Der Velberter Boxclub holte 2008 den sechsten Titel in Folge. Doch Widersacher Berlin hat einen prominenten Förderer.

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Ob die Velberter in diesem Jahr den achten Titel bejubeln können? Der Vorsitzende des Velberter Boxclubs, Hans-Werner Stryak, ist skeptisch.

Ob die Velberter in diesem Jahr den achten Titel bejubeln können? Der Vorsitzende des Velberter Boxclubs, Hans-Werner Stryak, ist skeptisch.

Simone Bahrmann

Ob die Velberter in diesem Jahr den achten Titel bejubeln können? Der Vorsitzende des Velberter Boxclubs, Hans-Werner Stryak, ist skeptisch.

Velbert. Es wird diese Saison äußerst schwer für den Velberter Boxclub (VBC) - das Projekt Titelverteidigung. Sechsmal in Folge konnten die Velberter sich den Pokal sichern und sind mit sieben Titeln fast so erfolgreich wie Rekordmeister Bayer Leverkusen (acht Titel). Doch VBC-Vorsitzender Hans-Werner Stryak tritt im Vorfeld der am 17. Januar startenden neuen Bundesligasaison auf die Euphorie-Bremse: "Vergangenes Jahr haben wir einfach Glück gehabt. Berlin war mindestens so stark wie Velbert. Das hing an einer Kampfrichterentscheidung."

"Es wird schwer, Schritt zu halten."

Und Hertha BSC Berlin, der stärkste Widersacher des VBC und einzige verbliebene Gegner aus der vorigen Saison, hat weiter aufgerüstet. "Die tun eine Menge und werden von Wilfried Sauerland finanziell unterstützt", berichtet Stryak. Der Besitzer des Profi-Boxstalls habe dort außerdem "starke Kämpfer geparkt".

Doch auch die Velberter sind nicht untätig geblieben und haben sich vor allem beim nicht mehr vertretenen BC Olympia Heidelberg bedient. So geht im Bantamgewicht (bis 54 kg) der amtierende Deutsche Meister und Europameisterschafts-Dritte Dennis Makarov auf Punktejagd, der vorige Saison noch für Heidelberg boxte.

Hintergrund: Der Publikumsliebling und älteste VBC-Kämpfer Rustam Rahimov (34) rückt eine Gewichtsklasse höher ins Federgewicht (bis 57kg). "Vor den Olympischen Spielen hat er sich nochmal runter gehungert, aber diese ewige Gewichtmacherei ist sehr belastend", erläutert der VBC-Vorsitzende die Entscheidung des Kämpfers.

Velberter Boxclub hat den Kader mit weiteren Titelträgern verstärkt

Makarov ist jedoch nicht der einzige neue Titelträger, mit dem sich der VBC schmückt: Arthur Schmidt (Leicht, bis 60kg) - ebenfalls aus Heidelberg - sowie Gottlieb Weiß (Halbschwer, bis 81 kg) kommen auch als amtierende Deutsche Meister nach Velbert. Weiß sicherte sich den Titel gegen den Velberter Robert Woge, der nun in die Reserve rückt. Woge wird dennoch die ersten Kämpfe bestreiten, da Gottlieb Weiß noch an der Schulter verletzt ist. "Wir hoffen, dass er am Ende der Saison zum Einsatz kommen kann", sagt Hans-Werner Stryak. Der dritte Heidelberger, Slawa Kerber (Halbwelter), kommt als Vizemeister. Er verlor den Titelkampf gegen den Velberter Harun Sipahi.

Robert Woge verzichtet auf den Schritt ins Profi-Geschäft

Robert Woge hatte im Oktober noch mit einem Wechsel zum Arena-Profistall geliebäugelt, war dann jedoch vom Vorhaben wieder abgerückt. "Steuerlich ist das nicht zu stemmen. Ich habe das Gefühl, noch draufzahlen zu müssen, damit ich überhaupt als Profi arbeiten darf", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung in seiner Heimtstadt Halle/Saale.

Außerdem hätte er danach nicht mehr als Amateur boxen dürfen. "Wenn man einmal einen Kampf als Profi bestritten hat, gibt es kein zurück", berichtet Stryak. "Das hat sicher auch eine Rolle bei seinen Überlegungen gespielt." Denn die Bundesliga ist eine sichere Einnahmequelle, das Profi-Geschäft nicht. Wecle Summen ihn im Profi-Geschäft erwartet hätten, sagt er nicht.

Nicht nur in den Kadern hat sich viel verändert, auch die Bundesliga hat in der neuen Saison ein anderes Gesicht.

Deutscher Boxverband will die Bundesliga attraktiver machen

Denn der Verband will das Bundesliga-Boxen interessanter für das Publikum machen. Ein Schritt: Im Welter-Gewicht findet nur noch ein Kampf (früher zwei) statt, da die unteren Gewichtsklassen beim Publikumsgunst nicht so beliebt sind.

Ein weiterer Schritt: In der Bundesliga treten fünf statt vier Vereine an. Neben dem VBC ist aus der vorigen Saison nur Hertha BSC Berlin übrig geblieben. Neu sind neben Straubing, dem Ausrichter der letzten Deutschen Einzel-Meisterschaften, auch Babelsberg und das Boxteam Nord. Dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluss deutscher und dänischer Kämpfer. "Die Kämpfe werden gewertet, ein Titelgewinn ist für das Team aber nicht möglich", erläutert Stryak, der auch als Liga-Obmann tätig ist, den Modus.

Falls diese Neuerung ankommt, kann sich Hans-Werner Stryak einen noch größeren Schritt vorstellen: "Ich denke an eine Mitteleuropa-Meisterschaft mit Mannschaften aus Deutschland und den Nachbarländern. Vereine aus Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz sind auch daran interessiert. Vielleicht ist das hier der Beginn."

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