Während die Sportfreunde in der Oberliga lange Zeit vom Aufstieg träumten, schwebte der VfB 03 viele Monate lang in Abstiegsgefahr.

Analyse
Die gute Stimmung in der Hildener Mannschaft war ein Garant für den Verbleib in der Oberliga. Archiv

Die gute Stimmung in der Hildener Mannschaft war ein Garant für den Verbleib in der Oberliga. Archiv

Robin Hömig erzielte als offensiver Mittelfeldspieler 21 Treffer für die Sportfreunde. Archiv

Köhlen, Bild 1 von 2

Die gute Stimmung in der Hildener Mannschaft war ein Garant für den Verbleib in der Oberliga. Archiv

Monheim/Hilden. Viele „erholen“ sich gerade auf der Mannschaftstour von den Strapazen einer außergewöhnlichen Saison in der Fußball-Oberliga. Das gilt auch für die Sportfreunde Baumberg (SFB), die in den Wochen nach dem Ende der Serie 2017/2018 vermutlich eine Menge zu diskutieren haben. Hinter den Sportfreunden liegen die unter dem Strich besten Monate der Vereinsgeschichte: Rang vier und 58 Punkte – das gab es noch nie in der höchsten Klasse des Fußball-Verbandes Niederrhein (FVN). Architekt des Erfolges war in den vergangenen dreieinhalb Jahren Trainer Salah El Halimi, der nun der ehemalige Chefcoach ist. Der 41-Jährige tritt aus familiären Gründen in den vorläufigen Ruhestand. Sein Fazit für die zurückliegende Serie fällt kurz und knapp aus: „Wir haben eine überragende Saison gespielt. Zeitweise hatten wir etwas von einem Zug, den nichts und niemand aufhalten kann.“ Es war jene Phase, in der sich Baumberg plötzlich mit dem Thema Aufstieg in die Regionalliga beschäftigen durfte/musste.

Nach drei Siegen und zehn Punkten aus den ersten vier Spielen passierten weniger begeisternde Ergebnisse. Auslöser war am 13. September 2017 das 0:4 gegen die SSVg Velbert – und es sollte bis zum Schluss die einzige Partie bleiben, in der die Sportfreunde chancenlos waren. Insgesamt gab es in den nächsten fünf Spielen nur einen Sieg und lediglich vier Zähler. Was damals keiner ahnte: Mit dem 0:2 am 1. Oktober gegen Ratingen 04/19 erlebte die Mannschaft zum letzten Mal für einen ganz langen Zeitraum, wie sich eine Niederlage anfühlt. Nach zwei 1:1 beim Düsseldorfer SC 99 und gegen den FC Monheim gab es zum ersten Mal fünf Siege. Dazwischen kam das 2:2 gegen die SpVg. Schonnebeck, ehe wieder fünf Erfolge hintereinander gelangen. Nach dem 1:1 gegen den Cronenberger SC und dem 2:0 beim TV Jahn Hiesfeld stand die Serie am 17. März dieses Jahres bei 15 Spielen in Folge ohne Niederlage (41:17 Tore). Kein Wunder: Das Team lag an der Tabellenspitze.

„Wir haben eine überragende Saison gespielt. Zeitweise hatten wir etwas von einem Zug, den nichts und niemand aufhalten kann.“

Salah El Halimi, SFB-Trainer

Mit dem unnötigen 3:4 gegen den ETB SW Essen passierten zwei Dinge: Baumberg musste Platz eins an Straelen abtreten, hatte aber weiter alle Chancen. In der Woche darauf gab der Verein öffentlich bekannt, was kaum groß überraschte: Die Sportfreunde verzichteten in erster Linie aus finanziellen Gründen auf die Abgabe von Unterlagen für die Regionalliga. Weil sich das angedeutet hatte, sahen die Beteiligten darin keine größere Gefahr für den weiteren Saison-Verlauf.

„Ich bin sicher, dass wir keinen Knacks kriegen“, so El Halimi. Zwei Führungskräfte schlossen sich für die ganze Mannschaft an. „Jeder von uns will immer gewinnen. Wir wollen Meister werden“, sagte Kapitän Ivan Pusic. „Wir werden das durchziehen und weiter Gas geben“, kündigte Kosi Saka an. Richtig ist, dass sich die Mannschaft im Endspurt wenig vorzuwerfen hatte, zumal die eine oder andere Niederlage unglücklich entstand. Richtig ist jedoch auch, dass die Ausbeute nicht mehr passen wollte.

Nach dem zweiten 3:4 gegen Essen (wie in der Hinrunde) und dem 1:2 in Ratingen (Hinrunde 0:2) brachten die restlichen acht Partien lediglich die Siege über die späteren Absteiger DSC 99 (3:2) und FSV Vohwinkel (8:2). Gesamtausbeute: sieben Punkte, 18:18 Tore – bescheiden im Vergleich zu den 18 Zählern und 23:10 Punkten in denselben Spielen der Hinrunde. Dass es so kam, lag an zwei Faktoren: Auf der Zielgeraden der Saison hatte die erste Mannschaft große personelle Probleme und am Ende krass darunter zu leiden, dass gleichzeitig Personal zur Verstärkung der Zweiten für deren Kampf um den Aufstieg in die Bezirksliga abgezogen wurde. El Halimi nahm diesen Umstand immer zur Kenntnis, ohne sich zu beklagen: „Ich bin froh, dass es mit dem Aufstieg wenigstens geklappt hat.“

Baumberg zeigte in der vergangenen Saison bisweilen eine sehr ordentliche Balance zwischen Defensive und Offensive. Spieler wie Neuzugang Kisolo Deo Biskup (wechselt jetzt zum TuS Erndtebrück) und Kapitän Pusic sorgten im Mittelfeld für Ordnung. Dahinter war auf Keeper Daniel Schwabke sowie die Abwehr um Kosi Saka Verlass, während sich vorne Mittelfeldspieler Robin Hömig nach einem mäßigen Saisonbeginn steigerte und schließlich auf 21 Saisontore kam. Zweitbester Torschütze der Baumberger mit zehn Treffern war Roberto Guirino, der in der ersten Saisonhälfte den Arbeitsplatz wechselte und ein Stück weiter vorne Erstaunliches leistete. Seine Umschulung war der beste Beweis dafür, was El Halimis Team anders machte als ein nicht kleiner Teil der Konkurrenz: Die Mannschaft wollte guten Fußball spielen – und eben nicht in erster Linie Tore verhindern.

Wie es an der Sandstraße weitergeht, ist auf den Trainer-Positionen bisher nicht geklärt. Zugesagt hat für die kommende Saison alleine der bisherige Co-Trainer Francisco Carrasco. Neben El Halimi steht auch Torwart-Trainer Marco Ketelaer nicht mehr zur Verfügung, der für den FC Schalke 04 für ein Jahr als Jugendtrainer nach China geht.

Der Druck war enorm in den letzten Wochen der Saison, entsprechend groß war die Erleichterung, die den Fußballern des VfB 03 nach dem Abpfiff der Partie gegen den VfR Krefeld-Fischeln ins Gesicht geschrieben stand. Mit 5:1 fegten die Hildener den Abstiegskonkurrenten vom Kunstrasen an der Hoffeldstraße. Während der VfB 03 Hilden im fünften Oberliga-Jahr erneut den Klassenerhalt schaffte, müssen die Krefelder nach vier Jahren wieder den Gang in die Landesliga antreten.

Auf Nervenkitzel bis zum letzten Spieltag wollten es die Hildener dagegen in dieser Saison mal nicht ankommen lassen. „Diesmal haben wir das sehr gut gemeistert – der Druck ist weg“, sagte Stefan Schaumburg nach der Partie erleichtert. Der Kapitän selbst hatte das VfB-Team vor dem Anpfiff im großen Kreis auf dem Kunstrasen noch einmal auf Sieg eingeschworen. „Wir haben in den vergangenen Wochen so oft unnötige Punktverluste kurz vor Schluss kassiert, das war schon ekelhaft“, sagte Schaumburg über seine doch durchwachsene Gefühlslage. Und war einfach nur froh, das „Endspiel“ um den Oberliga-Verbleib gewonnen zu haben. „Es ist kein gutes Gefühl, im März noch nicht zu wissen, wohin die Reise geht“, gestand der 29-Jährige.

Der Teamgeist war die Trumpfkarte, die die Hildener im Endspurt ausspielten. Dabei gingen Michael Kulm und Marcel Bastians mit gutem Beispiel voran. Denn trotz des Drucks, der schon im Dezember von Teilen des Vorstandes auf Teammanager und Trainer ausgeübt wurde, blieb das Gespann bei seiner Linie – und ließ vor allem die Mannschaft nicht im Stich. „Die beiden haben das durchgezogen und gesagt: Wir machen das für das Team“, lobte Schaumburg. Von da an entwickelte sich eine verschworene Gemeinschaft, die entschlossen an einem Strang zog. „Wir haben uns zusammengerissen und das über den Kampf hinbekommen“, sagte der Kapitän. Und ergänzte: „Das waren wir den beiden einfach schuldig.“

In der Tat war in den vergangenen Wochen deutlich zu erkennen, wie fokussiert die Mannschaft zu Werke ging und auch Rückschläge wegsteckte. Wie in Speldorf, als die Gastgeber erst in der Nachspielzeit zum 1:1 ausglichen, oder gegen Schonnebeck, als die Essener in der 86. Minute einen Elfmeter zum 2:1-Sieg verwerteten. Nach dem Sieg gegen Fischeln fiel den VfB-Fußballern nun „ein Riesenstein vom Herzen“.

Stefan Schaumburg, VfB-Kapitän

Dabei war schon zum Meisterschaftsauftakt klar, dass die Hildener vor einer schweren Saison stehen. Wesentlicher Grund: Der Kader war sehr eng bemessen und darauf ausgerichtet, dass in der Winterpause Langzeitverletzte wie Park Ilkwon, Florian Grün, Robin Müller oder Gianluca de Meo wieder einsatzbereit sind. Zugleich versäumten es die Verantwortlichen, für den torgefährlichen Stürmer Jannik Weber adäquaten Ersatz zu verpflichten. Der kam erst in der Winterpause mit Zissis Alexandris – nach einer guten Premiere setzte den Angreifer aber ein unverschuldeter Motorradunfall außer Gefecht. Mit Sascha Dum schloss sich im Sommer zwar noch ein Ex-Profi dem VfB-Team an, doch der fand am Ende seinen Platz in der Innenverteidigung – dort fühlt er sich ganz offensichtlich am wohlsten.

Aufgrund der angespannten Personallage waren die verbliebenen Spieler extrem belastet, deshalb blieben weitere Verletzungen nicht aus – letztlich musste das Trainerteam deshalb in puncto Aufstellung und Taktik eine Gratwanderung hinlegen. Zugleich sorgte das gute Abschneiden in der Vorsaison, als das VfB-Team zwischenzeitlich sogar auf Rang fünf stand und am Ende den zehnten Tabellenplatz belegte, für Begehrlichkeiten auf Vorstandsebene. Alles zusammen brachte kurz vor Weihnachten mächtig Dampf auf den Hildener Oberliga-Kessel.

Und vor einigen Wochen schien es noch, dass die Mannschaft aufgrund der Einflüsse von außen vor einem großen Umbruch steht. Für Michael Kulm stand der Abschied bereits im Dezember fest. Vor einigen Wochen gab auch Marcel Bastians bekannt, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen. „Schweren Herzens“, wie der 36-Jährige bekannte. Denn Bastians ist ein VfB-Urgestein und dem Verein seit mehr als 30 Jahren verbunden.

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