und spielentscheidenden Aktionen nicht so zielstrebig agierten, wie es nötig gewesen wäre, um bei den heimstarken Gummersbachern beide Punkte entführen zu können. „Das Spiel war zwar völlig ausgeglichen, doch wenn es drauf ankam, haben wir immer den Kürzeren gezogen“, so Breuer.

Die Löwen starteten gut in die Partie. Simon Breuer gab mit seinem Treffer zur 1:0-Führung die Richtung vor. Die Gummersbacher, die sich aus der eigenen Ersten mit dem 2,06 Meter großen Nationalspieler Florian Baumgärtner verstärkt hatten, drehten den Spieß zwar um, doch Ratingen kam immer wieder heran. Über 4:4 gerieten die Löwen mit 6:10 in Rückstand (16.), doch der Einbruch erfolgte nicht. Stattdessen holten sie Tor um Tor auf und kamen durch einen Treffer von Carsten Jacobs zum 12:12-Ausgleich (24.). In der Schlussphase des ersten Durchganges besaßen sie die Möglichkeit zur Führung, doch 1:3 Treffer in den letzten drei Minuten vor dem Seitenwechsel sorgten für einen Zwei-Tore-Rückstand zur Pause.

Im zweiten Durchgang das gleiche Bild. Das Schlusslicht geriet über 18:19 (36.) mit 19:23 in Rückstand (36.), kämpfte sich aber noch einmal bis auf einen Treffer heran: Lennard Maesch markierte das Tor zum 23:24 (44.), das auf Ratinger Seite für neue Hoffnung sorgte. Doch der Gegner nahm eine Auszeit, bekam die Partie wieder in den Griff und zog bis auf sieben Treffer davon (26:33, 58.). „Wir schaffen es als Kollektiv einfach nicht, die Gegner niederzuringen. Es fehlt immer ein Stück, um das Spiel in den Griff zu kriegen. Und es ist immer ein anderer Faktor, der zur Niederlage führt“, analysierte Breuer. jan

Es war einmal eine Mannschaft, die hatte eine Abwehr. Eine richtig gute sogar. Das galt für die Handballer der SG Langenfeld in allen fünf Oberliga-Jahren. Selbst im ersten Jahr nach dem Aufstieg setzte die SG Langenfeld in der Spielzeit 2011/2012 die Bestmarke – wie anschließend 2012/2013 und 2013/2014 sowie 2014/2015. In der traumhaften vergangenen Serie 2015/2016 reichte es defensiv „nur“ zum zweiten Platz – was am Ende keinen wirklich störte, weil das gesamte Paket dennoch die Meisterschaft und den Aufstieg in die Dritte Liga sowie den Triumph im Deutschen Amateurpokal brachte.

Davon ist rund zehn Monate später nichts geblieben. Bei der 33:37 (15:18)-Heimniederlage gegen den Achten GSV Eintracht Baunatal fand intensive Deckungsarbeit nur sporadisch statt. Langenfeld scheiterte deshalb – in jener Partie, die das Signal zu einer letzten Aufholjagd im Kampf um den Klassenerhalt sein sollte. Zu den besonders Frustrierten gehörte natürlich Tobias Geske, der die SGL nach der Saison verlässt und ein persönliches Ziel festgelegt hatte: „Ich muss halten, halten, halten.“ Der Torhüter gab tatsächlich sein Bestes und streute durchaus die eine oder andere spektakuläre Parade ein.

Ahlen fand immer wieder riesige Lücken vor. Geske und später der Keeper-Kollege Tobias Geske standen oft alleine auf weiter Flur. Der an allen Ecken und Enden fehlende Dustin Thöne, der wegen zu starker Rückenprobleme nur zuschauen konnte, fasste das Geschehen präzise zusammen: „Die haben jedes Mal frei werfen können und durften sich dabei noch die Ecke aussuchen. Unsere Torhüter hatten es echt schwer.“

Nach dem 0:2 (2.) legte die SGL zunächst vor – 3:2 (7.), 5:4 (10.), 6:5 (11.), 7:6 (12.). Die Glanzparade von Geske und die Ball-Eroberung durch Vinzenz Preissegger (jeweils 13.) hätten Schwung geben können, doch Langenfeld stand sich selbst im Weg – und hörte wohl beim Stande von 9:10 (16.) in einer Auszeit nicht richtig zu. Direkt im Anschluss folgten die Treffer zum 9:11 (17.), 9:12 (18.) und 9:13 (19.). Bis zum 15:18 (30.) nach der ersten Halbzeit liefen die Gastgeber hinterher, ehe sie am Anfang der zweiten Hälfte ihre beste Phase hatten. Philipp Wolter verwandelte innerhalb von 30 Sekunden zwei Tempo-Gegenstöße zum 17:18 (32.), ehe die SGL nach dem 17:19 (33.) durch Max Adams (33.) und André Boelken (34.) zum 19:19 ausglich. Das Aus kam nach dem 21:23 (38.), als erst eine Großchance ungenutzt blieb – und dann erneut die Abwehr überfordert war. Ahlens ziemlich frisch in die Partie gekommener Rückraumspieler Niklas Plümacher durfte unbedrängt werfen – 21:24 (39.), 21:25 (41.), 21:26 (42.). Die Gäste hielten ihren Vorsprung lange und gerieten selbst dann nicht ernsthaft in Gefahr, als die SGL nach dem 28:33 (52.) noch einmal auf 31:33 (55.) oder 32:34 (57.) verkürzte.

Bester Werfer des Abends war mit zehn Treffern der Langenfelder Rückraumspieler Tim Menzlaff. Freuen konnte er sich darüber allerdings kaum und sagte: „Wir hätten zu Hause gewinnen müssen, wenn wir noch eine Chance haben wollen. Das haben wir nicht getan. Es wird immer enger für uns. Die Spiele werden immer weniger und unsere Punkte bleiben gleich.“ mid

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