Salah El Halimi will sich mehr Zeit für seine Familie nehmen und steigt deshalb bei den Sportfreunden Baumberg aus. Unter seiner Regie erlebte der Fußball-Oberligist die erfolgreichste Saison in seiner Vereinsgeschichte.

Salah El Halimi will sich mehr Zeit für seine Familie nehmen und steigt deshalb bei den Sportfreunden Baumberg aus. Unter seiner Regie erlebte der Fußball-Oberligist die erfolgreichste Saison in seiner Vereinsgeschichte.
Die Ankündigung von Salah El Halimi, dass er den Verein am Saisonende verlässt, war für die Baumberger eine faustdicke Überraschung. Archiv

Die Ankündigung von Salah El Halimi, dass er den Verein am Saisonende verlässt, war für die Baumberger eine faustdicke Überraschung. Archiv

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Die Ankündigung von Salah El Halimi, dass er den Verein am Saisonende verlässt, war für die Baumberger eine faustdicke Überraschung. Archiv

Monheim. Zuerst sah alles nach einem ganz normalen Dienstagabend aus. Die Spieler des Fußball-Oberligisten Sportfreunde Baumberg machten sich in einem lockeren Kreis warm. Alle hatten Spaß. Anschließend gab es in der großen Runde eine Analyse fürs 3:4 vom Wochenende im Spitzenspiel beim SV Straelen. Das machen sie an der Sandstraße immer so unter der Regie von Trainer Salah El Halimi. Was in diesen Minuten nur wenige wussten: Viele solcher Augenblicke mit ihm als Mittelpunkt wird es in Baumberg nicht mehr geben. Nach dem Training teilte der 41 Jahre alte Coach seinem Team offiziell mit, dass er nach dieser Saison aufhört. Die Entscheidung war für viele Spieler nicht nur eine Überraschung, sondern ein Schock. Und sie trifft den Verein in der besten Saison der Vereinsgeschichte auf der Zielgeraden bis ins Mark.

Fragen zur Zukunft beantwortete er zuletzt sehr zurückhaltend

Manche werden wohl etwas geahnt haben. Schließlich beginnt üblicherweise mit der Klärung der Trainerfrage spätestens Ende März die Planung für die nächste Saison. Das war in Baumberg diesmal anders und El Halimi antwortete auf Fragen dazu immer zurückhaltend. Seit Februar trug er den Gedanken an eine Pause mit sich herum: „Es war alles sehr intensiv. Ich habe viel für den Fußball eingesetzt und meine Familie vernachlässigt. Ich liebe den Fußball wirklich – aber meine Familie noch mehr.“

Neben seinem Hauptberuf als Angestellter bei Bayer in Leverkusen mit einem erweiterten Aufgabengebiet nahm der Sport reichlich Raum ein, zumal El Halimi und sein kleines Trainerteam teilweise unter vergleichsweise unwürdigen Bedingungen zu arbeiten hatten (haben). Ob ihm der Ausstieg schwergefallen sei? Die Antwort ist ein klares Jein. „Am schwierigsten war es, als ich den Jungs am Dienstag nach dem Training ins Gesicht schauen musste“, berichtet der Wahl-Hildener, der erleichtert wirkt: „Ich weiß ja, wofür ich mich entschieden habe.“

Die Mannschaft fiel zum größten Teil aus allen Wolken, und sie ist traurig darüber, bald nicht mehr mit El Halimi zusammenzuarbeiten. „Ich finde das persönlich sehr, sehr schade“, erklärt etwa Kapitän Ivan Pusic, „er hat diese Mannschaft immer verstanden. Salah hinterlässt eine große Lücke. Aber ich verstehe seine privaten Gründe.“ Im Namen der Mannschaft gibt er ein Versprechen ab: „Wir geben in den beiden letzten Saisonspielen noch einmal alles.“ Platz drei ist das neue Ziel.

Ähnlich wie der Kapitän sieht es Louis Klotz (27), der in seinen ersten Baumberger Jahren sogar mit El Halimi gemeinsam auf dem Platz stand: „Seine fußballerischen und besonders seine menschlichen Qualitäten sind überragend. Aber ich kann ihn 100-prozentig verstehen.“ Die Einschätzung von Roberto Guirino (26) deckt sich mit der von Pusic und Klotz: „Salah passt perfekt zu dieser Mannschaft. Als ich seine Gründe kannte, habe ich nicht mehr versucht, ihn umzustimmen. Er ist menschlich überragend. Ich keine keinen, der das anders sieht.“ Es ist einer der entscheidenden Punkte: Der derzeitige Chefcoach darf für sich beanspruchen, den inneren Zustand der Mannschaft und deren Verhalten nach außen nachhaltig beeinflusst zu haben. Anders ist der sportliche Aufschwung ohnehin nicht zu erklären. Über gute (Einzel-) Spieler verfügte der Klub schließlich früher schon.

Salah El Halimi übernahm die Mannschaft vor dreieinhalb Jahren in der Katastrophen-Saison 2014/2015 als Chefcoach. Den Abstieg in die Landesliga konnte er zwar nach der Winterpause nicht mehr verhindern, aber er begann Gesicht und Auftreten der Mannschaft Stück für Stück zu verändern.

Erstes Ergebnis: Baumberg schaffte 2015/2016 souverän die Meisterschaft und kehrte direkt in die Oberliga zurück. Das erste Jahr dort brachte 2016/2017 den zwölften Platz und den sicheren Klassenerhalt. Noch besser läuft die aktuelle Serie, in der die Baumberger phasenweise richtig schönen Fußball spiel(t)en und vorübergehend an die Tabellenspitze stürmten. Der Traum von der Regionalliga entstand, konnte jedoch nicht in Erfüllung gehen – weil der Verein vor allem aus finanziellen Gründen keine entsprechenden Unterlagen beim Verband eingereicht hat. Aktuell ist das Team Vierter und es wird diese Position oder sogar noch Rang drei auch in der Abschluss-Tabelle einnehmen.

El Halimis Nachfolger tritt an der Sandstraße in große Fußstapfen

Weil seine Ehefrau und die drei Kinder viel zu wenig vom Vater Salah El Halimi hatten, ist nun bald Schluss. Wen immer der Verein, der keinen Plan B in der Schublade hatte, als Nachfolger aussucht: Er wird in große Fußstapfen treten – das ist nach diesem Dienstagabend klar.

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