Die Mitglieder der Segelklubs an Elb- und Unterbacher See referieren regelmäßig über ihre Törns und lösen oftmals Fernweh aus.

Die Mitglieder der Segelklubs an Elb- und Unterbacher See referieren regelmäßig über ihre Törns und lösen oftmals Fernweh aus.
Wolf Ortlinghaus, Eugen Schrödl, Albrecht Ott und Wolfgang Schneider segelten 2015 erstmals „unter kanadischer Flagge“.

Wolf Ortlinghaus, Eugen Schrödl, Albrecht Ott und Wolfgang Schneider segelten 2015 erstmals „unter kanadischer Flagge“.

Mit einer Segelyacht des Typs „Dufour 366“ entdeckten die Segler die Inselwelt vor Vancouver.

Nicole Marschall, Bild 1 von 2

Wolf Ortlinghaus, Eugen Schrödl, Albrecht Ott und Wolfgang Schneider segelten 2015 erstmals „unter kanadischer Flagge“.

Hilden. Elb- und Unterbacher See sind ideal für Wassersportler aus der Region, die ihrem Hobby auf dem Wasser frönen wollen, ohne dabei lange Anfahrten in Kauf nehmen zu müssen. Wenn der Wind weht, ist hier Segeln und Windsurfen auch mal kurzfristig unter der Woche ein, zwei Stündchen nach der Arbeit möglich. Manchmal darf es dann aber doch „etwas Meer“ sein. Das finden auch die Mitglieder von der Seglerkameradschaft Unterbacher See (SKU) und der Segler-Gemeinschaft Hilden (SG Hilden), die es vom heimischen Revier immer wieder auch an und auf Nord- und Ostsee, Mittelmeer oder den Atlantik zieht. Oder noch viel weiter weg, wie Wolf Ortlinghaus vom SKU und seine Crew, mit der er im vergangenen Frühjahr vor Vancouver, Kanada, in See stach.

Segler-Trio ließ zweiwöchigen Törn noch einmal Revue passieren

Von ihrem Törn berichtete Ortlinghaus im Klubhaus der Hildener Segler-Gemeinschaft am Elbsee. Auch seine drei Segelkameraden Albrecht Ott, Wolfgang Schneider und Eugen Schrödl kamen zu dem Vortrag und ließen den zweiwöchigen Segelurlaub noch einmal Revue passieren: „Wir vier sind eine bewährte Crew, die schon ein paar Mal zusammen gesegelt ist“, so Eugen Schrödl. Sich zu kennen und miteinander zu harmonieren, sei entscheidend, wenn man Tage oder sogar Wochen auf kleinstem Raum zusammen auf dem Wasser ist, pflichtet ihm Wolfgang Schneider bei und erklärt: „Wir waren schon ein paar Mal zusammen in Schottland und Norwegen. Dann kam die Idee, mal weiter wegzufahren.“ Wolf Ortlinghaus’ Vorschlag, vor Alaska zu segeln, passte da optimal.

Auf die Reling der Yacht war sogar ein Grill montiert

Und so ging es im Mai 2015 zu viert nach Vancouver, wo eine gecharterte DuFour 366 Segelyacht mit einer Länge von rund 11,50 Meter, gut 60 Quadratmeter Segelfläche – und einem auf die Reling montierten Grill – ihr schwimmendes Feriendomizil wurde. „Das Schiff war voll ausgestattet, sogar Kartenmaterial war an Bord“, erzählt Wolf Ortlinghaus: „Man steigt ein und kann sofort los.“ Anstatt sich Segelscheine zeigen zu lassen, wollte der Charterer lieber wissen, welche praktische Erfahrungen die vier haben und wo sie schon gesegelt seien. Fast so problemlos wie das Chartern des Schiffs sei auch das Segeln vor Ort gewesen. „Das Revier ist nicht zu anspruchsvoll und eignet sich auch ohne große Segelkenntnisse für eine Tour“, sagt der SKUSegler. Zu dem Eindruck mag wohl auch die Wetterlage beigetragen haben: Mehr als Windstärke drei bis vier war den Vieren nicht vergönnt. Zwei Wochen ungewöhnlich warmes „TShirt-Wetter“ haben ihm die Zuhörer noch abgenommen. Mit der Information, dass die Crew täglich eine Runde ums Schiff geschwommen sei, spann er dann aber doch eher ein wenig Seemannsgarn und gab später zu, dass die Wassertemperatur bei vielleicht geschätzten 14 Grad Celsius lag.

Auch wenn die Segler mit ihrer „Sainte Reine II“ zwar nicht auf den offenen Pazifik hinaus durften, sei das Revier für zwei Wochen „riesig“ gewesen. Insgesamt haben Wolf Ortlinghaus, Albrecht Ott, Wolfgang Schneider und Eugen Schrödl von Howe Sound aus entlang der Inseln vor Vancouver trotz der mäßigen Brise 64 Seemeilen zurückgelegt und dabei nahezu unberührte Natur entdeckt: Prideaux Havn, die Cassel Lake Falls, Cape Mudge und Toba Inlet beispielsweise haben sie von der Wasserseite bereist und dabei in Buchten geankert, an die man von der Landseite nie gelangt wäre.

Zu sehen gab es Robben, Seeadler und einmal sogar Wale

Jede Menge Robben, Seeadler, schwimmende Hirsche und sogar einen Bären haben sie dabei entdeckt und in der Ferne auch einmal Wale gesichtet. Auch die Uganda Passage und die berüchtigten Seymour Narrows haben sie durchquert, eine Engstelle mit Gezeitenstrom von bis zu 14 Knoten. Eine Durchquerung sei dort auch großen Frachtschiffen nur möglich, wenn der Strom friedlich genug ist, betonten die Segler.

„Als Segelrevier war es einfach fantastisch“, so Ortlinghaus’ Fazit: „Man findet irrsinnig viele Naturhäfen, die so sicher sind, dass man dort tagelang vor Anker liegen könnte – egal, bei welchem Wetter.“ Und das wissen wohl auch die Einheimischen zu schätzen, so sein Eindruck: „Die Kanadier scheinen dem Wassersport sehr verbunden zu sein: Wann immer es geht, zieht es sie raus aufs Wasser.“ Genau wie ihn!

Nach Kanada auswandern will Wolf Ortlinghaus übrigens nicht. Dafür hat er auch beim SKU genug zu tun: Gemeinsam mit der Segler-Gemeinschaft Hilden bot er beispielsweise Ende Februar im Benrather Schwimmbad ein Sicherheitstraining zum Einstieg in eine Rettungsinsel an. Dabei wurde am Sprungturm auch das Abseilen und Bergen von einem Hubschrauber aus simuliert.

Ortlinghaus und Ingo Seubert, Vorsitzender der SG Hilden, wissen, dass solche Übungen auch in der Freizeitschifffahrt wichtig sind: „Gerade beim Abseilen passieren immer wieder tödliche Unfälle“.

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