Vor 50 Jahren gründeten Sportler mit Behinderung den Verein, bei dem bald auch Nichtbehinderte trainierten.

Aus den Vereinen

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Hilden. Gudrun Skowronek führt ein bewegtes Leben. Sie geht regelmäßig schwimmen, hält ihren Körper beim Laufen in Form, ist regelmäßig bei der Aquafitness im Wasser, schwitzt bei der Gymnastik auf der Matte und schiebt alle zwei Wochen beim Kegeln keineswegs eine ruhige Kugel. Ihr Sportprogramm hält die 70-Jährige auf Trab.

„Natürlich tue ich etwas für meine Gesundheit. Trotzdem bin ich dankbar, dass es mir noch so gut geht“, betont die Hildenerin. Selbstverständlich ist das für sie nicht, denn viele Jahre hat sie ihren Mann im Rollstuhl betreut und sich dabei selbst nicht geschont. Ihm zuliebe trat sie damals auch in die BSG Hilden ein, die bei ihrer Gründung vor 50 Jahren noch Versehrtensportgruppe hieß.

Gegründet als Verein für kriegsversehrte Männer

„Der Verein richtete sich damals vor allem an Männer mit Kriegsverletzungen, die dort die Möglichkeit bekommen sollten, sich entsprechend ihrer Behinderung zu bewegen“, berichtet Skowronek. An die Gründungssitzung erinnert sie sich noch ganz genau. Sie begleitete eigentlich nur ihren Mann, der aufgrund seiner Querschnittslähmung selbst nicht Auto fahren konnte. „Wir waren damals noch gar nicht verheiratet“, betont Skowronek. Kaum angekommen, war sie plötzlich mitten im Geschehen. „Zur Gründung waren 14 Leute gekommen und da sagte Hans Grün zu mir, ich sollte doch auch mitmachen, dann wären wir schon 15.“

Die Entscheidung, Mitglied zu werden, hat die Hildenerin nie bereut. Sie fühlt sich bis heute eng mit dem Verein verbunden, kennt viele der Sportler schon seit Jahren und hat Freundschaften geschlossen. Der 50. Geburtstag der BSG ist auch für sie ein goldenes Jubiläum. „Es bedeutet mir viel, denn ich bin als Einzige von Anfang an dabei.“

Als Vorbild für Inklusion würdigte Bügermeisterin Birgit Alkenings bei der Jubiläumsfeier das Engagement des Vereins. „Lange bevor das Wort in den Medien Erwähnung fand, hat es die BSG bereits praktiziert. Sie ist ein Vorbild für ein respekt- und verständnisvolles Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen.“ Anfangs war Gudrun Skowronek das einzige Mitglied ohne Handicap und die einzige Frau.

Frauen dürfen erst seit 1978 bei der BSG Hilden mitmachen

Erst 1978 öffnete sich der Verein auf Druck der Ehefrauen auch für weibliche Mitglieder. „Inzwischen ist das Verhältnis fast ausgeglichen“, sagt Skowronek. Für sie war es immer selbstverständlich, dass Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam Sport treiben. „Hier werden Ängste im Umgang mit Menschen und ihren Behinderungen abgebaut und andererseits Rücksicht und Respekt vor den Leistungen behinderter Menschen vermittelt“, betonte Alkenings.

Obwohl oder gerade weil sie seit zehn Jahren Witwe ist, fühlt sich Gudrun Skowronek bei der BSG wie zu Hause. Nur an den neuen Namen kann sie sich nicht gewöhnen. „Wir heißen nun nicht mehr Behinderten-Sport-Gemeinschaft. sondern Bewegung-Sport-Gesundheit Hilden. Der Vorstand hat gehofft, so auch wieder jüngere Leute zu gewinnen. Doch das ist sehr schwierig.“ Dafür hat der Verein bei seinen Rehasportkursen regen Zulauf. Die bietet er für Mitglieder und Nichtmitglieder an – einfach auf Rezept.

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